Gedenkblätter-Veranstaltung in der Villa ten Hompel erschließt weitere Dimensionen

Münster. Wie sich erinnern und dabei für die Zukunft bewahren? Dazu Anregungen zu geben, dass treibt im Blick auf die vor 70 Jahren aus dem Münsterland deportierten jüdischen Mitbürger den Verein Spuren Finden aus Münster um. Nicht zuletzt über die Verlegung von „Stolpersteinen“ und das Anfertigen von Gedenkblättern hat er seine Arbeit bekannt gemacht.

Am Freitagabend zeigte „Nachgefragt – zehn Jahre Gedenkblätter aus dem Münsterland“ in der Villa ten Hompel, wie unterschiedlich Lebenswege von Deportierten verliefen und wie vielfältig man sich damit befassen kann. Zwei Klassenkameradinnen, eine davon Nonne,  eines 1936 geborenen Mädchens, das noch in Deutschland lebt, lasen ein Gespräch mit Frage und Antwort, ein Lehrer aus Dorsten präsentierte, was seine Schüler über Walter Rosenbaum herausgefunden hatten, einen Viehhändler, der eine Tapferkeits-Medaille aus dem I. Weltkrieg vorweisen konnte und dessen Grab dann im II. Weltkrieg verschwand.
Martha Hermsen berichtete von ihrer Recherche über Hedwig Uhlmann. Leider habe sich kein Fotogefunden, bedauerte sie. Das hatte lange auch die Recherche zur Familie Philipps aus Wolbeck eingeschränkt. Wie sehr im Prozess der Recherche selbst wesentlich Neues zu Tage kommen kann, zeigt ihre Geschichte, über die Maren Becker erzählte. Die heute 15-jährige arbeitete vor einem Jahr mit in einer AG Stolpersteine am Gymnasium Wolbeck.
Die Recherche von Schilling in Wiedergutmachungs-Akten brachte zwei Namen zum Vorschein, die Kontaktaufnahme förderte ein ganzes Foto-Album zu Tage; vor einigen Wochen gab es ein Familientreffen von Nachkommen in Wolbeck. Viele offene Fragen werden sich beantworten lassen, so Schilling, das Gedenkblatt wird ganz neu verfasst. Das werde noch einige Zeit erfordern. Becker will dabei sein, sagte sie.
Einen breiteren Zeitraum nahm der Lehrer Karl-Friedrich Herhaus in den Blick; er untersucht  Lebensverläufe jüdischer Schüler am evangelischen Gymnasium Arnoldinum Steinfurt. Auch hier sollen sich Schüler beteiligen können, so sein Plan.
Eine andere Art der Annäherung und des Vermittelns stellten Hermann Löhring und Klaus Uhlenbrock aus Ahaus vor. Sie präsentierten „Hörszenen aus Ahaus. Henny und Marga – Versuch einer Annäherung“,
Christoph Spieker, Leiter der Villa ten Hompel, Sitz des regionalen Befehlshabers der Ordnungspolizei im NS-Regime, würdigte die Arbeit des Vereins: „Es ist dir“, sagte er zu Schilling, „gelungen, einen Bogen zu schlagen von der Vergangenheit in die Zukunft, denn die Stolpersteine sind ja etwas, das in die Zukunft verweist“. Die Arbeit habe auch einen Bogen geschlagen von den Betroffenen und ihren Angehörigen und denen, die sich als Paten ihrer annehmen.
Die Texte werden in der Villa ten Hompel nachzulesen sein, versprach Schilling. Die „Hörszenen“ sind als CD verfügbar.

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