Grundbesitz: „Intelligente Lageskizzen“ sichern Bodenrechte

Wem welcher Grund und Boden gehört, ist in Deutschland genau dokumentiert. In anderen Ländern sieht das zum Teil anders aus. Solange die beteiligten Nachbarn – beispielsweise Kleinbauern – sich einig sind, sind nicht festgeschriebene Besitzverhältnisse kein Problem. Schwierig wird es, wenn Dritte einen Anspruch auf das Land erheben oder Interesse haben, es zu kaufen. Ostafrikanische Länder wie Ruanda, Kenia und Äthiopien stehen derzeit vor der Herausforderung, Millionen von nicht anerkannten Bodenrechten zu erfassen und zu kartieren.

Geoinformatiker der WWU an EU-Projekt zur Wahrung von Bodenrechten in Ostafrika beteiligt

Wissenschaftler, darunter Geoinformatiker der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), wollen dafür nun innovative und kostengünstige Methoden zur Erfassung von Grundbesitz entwickeln und damit helfen, die Bodenrechte der Bevölkerung zu wahren.

Das Projekt mit dem Titel „its4land“ wird von der Europäischen Kommission im Forschungsrahmenprogramm „Horizont 2020“ mit 3,9 Millionen Euro gefördert und von Forschern der Universität Twente (Niederlande) geleitet. Neben dem Institut für Geoinformatik (ifgi) der WWU beteiligen sich auch die Katholische Universität in Leuven (Belgien), die „Bahir Dar University“ (Äthiopien), die „Hansa Luftbild AG“ (Deutschland), die „Technical University of Kenya“ (Kenia), das „Institut d’Enseignement Superieur de Ruhengeri“ (Ruanda) sowie der Softwarehersteller „Esri Ruanda“ (Ruanda).

Land mit Drohnen fotografieren und kartieren

Die Wissenschaftler nutzen unbemannte Luftfahrzeuge – beispielsweise Drohnen – um das Land fotografisch zu erfassen und zu kartieren. Um die Besitzverteilung in den afrikanischen Dörfern zu erfassen, sollen auch simple Zeichnungen herangezogen werden. Prof. Dr. Angela Schwering, Leiterin des münsterschen Teilprojekts, erklärt: „Unser Ziel ist es, handgezeichnete Skizzen, die von den Menschen vor Ort angefertigt werden, möglichst automatisiert auf die Karten zu übertragen. Dafür entwickeln wir die Technologie.“ Diese sogenannten intelligenten Lageskizzen sind eine Möglichkeit, den Austausch und die Integration von Informationen zur Erfassung von Bodenrechten zu erleichtern.

Automatisierung der Interpretation von handgezeichneten Lageskizzen

Die geplanten Arbeiten am ifgi beruhen auf fünfjähriger Erfahrung in der Automatisierung der Interpretation von handgezeichneten Lageskizzen. „Für uns ist es nach Jahren der theoretischen Forschung sehr aufregend, unser Wissen einzusetzen, um dabei zu helfen, ein gesellschaftliches Problem zu lösen“, unterstreicht Angela Schwering.

Förderlinie „Information and Communication Technologies“ (ICT)

Das Projekt wird über die Förderlinie „Information and Communication Technologies“ (ICT) im EU-Rahmenprogramm „Horizont 2020“ finanziert. Ziel der Förderung ist es, internationale Kooperationen und strategische Partnerschaften mit ausgewählten afrikanischen Ländern und Regionen südlich der Sahara zu stärken. Es sollen gemeinsame, innovative Projekte ermöglicht werden, die auf Informations- und Kommunikationstechnologien basieren und helfen, gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen.

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