„Kaleidoskop“ zeigt mitreißende Premiere von „Volpone“

Münster-Hiltrup. „Na, Susanne, da kannst du nicht mithalten!“, raunte am Freitagabend, 23.4.2010, eine Zuschauerin ihrer Nachbarin in der Aula des Kant-Gymnasiums zu. So gekonnt, voller Inbrunst präsentierte, zelebrierte der venezianische Protagonist Volpone des gleichnamigen Theater-Stücks von Ben Jonson in der Bearbeitung von Stefan Zweig bei der Premiere seine Zipperlein und Krankheiten, sein bemitleidenswertes Siechtum.

Das vor allem eines ist: vorgetäuscht. Eine raffinierte Falle, ein Trick und Spaß, um Volpones baldiges Ableben zu versprechen. Und so die „Freunde“ zu verleiten, sich in die Gunst dessen einzuschleichen, der nur noch sein Testament mit dem Namen des Haupterben versehen soll – um alsbald einen glücklichen Erben zu hinterlassen. Aber welchen? Und weil Volpone reich ist, stehen Notar (Hannes Tacke), Wucherer (Thomas Zinke), Kaufmann (Cornelius Ewering) und Kurtisane (Gerda Guddorf) Schlange, Geld, Gold und körperliche Reize zu schenken, sich zu verschulden und ihre letzte Würde hinterdreinzuwerfen. Sie beschimpfen jene, die genauso gierig und scheinheilig sind wie sie selbst – und wer sich für den Schlauesten hält, wird am besten an der Nase herumgeführt. Da lässt sich der geldgierige Ehemann verführen, seine Frau Colomba (Nicole Brüggenkamp) dem angeblich fast Toten zu verkuppeln. Das Täubchen ahnt dessen Falle nicht und stellt mit dem heißblütig-rachsüchtigen Sohn des Wucherers (Tobias Gase) zusammen die kleine Fraktion der Unschuldigen. Und alle landen sie vor dem strengen Richter (Irene Morlo).
Aufgestellt, fein gesponnen haben die tückische, gemeine Vielzahl der Ratten-Fallen der Volpone, genial verkörpert von Heinrich Grothues, und dessen Diener und „Schmarotzer“, blendend gespielt von Ursula Frevel. Gleiches lässt sich vom ganzen Ensemble sagen, den Laien der Theatergruppe „Kaleidoskop“  sagen. Seit acht Jahren spielen sie zusammen. Obwohl es durch den Ausfall zweier Verletzter Schauspieler einiges improvisieren musste, zeigte es über zwei Stunden hinweg eine reife Leistung ohne Tadel, die das Publikum begeisterte. Und mitriss – denn spannend bleibt es bis zum Schluss. Die Regie hatte Werner Coenen, der auch als Wachtmeister einsprang sowie das Diener-Terzett mit Marita Rath und Eva-Dorothy Steinberg komplettierte. Bühnenbild, Requisite und Kostüme, organisiert von Hans Rath, Thomas Zinke und Monika Tröltzsch, taten das ihre, mit Detail und Farbenpracht in die Ränkespiele Venedigs zu entführen.
Gut, das es solch einen Menschenschlag nur in Venedig gibt

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