Großartiger Ausdruck von Hindemith bis Schubert: Volodymyr Lavrynenko

Volodymir Lavrynenko im Erbdrostenhof in der Konzertreihe Chapeau Classique der GWK. Foto: A. Hasenkamp.

Münster. Nicht zuletzt einen Schubert-Könner erwartete das Publikum beim Klavier-Konzert mit Volodymyr Lavrynenko im Erbdrostenhof, und bekam noch mehr in der Reihe „Chapeau classique“ der GWK.

Zuerst Beethovens Sonate op. 14 Nr. 2 G-Dur, die schon das hochenergetisch Aufgeladene des ganzen Programms vertritt. Die fein abgestufte Dynamik, die der Pianist aus der Ukraine hier zeigt, kann er auch bei Paul Hindemiths Sonate Nr. 3 B-Dur gebrauchen, selbst wenn diese stark das Abrupte prägt, das Wechselhafte, der brutale Umschwung der Stimmungen. Lavrynenko lässt ihnen könnerhaft freien, wilden Lauf.

Nach dem wilden Zerreißen bei Hindemith, gerade weil es so gelungen und beeindruckend ist, kann das Hineinfinden in Schuberts Sonate A-Dur D 959 anfänglich schwerfallen, trotz der Pause dazwischen. Doch spätestens im Andantino hat Lavrynenko die Ohren der Gäste wieder weit geöffnet für die dritte Klangwelt des Konzerts. Klar und transparent malt er die Ideen Schuberts aus, seine einzigartigen Melodie-Schöpfungen, auch die Melancholie.

Wer bei Schubert an dessen Lieder dachte, kam indirekt auf seine Kosten, im Kreis von Schubert-Begeisterten: die zweite Zugabe war ein „Lied ohne Worte“ – allerdings von Mendelssohn. Die erste Zugabe war ein Intermezzo Brahms‘.

Mehrfach erhob sich ein Teil des Publikums zu Applaus und begeisterten Rufen für musisch ausdrucksstarkes Konzert. Da und dort störten Gäste mit Hüstel-Continuo oder anderem die Konzentration.

Lavrynenko hat bereits in einigen Ländern studiert, auch dort, wo Schubert lebte; 2016 gewann er den 1. Preis des 13. Internationalen Schubert-Wettbewerbs in Dortmund.

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