Erste Fastenpredigt in St. Nikolaus zeigt Schattenseite von „Fehlerfreundlichkeit“

Münster-Wolbeck. „Fehlerfreundlichkeit“ kann auch eine Schattenseite haben. Darauf wies Dr. Jan Loffeld als erster Prediger in der Reihe der Fastenpredigten in St. Nikolaus am Dienstagabend hin. 

„Unsere Zeit ist geprägt durch das Schleifen der Bastionen von Autoritäten. Orientierungsfiguren werden rar, werden unglaubwürdig, aus welchen Gründen auch immer.“ Die Sehnsucht nach Orientierungswissen sei groß, auch der Boom der Ratgeber- und Glücks-Literatur. Das Phänomen des Scheiterns habe die Soziologie bis vor einigen Jahren überhaupt nicht bedacht, behauptete Loffeld. Im Scheitern-Thema verberge sich das Thema dieser Predigtreihe: Fehlerfreundlichkeit. Eine neuere Veröffentlichung wolle „Fehler als eine Chance begreifen“. „Das Ziel ist – man höre und staune – eine aktive Fehlerkultur“. Man solle, so das Anliegen, „nicht nach der Schuld suchen sondern nach dem Potential des Fehltritts“. Das „ist auf den ersten Blick eine verlockende Botschaft“, so Loffeld. Mehr auf die Ressourcen als auf die Defizite zu schauen, darin „kann ein Pferdefuß verborgen“ sein, „bei aller Berechtigung dieses Anliegens“.

Wenn Verantwortung sich verflüchtigt

„Aber damit ist ja Schuld nicht aus der Welt, indem man sie einfach nicht mehr wahrnimmt.“ Er zielte auf „Unschuldswahn“, die Neigung, „es nicht gewesen zu sein“.

Der Fundamentaltheologie Johann Baptist Metz habe vor langem schon eine Widersprüchlichkeit festgestellt: „Der moderne Mensch möchte alles können“, aber er tue sich „schwer damit, die Konsequenzen seines Handelns verantwortungsvoll zu sehen“. Darin scheine die Frage aus dem Schöpfungsbericht auf: Adam, wo bist du? „Adam, das ist jeder von uns.“

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Loffeld führte die Finanzkrise an, in deren Komplexität „sich Verantwortung verflüchtigt“. Ein „Heiligsprechen von Fehlern“ verdecke Schuld und die Verantwortung für Fehler. Loffeld erwähnte Mord und Missbrauch.

Loffeld dankte für die Aufmerksamkeit der Besucher des Gottesdienstes: „Bitte gönnen Sie das den anderen Predigern auch“.

Loffeldt empfing am gleichen Tag wie Jörg Hagemann die Priesterweihe, war Studentenpfarrer und arbeitet derzeit als wissenschaftlicher Assistent am Seminar für Dogmatik und Dogmengeschichte der Katholisch-theologischen Fakultät der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster.

Weitere Sprecher ders Fastenpredigten zu "Fehlerfreundlichkeit"

Die weiteren Sprecherinnen und Sprecher der Fastenpredigt-Reihe in St.  Nikolaus in Wolbeck kommen aus unterschiedlichsten Lebensfeldern: Justiz, evangelische Kirche, der Schnittstelle zwischen Kirche und Politik, der Schule.

Am 3. März spricht Meike Friedrich, Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises Münster.  Dr. Michael Schnieders, Richter am Oberverwaltungsgericht, wird am 10. März die Statio halten. Dr. Antonius Hamers (45), Leiter des katholischen Büros in Düsseldorf, soll am 17. März im Gottesdienst sprechen.

Der promovierte Jurist und Priester leitet die Einrichtung in der Düsseldorfer Friedrichstadt, die den Kontakt der fünf katholischen Bistümer in NRW zum Landtag und zur Landesregierung, zu Parteien, Verbänden und zu den evangelischen Landeskirchen sichern soll. 2011 wurde Hamers Polizeidekan für die Diözese Münster und arbeitete zugleich in der Pfarrseelsorge in Münster-Amelsbüren-Hiltrup. Im Jahr 2013 übernahm er zusätzlich die Aufgabe des Geistlichen Beirats für den Bund Katholischer Unternehmer (BKU) im Bistum Münster. Hamers nimmt Lehraufträge an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster-Hiltrup und an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster wahr.

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 Aus schulischer Sicht beleuchtet  am 24. März Gerlinde Kersting, Grundschullehrerin an der Eichendorffschule in Angelmodde, die „Fehlerfreundlichkeit.“ Die Gottesdienste beginnen um 19 Uhr.

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