„Ich werde glücklich sein“: Film mit Straftäterinnen in der Forensik vorgestellt

„Ich werde glücklich sein“: Film mit Straftäterinnen in der Forensik vorgestellt
Die Filmemacherinnen Karla Stindt und Lea Dinger beantworteten viele Fragen zum Entstehen des Films; es moderierte Prof. Dr. Dieter Seifert, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und Psychotherapie. Foto: A. Hasenkamp.

Zuletzt aktualisiert 25. März 2019 (zuerst 22. März 2019).

Münster-Amelsbüren. „Ich werde glücklich sein“, so der Titel des Films, der zwischen hohen Gittern spielt. Frauen, Straftäterinnen im Maßregelvollzug der Forensik des LWL in Eickelborn sind ganz wesentlich die Handelnden des Films. Das „Forensik Forum“ der Alexianer hatte am Donnerstag zur Vorführung in das Kunsthaus Kannen eingeladen.
Die Frauen sind auf einem langen Weg zu einer neuen Perspektive. Vieles ist erschreckend an ihren Schicksalen: die Kindheit im Alkoholiker-Milieu der Eltern, die berufstätige Mutter, die nach außen hin normal lebt, aber 20 Jahre lang kokst und kriminell wird. Eine hat viel Gewalt erfahren und selbst ausgeübt, und sagt, „am meisten Angst habe ich vor mir selbst“. Immer habe sie die Fehler bei anderen gesehen. Jetzt sagt sie, es seien ihre eigenen Entscheidungen gewesen. Etwa, den Schnaps anzunehmen. „Am Anfang war der Alkohol.“
Der Betrachter sieht die Frauen sprechen, auch Auszüge aus Therapiesetzungen. Was ist zum Beispiel Borderline? Der analytische Blick auf sich selbst gehört zur Therapie. Der Maßregelvollzug steht auch für etwas, dass einige gar nicht kennen: das sichere, eigene Zimmer, ein Aufenthaltsort für länger als drei Monate. „Hier kann ich mich öffnen, denn ich weiß, dass ich verstanden werde.“ Die Frauen können kreativ sein in diesem Rahmen: Ob malend oder als Schauspielerin, eine in einem Team, das „Don Juan“ aufführt, vor Publikum. Sie sehen einen Weg in eine andere Zukunft. In der Therapie im Maßregelvollzug lerne sie, sagt ein, etwas zu tun, bevor sie in das Loch falle.

„Ich werde glücklich sein“: dokumentiert Wege aus Teufelskreisen

Den Filmemacherinnen des „Wuppertaler Medienprojekts“, den Studentinnen Karla Stindt und Lea Dinger, ist ein einfühlsamer Dokumentarfilm von beachtlicher Professionalität gelungen. Die zum Maßregelvollzug verurteilten Frauen als Menschen erkennbar werden zu lassen, war das Anliegen. Und die Frauen sprechen selbst. Abwechslungsreiche Schnitte und Perspektivwechsel ohne Hektik zeichnet den 45-minütigen Film aus, keine ablenkende Musik, ein ohne erklärende Stimme aus dem Off verständliches Geschehen. Die Straftaten, das Schädigen anderer Menschen, sind nicht ausgeblendet. Die Bildwahl ist stimmig, unterstützt, was man von den Frauen erfährt: der ganzflächig vom „Ritzen“ vernarbte Unterarm der früher Suizid-Gefährdeten, im Wind vor dem Gitter tanzende Luftballons. An der Diskussionsrunde beteiligten sich viele der gut 20 Gäste mit Fragen – und viel Lob.

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Die Filmemacherinnen Karla Stindt (v.l.) und Lea Dinger beantworteten viele Fragen zum Entstehen des Films. Foto: A. Hasenkamp.

Beim nächsten „Forensik Forum“ im Kunsthaus Kannen geht es tierisch um den Menschen: das Thema lautet „Tiergestützte Therapie – Schnecke, Schwein und Co. In der Forensik“. Am 27. Juni berichtet eine Fachkraft für tiergestützte Intervention aus Hamm, wie immer um 19 Uhr.

Mehr Film-Projekte aus dem Medienprojekt Wuppertal

 

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