Gedrucktes besser lesbar machen „Wegweiser Stadtverwaltung“ barrierearm gestaltet

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Münster. Er ist größer, die Schrift ohne Schnörkel und am Ende informieren Piktogramme, ob ein Gebäude mit dem Rollstuhl besucht werden kann. Die Rede ist vom städtischen "Wegweiser Stadtverwaltung", dessen aktuelle Auflage dem Prinzip "Gut gestaltet – gut zu lesen" folgt.

Kooperationsprojekt auch im Ausland gefragt

Unter diesem Motto startete die Stadt Münster 2006 ein Projekt zur barrierearmen Gestaltung von Veröffentlichungen, das heute weite Kreise gezogen hat. Wer viel Grips und Geld in eine Broschüre steckt möchte, dass viele Menschen sie lesen. Also auch die, deren Sehkraft nachlässt. Deshalb hatten Presseamt und die Koordinierungsstelle für Behindertenfragen sich gefragt, wie man Veröffentlichungen möglichst ohne Barrieren gestalten kann. Auf der Suche nach Antworten fanden sie im Fachbereich Design der Fachhochschule Münster einen kompetenten Partner und im Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen (BSVW) einen engagierten Begleiter. Handbuch und "Rolli-Schrift" Das Ergebnis: das Handbuch "Gut gestaltet – gut zu lesen" mit praxisnahen Layout-Tipps und die Piktogrammschrift "Rolli". Sie vermittelt anschaulich und platzsparend Informationen zur Zugänglichkeit und zu speziellen Angeboten für behinderte Menschen, beispielsweise ob es in einer Einrichtung ein Behinderten-WC, einen rollstuhlgeeigneten Fahrstuhl oder eine FM-Anlage für hörbehinderte Menschen gibt. Bisher haben sich vor allem städtische Einrichtungen, die mit älteren und behinderten Menschen arbeiten, die Tipps zunutze gemacht. So präsentieren sich das Infobüro Pflege, die Koordinierungsstelle für Behindertenfragen und die Heimaufsicht mit ihren Broschüren barrierearm. Die Heimaufsicht wendet sich außerdem mit einem Porträt in leichter Sprache gezielt an Menschen mit Lernschwierigkeiten. Außerdem stehen allen Beschäftigen besser lesbare Alternativen zur herkömmlichen Visitenkarte zur Verfügung. Die Rolli-Piktogramme, sie sind auf jedem städtischen Computer zu finden, liefern auf verschiedenen Veröffentlichungen behinderten Menschen Informationen zur Zugänglichkeit von städtischen Gebäuden.

Demnächst auch im Internet: Sie werden nicht nur in den städtischen Behördenwegweiser aufgenommen (www.muenster.de/ stadt/sae), sondern auch bei der Überarbeitung des Stadtführers für Menschen mit Behinderungen eingesetzt (www.muenster.de/komm). Internationales Interesse Und die Resonanz auf "Gut gestaltet – gut zu lesen" beschränkt sich nicht auf Münster. Der BSVW setzte das Handbuch in landesweiten Schulungen ein, bei denen er Kommunen fit für die Neuerungen des Behindertengleichstellungsgesetzes machte. Fast 150 Anfragen erreichten die Herausgeber aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg. Kommunen, Unternehmen, Ministerien und Behindertenverbände waren ebenso interessiert wie zahlreiche Grafik-Agenturen. Nicht umsonst ist die barrierearme Gestaltung bei der Fachhochschule Münster fester Bestandteil des Lehrplans. Wegen des großen Interesses sind die Tipps zur barrierearmen Gestaltung jetzt im Internet zu finden (www.muenster.de/stadt/medien). Auch die "Rolli" hat die Stadtgrenze überschritten und wird z. B. in Düsseldorf, im Kreis Olpe und im britischen Horley eingesetzt (www.rollischrift.de).

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