Elektromobilität? Historie schärft den Blick bei Podiumsdiskussion

Diskussion Zukunft der Elektromobilität im Autohaus Stopka Münster im September 2019. Foto: A. Hasenkamp.

Skepsis gegenüber Reichweite der E-Autos / Gespräch im Autohaus Stopka Münster

Münster-Amelsbüren. Um „Die Zukunft der Elektromobilität“ ging es im Autohaus Stopka, doch zwischen Landrover und Jaguar, darunter einem neuen Elektro-Modell, ging es zuerst in die Geschichte.
Die Geschichte lehre, sagte Rolf Cosse, Leiter der Akademie automobiles Kulturgut, wie stark der Mensch, und auch der Experte, den technischen Fortschritt unterschätzt.

Historische Irrtümer in Sachen Verkehr: üblich

Eine Million Autos in Deutschland? So viele Chauffeure gebe es ja gar nicht, schätzte einst Daimler, und Kaiser Wilhelm wertete es als vorübergehende Mode: Das Pferd bleibe. Doch wie viele Stallburschen gebe es noch? Aufs falsche Pferde setzten auch die Segelschiffbauer, 30 bis 40 Jahre lang, als das Dampfschiff aufkam: Die Branche sei ebenfalls verschwunden, warnte Cosse am Donnerstag. In Asien setze ein gewaltiger Konkurrent, ein totalitärer Staat, ganz auf Elektromobilität und werde schnell massiv im mittleren und unteren Preissegment produzieren. Wie viel sich allein in den letzten vier Jahren bei Batterien etc. verändert habe, das unterstrich Bernhard John von innogy SE. Das Auto als bidirektionaler Speicher und damit Puffer für Bedarfsspitzen, das werde kommen, auch neue Vernetzungen.

Deutschland im Hintertreffen bei Elektromobilität?

Auch in Deutschland müsse man handeln, betonte Cosse und erinnerte an den Diesel-Betrugs-Skandal – „Was für eine kriminelle Energie!“: Die Bundesregierung habe hoffentlich gemerkt wie sie „von Lobbyisten am Nasenring durch Berlin“ geführt worden sei.
Die derzeit geringere Reichweite mit ihren Lade-Zwangspausen trieb einige im Publikum um, auch Dieter Kerkhoff, der die Restriktionen für eine Fahrt Münster-München ausmalte. Ob die Ladesäulen-Apps wohl funktionierten, und die Kabelverbindungen? Aber auch der Energie-Experte von Innogy sah recht optimistisch in die Zukunft.
Neben zwei Video-Werbe-Blöcken – einsames Auto in freier Fahrt durchs Gebirge mit Zwei-Kinder-Zwei-E-SUV-Einfamilienhaus-Familie – steuerte Luigi Zullo von Jaguar eine Erfahrung bei: Früher sei er nur schnell unterwegs gewesen, heute komme er am Ziel „fertig“ an, fertig mit der Arbeit, erledigt in Lade-Pausen. Und Cosse sprach von nötiger Disziplin und Voraussicht.

Kontroverse Fragen

Von SUV war nur einmal die Rede, obwohl deren exklusive Vertreter die Halle exklusiv für sich hatten. Aber von einer neuen Aufteilung des Raums in Städten, zugunsten von Fußgänger und ÖPNV, sprach mehrfach Stadtplaner Olaf Timm, Geschäftsführer der nts Ingenieursgesellschaft mbH.
Aus dem Publikum kam auch die Frage nach den doch erschöpflichen Seltenen Erden und der Umweltbelastung, auch die Brennstoffzelle wurde Thema.
John widersprach Cosse nicht, als der eine Entwicklung der Reichweiten über die 1000 km in Aussicht stellte. Die Technologie stecke in den Kinderschuhen. Auch die Interessierten stünden noch vor mancher Überraschung, so Cosse. Gut 70 Gäste waren gekommen zum Thema Zukunft der Elektromobilität, auch nach zwei Stunden mit Vortrag und Diskussionsrunde war noch über die Hälfte da.

Fotos “Zukunft der Elektromobilität” von Eventfotograf Andreas Hasenkamp, Münster

 

 

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