Journalistin berichtete beim AWO-Treff über die Vereinbarkeit von Astrologie und Christentum

Münster-Wolbeck. Lydia Strzebniok ist bescheiden: Astrologin sei sie nicht, auch nicht Historikerin oder Theologin. Die Journalistin weiß viel, sucht und fragt aber weiter. So geht sie spontan auf Fragen des Publikums im AWO-Treff ein. „Sind Christentum und Astrologie unvereiLydia Strzebnioknbar – oder könnte Astrologie gar eine Stütze für den Glauben sein?“ lautet die durchaus brisante Frage.

Keinen Zugang habe er zur Astrologie gefunden, sagt ihr ein älterer Herr. „Ich bin sehr skeptisch, sehr skeptisch“, meint eine agnostische Dame. Eine junge Mutter kann der Astrologie mehr abgewinnen und bekennt sich im gleichen Atemzug als Katholikin. Sie habe einige erstaunliche Entsprechungen erlebt, im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt. In der anderen Ecke sagt jemand: „Es ist ja keine Wissenschaft“. Ein theologisch Gebildeter meint, die Debatte um die Konjunktion des Sterns von Bethlehem könne „man sich sparen“, da es nicht Wesentlich sei.

So ist das Publikum, meist Stammgäste der AWO, tatsächlich so „heterogen“, wie es die Leiterin Ingrid Brock-Gerhardt sagte. Strzebniok findet sich fünf Minuten nach Beginn schon „mitten in der Diskussion“ wieder. Astrologie sei keine Wissenschaft, bestätigt Strzebniok, auch wenn sie manchmal so daherkomme. Auch Humbug und Betrug tarnen sich als Astrologie: „Werden Sie reich an der Börse mit Astrologie“, ist ein Beispiel, das Strzebniok nennt. Dergleichen und der Versuch der Prognose waren schon früh Juden wie Christen ein Dorn im Auge. Doch Astrologie ist „ein weites Feld“ mit vielen Strömungen.

Die seriöse Astrologie zeigen Anlagen, Potenziale des Menschen. Mit seinem freien Willen müsse er sein Leben selbst gestalten, so die  von Strzebniok vertretene Lesart. Auch seine negative Neigungen könne man erkennen und damit umgehen. Eine alte Weisheit laute: „Der Weise steht über den Sternen“. Wenn der Mensch an sich arbeite, so die Journalistin, könne er ganz anders werden. Ideen, die absolut verträglich mit dem Christentum seien.

Das Verhältnis der Kirche zur Astrologie sei nicht ungetrübt, aber auch nicht durchweg negativ. Viele Päpste waren gute Astrologen, Thomas von Aquin ein Kenner der Materie. Leo X (1515-1523) richtete an der von ihm gegründeten Universität einen Lehrstuhl für Astrologie ein. Heute werde dazu wenig geforscht, bedauert Strzebniok. Einige Literatur auch von Geistlichen gibt es dennoch, so „Astrologie christlich“ von Gerhard Voss. Mit Renaissance und Cartesianismus geriet Unerklärliches und nicht Überprüfbares, gerieten Wunder generell und Verdacht und in Verruf.

{mosimage}Dabei gehe die Bibel offen damit um. Die angeblichen heiligen drei Könige seien „Magoi“ gewesen, eben Astrologen aus Mesopotamien, wo diese Kunst hoch entwickelt war. Auch Daniel sei Astrologe gewesen. In einer Fülle bildlicher Darstellungen des Christentums und in Zahlen wie drei, vier und zwölf ließen sich Gemeinsamkeiten feststellen. Auch in Leonardo da Vincis Wandgemälde „Das Abendmahl“ zeige sich diese Symbolik.

Strzebniok ist vom Publikum angetan, bescheinigt ihm Offenheit. Man erkenne, dass sich hier ein Kreis öfter treffe.

Die freie Journalistin wurde in Boppard am Rhein geboren und wohnt in Münster. Unter anderem arbeitet sie für den Deutschlandfunk und den NDR. Auch mit Anna Katharina Emmerick hat sie sich befasst. Ein befreundeter Jesuit bracht Strzebniok in den 80er Jahren dazu, sich mit Astrologie zu beschäftigen. Ein kirchlicher Beauftragter für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wählte aus einer Liste von fünf Vorschlägen von Strzebniok das fünfte: „Astrologie und Christentum“. Inzwischen hat sie öfter Vorträge darüber gehalten. Auch, um selber mehr zu erfahren, wie sie sagt.

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