Erich Mühsam: Anarchist und NS-Opfer, vorgestellt von den von Hagens

Erich Mühsam: Anarchist und NS-Opfer, vorgestellt von den von Hagens
Marion und Markus von Hagen erzählten aus dem Leben des Erich Mühsam beim Montagskreis der VHS in Wolbeck.

Zuletzt aktualisiert 8. Oktober 2015 (zuerst 28. September 2015).

Münster-Wolbeck. Ein „Anarchist“, ein Schriftsteller, ein Autor von Schüttelreimen, kurz aktiv in der Münchner Räterepublik und eingenommen von der Oktoberrevolution, aber nicht lange. Das alles war Erich Mühsam, den das Ehepaar Marion und Markus von Hagen beim Montagskreis der VHS in Wolbeck vorstellte.

„Bunt sind schon die Wälder“, dieses Lied zum Herbst sangen die 13 Gäste der Veranstalterin Dr. Gudrun Beckmann-Kircher, dann ging es in das Jahr 1878. Der Sohn eines jüdischen Mitglieds des Rats der Stadt Lübeck schrieb mit 11 Tierfabeln, mit 15 Satirisches für Zirkusclowns – und flog bald vom humanistischen Gymnasium. Wegen „sozialdemokratischer Umtriebe“. Nach der mittleren Reife wurde er Apotheker, dann lebte er von der Schriftstellerei, in München. Nicht Chaos, sondern Herrschaftslosigkeit, eine Ordnung ohne Obrigkeit strebte er wie andere Anarchisten an. Kaum anfreunden konnte er sich mit der Politik und ihren Kompromissen, war „niemals einer der mit irgendwelchen Wölfen heulte“, so Marion von Hagen. Das konnte keine politische Durchschlagskraft entfalten, sagte sie, „was kann ich dann bewirken?“

Heftig schalt Mühsam die Sozialdemokratie: „Der Revoluzzer“ zeugt davon. Zweimal kam er in Festungshaft, die Weimarer Republik gewährte im nach fünf Jahren Amnestie. Wie Hitler. Vor dessen NSDAP warnte Mühsam. Kaum an der Macht, verhaftete ihn das Hitler-Regime, nach 16 Monaten sogenannter „Schutzhaft“ wurde er ermordet. Sich selbst umzubringen, das hatte Mühsam verweigert. Gegen Mühsams Warnungen floh seine Frau nach Moskau – Stalin steckte sie in ein Arbeitslager: Sibirien, bis zu Stalins Tod. „Keine Freiheit ohne Sozialismus, kein Sozialismus ohne Freiheit“, das musste dem Diktator missfallen.

Die von Hagens ließen durch historische Einordnung und viele Zitate die zahlreichen Seiten Mühsams lebendig werden. Auch sein Einfühlungsvermögen für Kinder, seine Freude am Schüttelreim, der unerwarteten Sinn und Witz hervorbringt, die geringe Chance auf Durchsetzung seiner anarchischen Ziele, sein Eintreten für Benachteiligte, ob Frauen oder Homosexuelle.

Im MoMitkreis Wolbeck geht es weiter am 5. Oktober – mit „Wasserwunderwelten“: Neuen Sagen rund ums Wasser von Ingrid Löhr. Nach den Herbstferien liest Erwin Mai Aischylos, Orestie III – Die Eumeniden. Geschichten, Sagen und Anekdoten aus Münster präsentiert am 26.10. Beckmann-Kircher.

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