Heinrich Gallenkämper blickt mit 90 zurück

Heinrich Gallenkämper mit einem Bild seiner Eltern, einer von vielen Video-Kassetten, seinem neuesten Video auf dem PC-Monitor und einem Gemälde von 1935. Foto: A. Hasenkamp.

Zuletzt aktualisiert 17. Oktober 2020.

Münster-Wolbeck. Heinrich Gallenkämper war nicht immer in Wolbeck – aber in seinen 90 Jahren hat er Weichen gestellt für Stadt und Stadtteil. Kurz nach seinem 90. Geburtstag blickt er zurück auf Leben und Wirken.

Die Eltern wohnten in der Marktstraße, doch sie zogen 1929 nach Lippstadt – dort wurde Heinrich am 14.10.1930 geboren. Drei Wochen später war er zum ersten Mal in Wolbeck, um sich dort der Verwandtschaft vorstellen zu lassen. Des Öfteren war der Vater, der bei der WLE als Chef von Personal und Betrieb arbeitete, in Wolbeck. Sein Bruder betrieb dort noch einen Kötterhof. Heinrich kam oft in den Ferien – 1935 malte ihn Emil Wolter, wie er mit Franziska Barwe vor dem Drostenhof steht. Die Volks- und Oberschule besuchte er in Lippstadt, wo er auch das Abitur machte. Gern erinnert er sich an zwei Jahre in Wolbeck nach dem Krieg, als er in Wolbeck in der Landwirtschaft arbeitete.

Studiert in Münster, kümmert sich um Westfalen

Zum Studium der „Juristerei“ ging er nach Münster, absolvierte das erste Staatsexamen in Hamm, das zweite in Düsseldorf. Nach zwei Jahren in Lippstadt als Anwaltsassessor akzeptierte er 1961 ein Angebot des Landschaftsverbandes, in der Straßenbauverwaltung zu arbeiten. „Ich hätte auch zur EWG gehen können“, erzählt er, habe aber „nicht weiter weg“ gewollt. In Paderborn wurde er Justiziar in der Haupt- und Personalabteilung des LWL. Das sei „eine sehr aufregende Tätigkeit“ gewesen. Autobahnen bauen wie A1 und Sauerland-Linie, Personalnöte: Man stellte 140 Steiger ein in der Zeit der Zechenschließungen: „Das hat uns sehr geholfen“. Denn Bauingenieure seien knapp gewesen, den Unternehmen zahlten „mehr, als wir konnten.“
1959 heiratete Gallenkämper seine erste Frau Doris, sie bekamen „zwei Jungs“. Es sei „schwierig“ gewesen, „eine Wohnung zu finden“.

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Gallenkämper will „nicht kneifen“

1969 ließ er sich von Bernhard Gallenkämper, seinem Vetter, überreden, als Bürgermeister für die Gemeinde Wolbeck zu kandidieren. Den Gemeinderat, in dem auch Guido Muer und Herbert Forsthove saßen, dominierten SPD, Zentrum und FDP, daher glaubte Heinrich Gallenkämper, nur ein Zählkandidat zu sein. Doch seine CDU sprang von 26 auf 52 Prozent. „Ich wollte eigentlich hinschmeißen“, erinnert er sich, die berufliche Belastung war hoch. „Aber ich wollte auch nicht kneifen.“ Gallenkämper wurde 1969 der letzte Bürgermeister der Gemeinde, bis Ende 1974. Schulbau, Bezirkssportanlage, Flächennutzungspläne, die Planungsgemeinschaft mit Angelmodde und seinem Bürgermeister Bruno Krause: „Wenn, dann beide zusammen.“ Die Sportanlage liegt auf dem Gelände Angelmoddes. Gemeinsam stemmte man 1974 auch den Bau des Hallenbads. „Wolbeck war schuldenfrei, Angelmodde auch.“ Zuvor mussten die Lehrer in der Stadt Münster anfragen, wenn die Schüler einmal schwimmen können sollten. Und die Gemeindeverwaltung kam kaum hinterher mit den aus dem Boden sprießenden Häusern. Die Verwaltung habe „sehr ruhig und kompetent reagiert.“ Gern hätte er den alten Friedhof mit dem Drostenhof zu einem Park verbunden.

Wolbecks Charakter

Wolbeck änderte seinen Charakter, resümiert er: Einst geprägt von Landwirtschaft, Kaufleuten und Handwerkern, kamen immer mehr städtisch geprägte Menschen hinzu, auch wegen des Schulzentrums.
Als seine Amtszeit endete, verließ Gallenkämper die Politik. Stadtdirektor Hermann Fechtrup (gestorben 2020) wollte ihn zwar als Beigeordneten gewinnen, doch Gallenkämper fand seine Zuständigkeiten beim Landschaftsverband „viel interessanter“, die sich auf ganz Westfalen bezogen.

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Gallenkämpers fünfter Film ist fertig

1992, mit 63 Jahren, ließ sich Heinrich Gallenkämper pensionieren („das ging damals noch“). Sein Hobby war und bleibt die Heimatforschung. Zum Interesse kam sein Zugriff auf viele Originalurkunden. Gerade hat der nun Neunzigjährige seinen fünften Film fertiggestellt: „Wolbeck. Vom Dorf zum Stadtteil. Soll man weinen oder lachen.“

Heinrich Gallenkämper mit Video-Kassette, seinem neusten Video auf dem PC und einem Gemälde von 1935. Foto: A. Hasenkamp.
Heinrich Gallenkämper zwei Tage nach seinem 90. Geburtstag mit einem Bild seiner Eltern, einer von vielen Video-Kassetten, seinem neuesten Video auf dem PC-Monitor und einem Gemälde von 1935. Foto: A. Hasenkamp.

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