Ein erfolgreiches Paar: Tiefbauamt und Fachhochschule in Münster

Franziska Finke prüft die Qualität der Straße Am Burloh in Münster-Kinderhaus. Schäden können (von oben) an der Deck-, an der Binderschicht des Asphalts, an der Tragschicht oder im Boden auftreten. Foto: Presseamt Münster.

Münster (SMS) Wenn der Asphalt sprechen könnte, würde er bei Beschwerden gezielt um Hilfe rufen. Ein offenes Ohr für Münsters Straßen hat Franziska Finke (25). Sie überprüft in ihrer Masterarbeit, wie in den Fahrbahnen verborgene Schäden am besten entdeckt werden können.
Am stark befahrenen Albersloher Weg hat Franziska Finke zuletzt den Einsatz eines Georadars wissenschaftlich begleitet. Wie ein Röntgengerät erfasst es den Zustand der Fahrbahnschichten. „So kann weniger gebohrt werden“, sagt Finke. Alle 20 Meter einen Bohrkern in die Erde zu setzen ist die herkömmliche Art, Schäden auf den Grund zu gehen. Das ist mühselig und teuer. Beim Georadar erfassen spezielle Antennen eines im fließenden Verkehr fahrenden Spezialfahrzeugs die Substanz des Straßenaufbaus.

„Straßen effizient, kostengünstig und punktgenau sanieren“

„Wir sind sehr darin interessiert, unsere Straßen effizient, kostengünstig und punktgenau zu sanieren“, sagt Abteilungsleiter Alexander Buttgereit vom Tiefbauamt der Stadt Münster. Denn Baustellen bedeuten auch eine Belastung für den Verkehr und die Anlieger. Insofern ist Franziska Finkes Masterarbeit am Fachbereich Bauingenieurwesen der Fachhochschule (FH) Münster ein Glücksfall. Geplantes Glück gleichwohl, denn die junge Frau arbeitete parallel zu ihrem Masterstudiengang Bauingenieurwesen befristet im Tiefbauamt. Zwei Jahre lang hieß das: montags und dienstags Büro und Baustelle, mittwochs bis samstags Hörsaal und Bibliothek, dazu Vorlesungen während der Semesterferien.

Modell Fachhochschule und Tiefbauamt mit wachsendem Erfolg

Dieses Modell fahren Amt und FH mit wachsendem Erfolg. „Theorie und Praxis so zu verzahnen“, sagt Professor Dr.-Ing. Hans-Hermann Weßelborg vom Fachbereich Bauingenieurwesen der FH, „ist eine Win-win-Situation für die Stadt und uns.“ Studierende sammeln im Verlauf ihres Studiums intensiv Berufserfahrung, die Verwaltung kann offene Stellen mit jungen Fachkräften besetzen und von deren Studienarbeiten profitieren. „Wer sich anschließend bei uns bewirbt“, so Buttgereit, „hat bereits eine Art Probezeit hinter sich“.

Franziska Finke ist ein Musterbeispiel. Sie hat zugegriffen, als nach Abgabe ihrer Masterarbeit im Tiefbauamt eine Stelle zu besetzen war. Seit kurzem ist die Bauingenieurin Vollzeit-Kollegin von Buttgereit und in der Abteilung „Planung, Ausschreibung, Refinanzierung“ eingesetzt. „Ich kann nur empfehlen, zum Master parallel zu arbeiten“, sagt sie, „auch wenn für die angenehmen Seiten des Studentenlebens dann kaum mehr Zeit bleibt.“

Die Zusammenarbeit der FH und des Tiefbauamtes eröffnet Studierenden noch andere Möglichkeiten. Es gibt etwa Projektarbeiten, in die Zufriedenheit der Radfahrer mit dem örtlichen Wegenetz erfragt wird. Das sechste Semester des klassischen Bachelor-Studiengangs wiederum sieht eine Praxisphase vor, die in Ingenieurbüros, bei Baufirmen oder eben in der Stadtverwaltung möglich ist. Und das duale Bachelor-Studium über sieben Semester kombiniert Berufsausbildung in Betrieben und Behörden mit dem Besuch eines Berufskollegs und dem angeschlossenen Fachhochschulstudium.

Viel beachtete Ergebnisse in Wissenschaft und Praxis

Die seit 2007 bestehende Kooperation von Tiefbauamt und FH hat in Wissenschaft und Praxis viel beachtete Ergebnisse erbracht. Etwa eine Abschlussarbeit zur bestmöglichen Verwertung von ausgedientem Asphalt, alten Fahrbahnschichten und Platten. Aktuell untersucht ein Masterstudent das Potenzial von so genannten lärmoptimierten Asphalten („Flüsterasphalt“) in der Stadt, deren Verkehrsströme gemäß EU-Aktionsplan leiser werden sollen.

Der Aufgabenkatalog des Tiefbauamts reicht von der Verwaltung über Planung, Bauvorbereitung und Bau bis hin zur Stadtentwässerung in Abwasserkanälen und Kläranlagen. „Das ist eine große Spielwiese für angehende Bauingenieure“, sagt Alexander Buttgereit. Wann immer Studierende eingebunden werden können, nutzt er dank seiner Nebentätigkeit als FH-Dozent den kurzen Weg an die Corrensstraße. Mit etwas Glück wird so aus einem Praktikum oder einer Masterarbeit – wie im Falle Franziska Finkes – ein Arbeitsplatz in der Stadtverwaltung.

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