„Eltern haben eine Verpflichtung“: Landtagsabgeordnete diskutierte Schulthemen mit Lehrern

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Münster-Wolbeck. Vor allem Lehrer nutzten die Gesprächsgelegenheit. Die Wolbecker CDU hatte zum Informationsabend über „Schule im Spannungsfeld zwischen Pisa, Migration, Autoritätsverlust und Schülerdrohungen“ in den Raum für die Übermittagsbetreuung der Hauptschule in Wolbeck eingeladen.

Bis kurz vor 22 Uhr forderten etliche Lehrer von Realschule und Gymnasium das Wissen von Marie-Theres Kastner, Sprecherin des Ausschusses für Generationen, Familie und Integration des Landtags NRW und familienpolitische Sprecherin der CDU Landtagsfraktion.

Lehrer sehen ihre Lage verschlechtert

Die Arbeit von Lehrern sei schwerer geworden, das wurde der Politikerin am Dienstag nachdrücklich vorgetragen. Mehr Verwaltungsaufgaben statt Entlastung: So muss die Noten-Findung gerichtsfest dokumentiert sein. Die kommenden Kopfnoten seien wenig praktikabel und außerdem in ihren Folgen fragwürdig. Die Arbeit werde mehr, die Entlohnung sinke. Kastner bekam eine Liste mit Mängeln überreicht. Mehr Erwartungen jenseits des Unterrichtsstoffes gebe es auch. Hier machte sich Kastner für die Weiterbildung von Lehrern stark. Fast 9000 Lehrer habe das Land eingestellt, mehr werde es nicht geben können. 13 Millionen Euro zahle das Land an Zinsen und die Schülerzahlen würden absehbar deutlich sinken.Nicht alle Maßnahmen scheinen bislang in den Schulen angekommen zu sein. Einen „Schulverwaltungsassistenten“ habe die Realschule nicht und könne ihn auch gar nicht unterbringen, so Realschul-Rektorin Sigrid Mathia-Noreikat. „Pausenlos“ würden aber vom Land neue Aufgaben an die Schulen übertragen, so im Rahmen der „Selbstständigen Schule“. Das sei nicht zu leisten, sie wünsche sich eine andere Unterstützung. Auch ein Lehrer der Realschule kritisierte, die Verwaltungsarbeit sei „sehr viel mehr geworden in den letzten Jahren“. Gerade eine Stunde könne er als Beratungslehrer tätig sein.

Wahl einer weiterführenden Schule

Beim Thema der Wahl einer weiterführenden Schule stieß die verbreitete Fixierung auf das Gymnasium auf Kritik, von „Standesdünkel“ war im Publikum die Rede. Und die Abqualifizierung der anderen Schulformen quäle Schüler schon in der Grundschule. Eines der Probleme in der Denkweise mancher Eltern, so Kastner: Der „Mensch fängt nicht erst mit dem Abitur an“, und im Übrigen gebe es dorthin verschiedene Wege, so über die Berufskollegs.
Im Blick auf die Übermittags-Betreuung mit dem Mittagessen meinte Mathia, es gehe hier den Eltern doch auch um das Geld. Bei vielen ausländischen Mitbürger seien beide Ehepartner berufstätig, verdienten aber „grenzwertig“: „Ich hätte sofort 30 Kinder mehr in der Betreuung, wenn das Mittagessen umsonst wäre.“ Man dürfe die Eltern nicht  aus ihrer eigenen Verantwortung entlassen, so Kastner. Deswegen sei auch ein Frühstück für alle in der Schule der falsche Weg.
Die Sprachstands-Erhebung sei eine wichtige Maßnahme. Es gebe jetzt einen Anspruch auf Förderung. Deutschland habe das Thema Sprache bei der Immigration „verpennt“. Mit einigen Eltern sei die Kommunikation kaum möglich, bestätigten Lehrer.

Gewalt: Anzeigen als Mittel

Moderator Dieter Horsch, Vorsitzender der Ortsunion Wolbeck, leitete über zum Thema Gewalt. Ein Ehepaar trug den Fall ihres auf dem Schulweg von einem 13-Jährigen bedrohten Sohnes vor. Das Gespräch mit der Lehrerin habe nichts gebracht, was er denn machen solle?, fragt der Vater. Reinhard Zumdick vom Kommissariat 44/Vorbeugung empfahl die Anzeige bei der Polizei. Auch bei minderjährigen Tatverdächtigen werde komplett ermittelt, auch in die Familie hinein, das Jugendamt eingeschaltet. Auch  Mathia empfahl die Anzeige; das alarmiere auch das Jugendamt.

Kurz vor 22 Uhr endete der diskussionsreiche Abend mit 15 Teilnehmern. Er brachte  manchen praktischen Hinweis und hätte vielen Eltern tiefe Einblicke in die Schul-Realität ermöglicht. Wenn sie denn gekommen wären.

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