Erwachsenen-Theater der MuKo zeigt vielversprechende „Top girls“ in Sendenhorst

Die Weltreisende und die Konkubine des KaisersSendenhorst. An Aktualität hat das Erzählte von „Top girls“ am Sonntag in der Realschule St. Martin aufgeführt, nichts verloren. Ob man es mag , ist eher eine Frage der Weltsicht. Großes Theater war das allemal: Dunkelgrau bis in fatalistische Schwärze malte die sozialistische Feministin Caryl Churchill 1982 mit breitem Pinselstrich die Lebenssituationen und Seelenzustände ihrer Figuren.

Bitter und schwarz: Zeitkritik von Churchill noch aktuell

Ebenso deren Lebens- und Markt-Aussichten, ebenso ihr Handeln. In Jahreszeiten ausgedrückt: kein Frühlings-Stück, nichts für Kinderseelen. Ein kleiner Lichtblick ist die kleine Versöhnung der Schwestern, die einen so unterschiedlichen Weg gewählt und beide Frust erreicht haben. Bitteres Wissen um unausweichliches Scheitern mischt sich in die Betrachtung, sieht man die 16-jährige Angie mit ihrer fröhlichen Begeisterung im Beisein ihrer „Tante“, die die sie verleugnende Mutter ist. Denn zu den gefragten „Top girls“ wird sie mangels Ausbildung nie gehören und ihrerseits stranden. Dennoch: Die Loserin freut sich mit der Kaltherzigen, wie eine andere fertig gemacht wird.Menschlich-Mitfühlendes trägt in die Erfolgswelt der Vermittlungsagentur allein die nicht in der Arbeitswelt stehende Frau eines unterlegenen Konkurrenten (Dorothea Nocon) – wie entlarvend, dass ihr Anliegen schon gnadenlos naiv erscheint. Naiv auch die Taktik der Mittvierzigerin (Irene Brockmann), die sich für den Mangel an Anerkennung recht unlogisch rächen will. Chancenlosigkeit im Blick auf das Glück ist ein durchgehendes, das durchdringende Thema.

Auf hohem Niveau präsentiert

Erfreulich ist die schauspielerische Qualität. Da und dort kann am Ausdruck gearbeitet werden, das wird das Selbstvertrauen beflügeln, das aus einer so gelungenen Aufführung sprudeln dürfte. Mit nur kleinen Ausnahmen bei der richtigen Lautstärke hält die Intonation durchgehend ein hohes Niveau. So sind die Figuren in hohem Maße authentisch: Dass hier geschauspielert wird, gerät zugunsten des fesselnden Geschehens in den Hintergrund. So soll es sein und besser kann es kaum sein.

Große schauspielerische Leistungen

Einige besondere Leistungen sind unter den Schauspielern aus Sendenhorst, Vorhelm, Ahlen und Warendorf nicht zu übersehen: Da ist die ganze Reihe der historischen Frauen, die ihre aufmüpfische und selbstbestimmte oder eben lammfromme bis naive Einstellung in einem Historienpuzzle in klaren Zügen herausarbeiten: Antje Schwarte, Irene Brockmann als japanische Hofdame (ein großes Lob der Maske!), Sigrid Osthövener, Kathrin Rohmann und Birgit Michelswirth. Kim Lambert spielt die junge, schnippisch arrogante Superfrau, die sich nach kritischer Nachfrage von „Top girl“ Win (Barbara Hörster) als Aufschneiderin entpuppt und buchstäblich in Luft auflöst. Rohmann die „Tolle Grete“ und dann erst die Angie spielen zu sehen, das ist ein wahres Vergnügen. Großes Seelentheater auch das Wiedersehen der Schwestern, gespielt von Regina Keseberg als Erfolgsfrau und – noch einmal in fordernder Rolle – Antje Schwarte als sich aufopfernde Schein-Mutter mit vier Putzstellen.

Für Regisseur Christan Tietz gab es Blumen, für alle wohlverdienten Applaus nach einem über zweistündigen, vielleicht etwas kürzbarem Werk. Ein gelungener und viel versprechender Auftakt zum ersten Auftritt des Erwachsenen-Theater-Ensembles der MuKo Sendenhorst.

Weitere Gelegenheiten, „Top girls“ zu sehen, gibt es am 2.3. in Sendenhorst, am 6.3. in Oelde (Tel. 02522 960570) und am 7.3. in Ahlen (Tel. 02382 3005).

Fotos von "Top Girls" in Sendenhorst:

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