Heimaufsicht: Enorme Herausforderungen durch die Pandemie

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Tätigkeitsbericht der WTG-Behörde im Sozialausschuss / Corona war 2020 bestimmendes Thema

Münster (SMS) Wenn dem Sozialausschuss am Mittwoch der 25-seitige „Tätigkeitsbericht 2019-2020“ der Kommunalen Qualitätssicherung Pflege und Teilhabe (Heimaufsicht) – auch WTG-Behörde genannt – vorgelegt wird, findet sich darin zugleich eine Aufbereitung der Herausforderungen der pandemischen Lage. Der Bericht zeigt: WTG-Behörde, Einrichtungen und ambulante Dienste standen im engen Austausch.

„Schon gleich zu Beginn der Pandemie haben wir mit den Pflege- und Betreuungseinrichtungen in Münster umfangreiche Gespräche geführt und einen intensiven Austausch vereinbart“, sagt Sozialdezernentin Cornelia Wilkens, „diese Zusammenarbeit hat uns durch die so herausfordernde Zeit getragen – und diesen Weg wollen und werden wir auch künftig gemeinsam beschreiten.“

Individuelle Corona-Beratungen in Pflege und Eingliederungshilfe

Seit Beginn der Corona-Pandemie hat die WTG-Behörde alle Einrichtungen und Dienste der Pflege und Eingliederungshilfe regelmäßig und insbesondere über die aktuellen rechtlichen Veränderungen sowie die Empfehlungen des RKI informiert und in enger Abstimmung mit der unteren Gesundheitsbehörde bei der Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen beraten.

In allen Häusern wurden vor Ort individuelle Corona-Beratungen durchgeführt, zum Teil gemeinsam mit dem Medizinischen Dienst oder dem Gesundheitsamt. Die WTG-Behörde erstellte dazu ein umfassendes Hygienekonzept.

„Vertrauensvolles Miteinander“

Alle Vorsichtsmaßnahmen konnten nicht verhindern, dass es im Laufe der Pandemie in 16 Einrichtungen zu größeren Ausbruchsgeschehen kam (darunter elf stationäre Pflegeeinrichtungen und eine anbieterverantwortete Wohngemeinschaft). Die betroffenen Einrichtungen wurden in enger Abstimmung zwischen den Ärztinnen und Ärzten des Gesundheitsamtes und den Mitarbeiterinnen der WTG-Behörde intensiv und kontinuierlich beraten. Turnusmäßig vorgesehene Regelprüfungen der Einrichtungen waren zeitweise auf Weisung des Landes ausgesetzt, nicht erfolgte Prüfungen werden im laufenden Jahr nachgeholt.

„Es wurde immer wieder deutlich, dass die Herausforderungen der Corona-Pandemie nur im kooperativen und vertrauensvollen Miteinander bewältigt werden können. Durch den kontinuierlichen Austausch mit sämtlichen Leistungsanbieterinnen und Leistungsanbietern und die Vor-Ort-Beratungen war die Heimaufsicht nah an den Einrichtungen. Neben der ständigen Erreichbarkeit, auch an Wochenenden und Feiertagen, wurde auch das Beratungsangebot und die Übermittlung von Informationen als hilfreich und unterstützend wahrgenommen“, sagt Sozialdezernentin Cornelia Wilkens.

„Gute Versorgung aufrechterhalten“

Mit dem Start der Impfkampagne Ende Dezember 2020 konnte das Infektionsgeschehen sehr schnell eingedämmt werden. Vereinzelt wurden und werden Bewohnerinnen und Bewohner sowie Beschäftigte zwar noch positiv auf SARS-CoV-2 getestet, der Krankheitsverlauf stellt sich jedoch mild bis asymptomatisch dar. „Das gibt uns Kraft für die weiteren Herausforderungen“, so Wilkens, die den Zusammenhalt unter den Beschäftigten hervorhebt: „Durch die gemeinsame Bewältigung der ständig wechselnden Anforderungen wuchs dieser erheblich. Dass eine gute Versorgung trotz Mehrarbeit und teilweise auch krankheitsbedingte Personalausfälle weiterhin aufrechterhalten werden konnte, ist insbesondere der Einsatzbereitschaft des Pflege- und Betreuungspersonals zu verdanken.“

Fachkräftegewinnung und -bindung bleibt Herausforderung für die Pflege

Unter dem Strich konnte bei den Prüfungen und Vor-Ort-Besuchen sowohl 2019 als auch 2020 eine „überwiegend gute betreuerische und pflegerische Versorgung“ festgestellt werden – dies bestätigen auch die subjektiven Eindrücke der Nutzenden, deren Angehörige oder Betreuende, die sich laut Befragung ebenfalls „überwiegend zufrieden“ mit der Pflege und Betreuung äußerten. Die in Augenschein genommenen Personen befanden sich in einem guten bis sehr guten Pflegezustand. 

Zu den geringfügigen Mängeln gehörte beispielsweise die vorübergehende Unterschreitung der vorzuhaltenden vertraglich vereinbarten Personalausstattung oder Fachkraftquote. Im Rahmen der Prozessqualität wurde teils bemängelt, dass der Umgang mit Medikamenten nicht sach- und fachgerecht erfolgte. Nicht immer war „ein situationsgerechtes Handeln auf besondere Ereignisse erkennbar“, heißt es im Tätigkeitsbericht. Die festgestellten Mängel konnten jedoch durch intensive, teilweise auch mehrmalige Beratungen abgestellt werden. In vier Fällen ergingen aufgrund von dauerhaften personellen Unterdeckungen Anordnungen der WTG-Behörde – unter anderem müssen betroffene Einrichtungen seitdem monatlich Dienstpläne vorlegen.

Eine besondere Herausforderung für die Einrichtungen und Dienste bleibt auch in Zukunft die Fachkräftegewinnung sowie -bindung. Die Mehrheit der Leistungsangebote können die erforderliche Personalausstattung vorhalten, jedoch wird es immer schwieriger, vakante Stellen zeitnah wieder zu besetzen, schließt der Tätigkeitsbericht.