Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag in Münster

An der Kranzniederlegung beteiligten sich auch der Reservistenverband der Bundeswehr und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster, www.fotograf-muenster.net.

Münster. Am Volkstrauertag lag ein Schwerpunkt auf dem Ersten Weltkrieg. Bei der zentralen Gedenkveranstaltung am Rathaus Oberstleutnant würdigte Martin Guttzeit, Luftwaffe, auch die Akteure des Widerstands gegen Hitler und die Menschen, die auf der Flucht vor Vertreibung und Terror ihr Leben ließen. „Auch gedenken wir der Soldaten, Polizisten und anderen Menschen, die heute in Afghanistan, Mali und anderen Ländern für Frieden und Freiheit kämpfen“. Guttzeit schloss mit dem Brecht zugeschriebenen Zitat: „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“ Bei der Kranzniederlegung an der Rückseite des Rathauses vor einigen Dutzend Politikern, Militärs und Bürgern neigen zum Trommelwirbel die Abordnungen der Burschenschaft der Pflüger Halle zu Münster und der Franconia die Fahnen.

Jüdische Patrioten wollten die Anerkennung als gleichwertige Staatsbürger

Im Friedenssaal beteiligt sich das Paulinum mit einem Chor und drei sehr gut vorgetragenen Texten, ein Quartett des Luftwaffenmusikkorps spielt. Bürgermeisterin Wendela-Beate Vilhjalmsson erinnerte an den Missbrauch des Gedenktags als „Heldengedenktag“ durch die Nationalsozialisten. Den Hauptvortrag las Stadtrat Wolfgang Heuer als Vertreter des Autors, des erkrankten Sharon Fehr, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Münster. Er erinnerte an jene jüdischen jungen Männer, die „wie ihre nichtjüdischen Kameraden – die meisten von ihnen halbe Kinder“ im August 1914 „teilweise mit großer Begeisterung in den Krieg gezogen“ waren. Sie hätten nicht nur für ihr Vaterland kämpfen wollen, „sie erhofften sich auch, dass sie nun endlich auch als gleichberechtigte deutsche Patrioten akzeptiert würden“. Aber der Antisemitismus ging weiter. 1916 sollte eine „Judenzählung“ die Juden als „Drückberger“ verunglimpfen. Das Ergebnis fiel anders aus, es entsprach „nicht dem Bild, das sich die Antisemiten erhofft hatten“.

Mit der „Dolchstoßlegende“ ging die Propaganda weiter. „Nicht wenige waren für ihre Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden und mit diesem an der Brust gingen etliche von ihnen in die Vernichtungslager der Nazis.“ Der Antisemitismus, so Fehr, „betrifft uns Juden, aber er ist nicht unser Problem. Er ist vielmehr das Problem der nichtjüdischen demokratischen Gesellschaft, die ihn um ihrer eigenen Würde und Ehre nicht zulassen darf.“

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