Finkenjäger und Fasanen: Vortrag schildert den Tiergarten als kulturhistorisches Denkmal

Münster-Wolbeck. Der Tiergarten ist ein kulturhistorisches Denkmal und sollte auch so behandelt werden. Das war ein zentrales Anliegen von Dr. Hans-Joachim Böckenholt, das er den Zuhörern im gut gefüllten Rittersaal des Drostenhofes am Donnerstagabend näherbrachte.

Dr. Hans-Joachim Böckenholt Der Tiergarten ist naturgeografisch nicht zu erklären, sagte der gelernte Geograph und Lehrer: Seine Form ist regelmäßig, fast rechteckig, und wie ein Kreuz teilen ihn die Wege auf. Nahe einer Siedlung bestand er über Jahrhunderte fort, ohne durch massiven Einschlag oder andere Nutzung zu verheiden.
Den Ausschlag gaben kulturhistorische Aspekte, so Böckenholt in dem Vortrag „Der Tiergarten in Wolbeck – Ein fürstbischöfliches Jagdrevier“. Er sei wohl ein königlicher Forst gewesen, der dem Landesherrn zum Lehen gegeben worden sei. Die Landesburg prägte ihn: Die Hauptachse weist direkt auf den Standort der früheren Landesburg, von der auf Tripps Hügel nur ein Brunnen geblieben ist. Der Ausbau zur Residenz im 14. Jahrhundert und große Feierlichkeiten wie der Einzug Franz von Waldecks in Münster 1533 forderten auch den Tiergarten als Lieferant von Fleisch. Finkenjäger gab es, ein Pirschweg rund um die 288 Hektar half bei der Jagd auf Rot- und Schwarzwild und Geflügel. Die Angel lieferte Fische und Krebse. Vor allem der leidenschaftliche Jäger Fürstbischof Franz Arnold von Wolff-Metternich (1706 bis 1718) gestaltete aus dem Forst den Tiergarten, Grenzstein von 1705Fürstbischof Clemens August von Bayern optimierte die Sicherung des Forstes in seiner 40-jährigen Amtszeit. Ein Wall und Dornenhecken sowie auch Bewaffnete schützten den Tiergarten.
Der Öffentlichkeit zugänglich wurde er mit der Übernahme durch die Preußen 1803. Als Domänenwald stand nun die Holzwirtschaft ganz im Vordergrund. 1904 bis 1912 gab es eine Kaffee-Wirtschaft im Jagdschlösschen nahe dem Teich, dem heutigen Biotop. Vom Wald profitierte Wolbeck dann in seiner kurzen Geschichte als Kurort. Den Bäumen im Park des Lackmannschen Kurhauses wurde schon an sich eine beruhigende Wirkung auf Nervöse zugesprochen.
Der Wald prägte schon das Wappen aus dem Jahre 1603 und erhielt sich bis in das am 12.02.1952 verliehene Wolbecker Wappen.
Den fast zweistündigen Vortrag, Teil des Jahresprogramms des Förderkreises Drostenhof zu Münster-Wolbeck  e.V., lockerte Böckenholt mit zahlreichen historischen Karten und Zeichnungen auf.
Primär, so Böckenholt, sei der Tiergarten ein Kulturdenkmal. Dieses bedürfe besonderer Aufmerksamkeit und Pflege, betonte Böckenholt wiederholt. Das Vogelschießen jenseits des Walles mit dem damit verbundenen Druck auf den Wald sei keine Selbstverständlichkeit.

Bitte gib der Seite ein

Verwandte Inhalte:

  • Münster-Wolbeck. Wie sehr die Geschichten hinter den Bildern den Informationswert einer Ausstellung ausmachen können, zeigte sich am Freitagabend im Achatius-Haus. Dort startete der zweite Teil einer Ausstellung von Dokumenten zur Geschichte Wolbecks, diesmal vor allem Landkarten, die älteste von 1603, und Fotomotive von Postkarten. Der Organisator, Georg Rölver, führte nach…
  • Das letzte Quartal 2010 für die beiden VHS-Seniorenkreise in Wolbeck ist geplant. Die Treffen finden montags und dienstags in der Zeit von 15.00 bis 17.15 Uhr in der Gaststätte Sültemeyer statt.
  • Den Montagskreis der VHS in Wolbeck leitet Dr. Gudrun Beckmann-Kircher. Hier das Programm  Januar-März 2007. 08.01.2007 Mit frischem Wind ins neue Jahr Referentin: Dr. Gudrun Beckmann-Kircher15.01.2007 So fern ... so nah Begegnung mit Korea in Malerei, Keramik und Lyrik Besuch des Kreativzentrums „punkt“ von Angela Hoebink22.01.2007 Frida Kahlo – Malerin…
  • Münster-Wolbeck. Er referierte kenntnisreich über „Bedeutende Ereignisse aus der Geschichte des Amtes Wolbeck von 1914 bis 1946“, stammt aber weder aus Wolbeck noch aus dem benachbarten Angelmodde, wo er wohnt: der Sauerländer Wolf Lammers bekannte am Donnerstagabend im Rittersaal des Drostenhofs, er habe sich immer für die Geschichte „meines zweiten…
  • Münster-Wolbeck. Historische und aktuelle Karten und Postkarten-Fotos zur Geschichte Wolbecks sind ab Freitag im Achatius-Haus an der Münsterstraße 24 b zu sehen. Zweiter Teil der Karten-Ausstellung beginnt mit Vernissage im Achatius-HausAm Freitag, 25.11.2011, lädt Georg Rölver zur Eröffnung um 18 Uhr ein und wird eine erste Führung zu den ca.…
Zum Thema.:  Wolbecker Spaziergang: Faltblatt und Führungen durch Wolbeck

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Follow by Email
RSS