Heimatverein Albersloh ließ Geschichte der Familien an der Sendenhorster Straße Revue passieren

Sendenhorst-Albersloh. Größer waren die Spielplätze nie in Albersloh: Bis zu den fünfziger Jahren waren Höfe und auch die Straße gängige Spielplätze für die Kinder. Auch daran erinnerte der Heimatabend am Dienstag bei Rosery am Rohrlandweg nahe der Sendenhorster Straße und dem Kohkamp.

Lebendig schilderte Heinz Bartmann, wie gespielt wurde, vom Fußball bis zum Reifentreiben oder Schlittenfahren mit Stöcken. Dafür hätten die damaligen Toiletten-Anlagen heute einen Aufschrei ausgelöst.

Landwirtschaft und Handwerk waren zentral, mancher arbeitete als Tagelöhner, auch eine Ziegen-Deckstation gab es. Die war auch eine besondere Peep-Show. Viele Erinnerungen kamen hoch:  Wildemanns Holzschuhe – „die gingen nie kaputt, so dick waren die“, sagte Bartmann. Zu vielen Orten und vor allem Gesichtern gab es Kommentare aus dem Publikum.

Selbstversorger waren fast alle Familien und damit nach dem Kriege gut dran gegenüber der Verwandschaft aus der Stadt. So spähten die Kinder sonntags beim Eintreffen des 12:50-Zuges, ob wohl Besuch käme: Dann drohte die Halbierung der Bratwurst. Gemüse und Kartoffeln gab es reichlich. Man hielt Kühe, Ziegen, Hühner und auch Pferde.

Brände gab es immer wieder einmal, Gefährliches im II. Weltkrieg: Granaten beim Anrücken der US-Armee, letzte Bedrohung durch einen Wehrmachts-Soldaten beim Ausbringen eines weißen Bettlakens in der Linde, die Resteverwertung des Hakenkreuztuches zu roten Taschentüchern.

Dann kam „die schönste Zeit, wir mussten nicht zur Schule“. Bald wurde aber improvisiert, auch in der Küche von Homeyer oder Jolk, auch Opa Lömke unterrichtete. Zu den Aufgaben der Kinder gehörte es auch, Runkeln zu schrappen oder Pferdeäpfel aus dem Straßenpflaster zu kratzen – die gaben Dünger.

Dann kamen die Autos und viele LKWs; zum Teil mit zwei Anhängern wurden Steine durch das Wersedorf transportiert. So intensiv, das das Geschirr in den Schränken klapperte und die Glühlampen nicht lange hielten. Mitunter, erinnerte sich Bartmann, konnte man den Glühfaden wieder auflegen und so die Glühbirne retten.

Viele Fotos kamen aus den Beständen von Elisabeth Haves, geborene Appelhoff, Ludger Kraienhemke, Heinz Seebröker, Stefan Stapel sowie von Pilgrim und Rosery.

Mit Komik endete der Abend; Irmgard Möllenkamp flutete den Raum mit ihrem „Telefon-Terror“ einer Schein-Senilen und Maria Naber rang noch einmal um dieses Ding namens Unschuld. Willi Berheide dankte den Referenten, der gastgebenden Familie Rosery und den Helfern des Heimatvereins Albersloh.

 

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