Handel, Politik und Partystimmung im 16. Jahrhundert

Stadtmuseum Münster zeigt die Ausstellung „Münster 1570 – Geschichte und Geschichten aus der Hauptstadt Westfalens“ / Förderverein holt 452 Jahre alte Stadtansicht nach Münster

Münster (SMS). Eigene Münzen und zwei Bürgermeister hatte Münster im Jahr 1570. Zahlreiche Künstler waren hier tätig, Karneval wurde ausschweifend gefeiert. Auch der niederländische Kupferstecher Remigius Hogenberg befasste sich seinerzeit mit der Hauptstadt Westfalens: Er stellte einen Kupferstich her, der die Stadtansicht Münsters zeigt. Und er übergab dem Rat am 26. Mai 1570 einen Abzug des gerade fertiggestellten Werkes. Zur Ausstellung „Münster 1570 – Geschichte und Geschichten aus der Hauptstadt Westfalens“, die vom 5. April bis zum 25. September im Stadtmuseum Münster läuft, kommt der einzige noch erhaltene Druck dieses Kupferstiches zurück nach Münster. Zuvor wurde er in der British Library in London aufbewahrt.

Rarität aus London ausgeliehen

„Dem großen Engagement des Fördervereins unseres Museums haben wir es zu verdanken, dass diese Rarität aus London ausgeliehen werden konnte. Jetzt gibt sie den Anlass für eine Ausstellung, die Besucherinnen und Besucher zurückführt in das Leben im Münster des 16. Jahrhunderts“, sagt Museumsleiterin Dr. Barbara Rommé.

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Hermann tom Ring schuf Vorlage für Kupferstich über Münster-Motiv

Damals war Hermann tom Ring ein viel beauftragter Maler – er hatte auch die Vorlage für Hogenbergs Kupferstich gezeichnet. Der Stadtrat fühlte sich durch seine detaillierte Ansicht der westfälischen Metropole und die lobenden Texte geschmeichelt und honorierte diese Gabe mit einem großzügigen Geldgeschenk, wie das erhaltene Rechnungsbuch belegt.

Stadt Münster und ihre Verteidigungsanlagen

Die sehr detailreiche Ansicht der Stadt Münster und ihrer Verteidigungsanlagen sowie das anschaulich dargestellte Leben und Treiben der Bewohner außerhalb der Stadtbefestigung bilden die Grundlage für eine interessante Spurensuche zu bekannten und unbekannten Geschichten in jenem Jahr: Was passierte 1570 in Münster, was in Europa? Wie sah es in Münster zu jener Zeit aus? Wann fanden Send und Ratswahl statt, und wer wurde gewählt? Wer war Bischof, wer die beiden Bürgermeister? Was bewegte die Menschen, und mit welchem Geld wurde damals bezahlt?

„Ergänzend zeigen wir die mehr als 400 Jahre lang verschollene Originalhandschrift von Hermann Kerssenbroick, damals Leiter der münsterschen Domschule. Auch er hat die ,Hauptstadt Westphalens´ lebendig porträtiert“, so Dr. Barbara Rommé. In dem von 1566 bis 1573 entstandenen Manuskript schildert Kerssenbroick zum einen rückblickend die Geschichte der (Wieder)-Täufer in Münster in den Jahren 1533 bis 1535, beschreibt aber auch als Zeitzeuge sehr ausführlich Münster sowie den Alltag der Einwohnerinnen und Einwohner zu seiner Zeit. Er berichtet darüber, wann der Wochenmarkt stattfand, wie ausschweifend die Münsteranerinnen und Münsteraner Karneval feierten und warum regelmäßig ein großes rotes Tuch an einem der Domtürme aufgehängt wurde. Manches kommt auch heute vertraut vor, anderes verwundert oder lässt einen schmunzeln.

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Münster hatte sich nach den Zerstörungen während der Täuferzeit zu einer florierenden Hansestadt entwickelt, in der Händler und Handwerker für Wohlstand sorgten. Diese Blütezeit der Bürgerstadt war auch geprägt durch die Produktion bedeutender Werke der Kunst und des Kunsthandwerks. Anhand von zahlreichen authentischen Objekten, darunter Gemälde von Hermann und Ludger tom Ring, Kupferstiche, Bücher, Akten, Urkunden, Handschriften, Münzen und Waffen, wird das Leben in der westfälischen Metropole vor mehr als 450 Jahren veranschaulicht. Bedeutende Leihgaben stammen unter anderem aus dem LWL-Museum für Kunst und Kultur, dem Stadtarchiv Münster sowie von der Kirchengemeinde St. Lamberti.

Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé freut sich, dass die Schau jetzt präsentiert werden kann – wenn auch zwei Jahre verspätet: „Endlich können wir diese wichtige Ausstellung zeigen. Denn 2020 – pünktlich zum 450. Jubiläum der Übergabe des Kupferstichs – hat uns die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht.“