Gartenbauschule Wolbeck prägte Wolbeck

Gartenbauschule Wolbeck prägte Wolbeck
Mit Militär auf dem Dach und im Garten: Die Gartenbauschule Wolbeck.

Zuletzt aktualisiert 10. Januar 2021 (zuerst 30. Januar 2020).

Münster-Wolbeck (agh). Dem einen war die ehemalige Gartenbauschule an der Münsterstraße an der Angel die „Kinderstube“, der anderen ein vielseitiger, sich wandelnder Arbeitsplatz: Horst Niggestich und Sieglinde Stratmann tauchten am Donnerstag im Gespräch mit Georg Rölver tief in die Geschichte eines Gebäudes ein, dass lange das Leben in Wolbeck prägte.

Niggestich wuchs mit seinen zwei Geschwistern gleich neben der Schule auf, die eines der wenigen Gebäude dort war. Richard Badke, Schuldirektor seit 1947, war er wohl bekannt: seine Mutter war wie damals üblich, dort in die Lehre als Haushaltsgehilfin gegangen; die Kinder der Nachbarschaft sorgten für manches zerbrochene Fenster in der Schule. Was nicht mit einem Fußball geschah, so Niggestich: „Wir waren bitter arm“, hatten weder Fußball noch Fußballschuhe. Der Direktor wollte ihn gern zum Gärtner ausbilden lassen, doch Niggestich vermied das, wurde Kaufmann. Der 1937 Geborene erinnert sich noch an Baracken der Wehrmacht auf dem Gelände der Schule, auf deren Dach eine Hütte wohl der Fliegerabwehr diente (siehe Fotos). Im Krieg wuchs hier vor allem Gemüse und Schüler hatte der Direktor keine mehr, so Niggestich. Die meisten Straßen waren nur Feldwege; der Gräfin von Merveldt sei einmal auf der Fahrt nach Münster die vierspännige Kutsche zu Bruch gegangen. Später bot die Schule Pflanzen zum Kauf an, „mit Schlangestehen“.

Die spätere Gärtnermeisterin Sieglinde Stratmann ging mit 14 in die Lehre, ging aus Hamm 1963 an die Meisterschule. Zusammen mit einer Frau aus Schöppingen und der Nonne Schwester Petra war sie allein unter 62 Schülern ihrer Klasse. Später wurde sie dort Versuchstechnikerin – und vieles mehr, zum Beispiel in der Öffentlichkeitsarbeit und für Bundesgartenschauen.

Die Gärtner-Feiern „waren immer top“, so Niggestich, und das Winterfest war laut Stratmann ein „Heiratsmarkt“ – der Ehemaligen-Verein, für den sie bis 2006 aktiv war, zählte 25 bis 30 Ehepaare mit Wolbecker Anteil.

Die Anzahl der Übernachtungsgäste ließ später deutlich nach: „da hatten die Schüler Autos“, sagt Stratmann. „80 Prozent sind gefahren“. Zuvor hatten viele Wolbecker auch darüber ihr Häuschen finanziert, indem sie Zimmer vermieteten oder Kostgänger aufnahmen. Außerdem wuchs die Zahl der Frauen in der Schule. Ein Einschnitt war der Umzug der Schule an die Münsterstraße 62-68.

Die Schüler belebten Wolbeck und seine Umgebung, auch die Ende der sechziger Jahre noch   17 Kneipen bei 3000 Einwohnern – man zog abends zum „Tanneneck“ und zu „Borghorst“. Eine andere Einrichtung, die Menschen von außerhalb und Arbeitsplätze brachte, war das Kurhaus.

Die Ausstellung, von Georg Rölver zusammengetragen, ist im Achatiushaus noch bis Ende Februar zu sehen.

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