Holmes und Watson zum Mitfiebern im Kopfkino

Holmes und Watson zum Mitfiebern im Kopfkino
Dieser Sherlock Holmes ist auch ein Mann mit sorgsam gewählten Wissenslücken, von Literatur bis Politik. Foto: A. Hasenkamp.

Zuletzt aktualisiert 30. September 2019 (zuerst 28. September 2019).

Münster-Hiltrup. Nicht immer waren der Detektiv Sherlock Holmes und sein Watson, die Figuren Arthur Conan Doyles ein Ermittler-Paar – wie es dazu kam, ließ am Samstag ein Live-Hörspiel im Kulturbahnhof Hiltrup erleben. Wieder einmal war Christoph Tiemann mit dem Theater ex libris zu Gast, der Kulturbahnhof Hiltrup gut gefüllt.

„Die eigentliche Geschichte passiert über Ihren Augen, hinter Ihren Stirnen, in Ihren Gehirnen. Und das ist das Schöne: Sie machen im Grunde das Theater.“

Von Schrecken erfüllt ist die Schwester der auf rätselhafte Weise kurz vor ihrer Hochzeit ums Leben gekommenen Frau, Entsetzen liegt in ihrer dramatischen Wiedergabe des Durchlittenen: Sarah Giese lieh ihr die Stimme in dem Stück „Das gefleckte Band“. Grobe Wut und Drohen bricht aus dem verdächtigen Stiefvater; in der Stimme des Sprechers Urs von Wulfen kommt dies geradezu physisch herüber. Lakonisch, beherrscht, teils spöttisch wiederum ist die Hauptfigur wieder zu geben, Sherlock Holmes: Ihn sprach Alexander Rolfes. Christoph Tiemann fiel die Rolles Erzählers zu und die des Wohngemeinschafts-Genossen und bald treuen, immer wieder staunenden Begleiters. Philip Ritter fügt am Piano ein weiteres Stück Stimmung hinzu, auch die zahlreichen projizierten Bilder helfen den Zuschauern bei den Sprüngen von Ort zu Ort in dem losbrechenden Kopfkino.

So streuen die Darsteller Hinweis auf Hinweis, wer mag, kann voraus denken, wer wohl der Übeltäter sein mag, was das Motiv – und wie das Verbrechen anscheinend gut verdeckt ausgeführt werden konnte. Watson und Holmes stellen eine Falle, dann sagt Holms: „Das Spiel beginnt!“ – und dann ist Pause. Die Spannung bleibt in dieser dramatischen Lesung, die mit ihrem künstlerisch-musikalischen Rahmen die Besucher ein Abenteuer erleben ließ. Inszeniert wurden neben „Das gefleckte Band“ Teile des ersten Holmes Romans „Ein Studie in Scharlachrot“ und die Kurzgeschichte „Ein Skandal im Fürstentum O.“
Nebenbei erklärte Christoph Tiemann, warum zwei der Figur des Holmes zugeordnete Requisiten nicht auf der Bühne waren, die Meerschaumpfeife und die Mütze. Er möge sie nicht, und früher seien sie aus der Not geboren gewesen: Man sollte die Figur schnell erkennen können, auch wenn die Bühne weit weg war oder die Qualität des Filmes schlecht. In der Tat: im Kulturbahnhof Hiltrup war jeder nah dran.

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