Facebook-Datenschutz-Skandal: Prof. Dr. Thomas Hoeren über den Facebook-Datenschutz-Skandal WWU-Medienrechtler Prof. Dr. Thomas Hoeren über den Umgang mit Nutzerdaten

Münster (WWU). Der Datenschutz-Skandal beim US-amerikanischen Unternehmen Facebook schlägt hohe Wellen – vor allem aber sind viele private Nutzer verunsichert. Demnach hatte sich eine britische Datenanalyse-Firma unerlaubt Zugang zu Daten von Millionen Facebook-Profilen verschafft. Mit Hilfe dieser Daten sollen US-Wähler im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 zugunsten von Donald Trump gezielt beeinflusst worden sein. Im Interview mit Kathrin Knüppe zum Facebook-Datenschutz-Skandal erklärt Medienrechtler Prof. Dr. Thomas Hoeren von der Universität Münster, welche Auswirkungen der Skandal hat und wie Nutzer ihre Privatsphäre schützen können.

Welche Auswirkungen hat der Facebook-Datenschutz-Skandal auf private Facebook-Nutzer?

Der Skandal zerstört die Unbedarftheit, mit der private Nutzer in der Vergangenheit mit Facebook umgegangen sind. Jetzt wird deutlich, wie lax und an der Rechtsordnung vorbei Facebook mit Daten Privater umgegangen ist. Zudem merken Privatpersonen jetzt, dass ihre Daten ohne ihr Wissen und ihre Zustimmung zum Handelsgut geworden sind.

Oder sind die Nutzer selbst schuld, wenn sie viele Informationen in dem sozialen Netzwerk preisgeben?

Ja, zum Teil ist der Nutzer selbst schuld. Wenn ich die Unbedarftheit vieler Studierender im Umgang mit sozialen Netzwerken sehe, wird mir manchmal schwarz vor Augen. Es sollte mittlerweile zum Basiswissen aller Nutzer gehören, sich über das Schicksal eigener personenbezogener Daten Gedanken zu machen. Zum Teil übersteigt das Ausmaß des Datenschutzstandards das Wissen der Nutzer. Hier will die neue Bundesjustizministerin Katarina Barley Facebook zur Transparenz und vor allem zur Offenlegung zwingen.

Wie sollten sich Facebook-Nutzer Ihrer Meinung nach jetzt verhalten?

Die Nutzer sollten vor allem ihre technischen Einstellungen zum Datenschutz bei Facebook sehr genau kontrollieren. Außerdem gehört ein falscher Name zum Grundbestandteil eines eigenen Social-Media-Auftritts. Ich jedenfalls würde nie unter meinem Klarnamen Twitter und Facebook mit meinen Daten beglücken. Wichtig ist auch der allgemeine Gebrauch von Werbeblockern und ,Ghostery‘, einer Software, die den Anwender beim Surfen auf versteckte Dienste hinweist.

Wie wird es zukünftig datenschutzrechtlich weitergehen?

Facebook hat sich lange Zeit darauf berufen, das ganze Thema als Ausfluss der vermeintlich ,kranken‘ europäischen Datenschutzszene zu sehen. Jetzt zeigt sich, dass auch die amerikanischen Aufsichtsbehörden genauer hinschauen und bei Datenschutz keinen Spaß verstehen. Viele Facebook-Werbekunden brechen weg, zahlreiche Nutzer löschen ihre Accounts. Facebook und andere soziale Netzwerke stehen für längere Zeit vor der schlimmsten Krise in ihrer Unternehmensgeschichte. Sie müssen begreifen, dass die Zeiten des Denkens in rechtsfreien Räumen für Internetpioniere endgültig vorbei sind. Und das gilt nicht nur für das Datenschutzrecht, sondern auch für die Machtkontrolle über das Kartellrecht und das leidige Thema Steuerrecht.

— Facebook-Datenschutz-Skandal: Ende des Interviews mit Prof. Hoeren —

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