Freundschaft bis in den Luftschutzkeller

Freundschaft bis in den Luftschutzkeller

Israeltag würdigt Karl-Heinz Volkert und das ungleiche Paar David Ben Gurion und Konrad Adenauer

Münster. Die Feier zum Israeltag im Erbdrostenhof erzählte von Begegnungen und plädierte für mehr davon. Am Donnerstag begrüßte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Münster, Regine Foerster, Bürgermeister Klaus Rosenau, seit wenigen Wochen Vorsitzender des Fördervereins Freundeskreis Münster Rishon LeZion, Gabriele Nitsch von der Israelstiftung, Sharon Fehr, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster und Dr. Michael Borchard von der Konrad-Adenauer-Stiftung Berlin. Der 12. Mai 1965 markiert die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und der Bundesrepublik. Geehrt wurde Karl-Heinz Volkert (1932 – 2013), langjähriger Vorsitzenden und Förderer der DIG Münster und der Israelstiftung, der in den 60er Jahren seine Liebe zu Israel entdeckte und bewahrte. Als Israel unter Beschuss stand, flog er hin und saß mit Freunden in einem Luftschutzkeller, erzählte seine Tochter, Gabriele Nitsch.
Fehr würdigte Volkert als „profunden Israel-Kenner“. Sein Haus sei ein „Wohlfühl-Ort“ gewesen, er habe auch in den 80er Jahren der Gemeinde „enorm viel geholfen“, als viele jüdische Auswanderer aus der UdSSR die Gemeinde vor Herausforderungen stellten. „Karl-Heinz hat sich in unserer Gemeinde und weit darüber hinaus einen guten Ruf erworben“, sagte Fehr in Gegenwart von dessen Tochter, Nitsch. Die deutsch-israelischen Beziehungen seien stabil, dieser Tag „ein Freudentag“: „Wenn’s mal kriselt – zusammenhalten!“ Seit dem Besuch ihres Vaters 1965 dort habe sein Herz „nur noch für Israel geschlagen“. Der Freundeskreis will laut Rosenau im Herbst eine Reise nach Israel anbieten.
Ein „kleines Wunder“ sei die Freundschaft von Ben Gurion und Adenauer gewesen, so Borchard in einem lebhaften Vortrag. Ministerpräsident und Kanzler, sozialistischer Pragmatiker und „rheinisch-katholischer Zionist“ fassten Vertrauen. Die Zuneigung setze sich in ihren Enkeln fort, berichtete Borchard. Vertrauensvoll sei auch das Verhältnis Rabin-Kohl gewesen, eher schlecht das von Begin und Schmidt. „Wir sind immer noch nicht ambitioniert genug, was Begegnungen angeht“, so Borchard. Pflegen solle man eine „Kultur des genauen Hinsehens und des gegenseitigen Verstehens“.
In der „Perle des Münsteraner Barock“ musizierten dazu Batia, Eckart und Daniel Lorenzen.

Tipps: Dokumentar-Film & ein Buch

Tipp: Ein neuer Dokumentarfilm, »Reckonings«, beleuchtet die schwierige Geschichte hinter deutscher Entschädigung für NS-Verbrechen, behandelt nicht zuletzt die Luxemburger Abkommen von 1952.
Siehe hier einen Artikel dazu in der Jüdischen Allgemeinen (online).

Buch von Dr. Michael Borchard: Eine unmögliche Freundschaft: David Ben-Gurion und Konrad Adenauer“. München: Herder, 2019.