Elektromobilität? Historie schärft den Blick bei Podiumsdiskussion

Elektromobilität? Historie schärft den Blick bei Podiumsdiskussion
Diskussion Zukunft der Elektromobilität im Autohaus Stopka Münster im September 2019. Foto: A. Hasenkamp.

Zuletzt aktualisiert 17. September 2019 (zuerst 16. September 2019).

Münster-Amelsbüren. Um „Die Zukunft der Elektromobilität“ ging es im Autohaus Stopka, doch zwischen Landrover und Jaguar, darunter einem neuen Elektro-Modell, ging es zuerst in die Geschichte.
Die Geschichte lehre, sagte Rolf Cosse, Leiter der Akademie automobiles Kulturgut, wie stark der Mensch, und auch der Experte, den technischen Fortschritt unterschätzt.

Historische Irrtümer in Sachen Verkehr: üblich

Eine Million Autos in Deutschland? So viele Chauffeure gebe es ja gar nicht, schätzte einst Daimler, und Kaiser Wilhelm wertete es als vorübergehende Mode: Das Pferd bleibe. Doch wie viele Stallburschen gebe es noch? Aufs falsche Pferde setzten auch die Segelschiffbauer, 30 bis 40 Jahre lang, als das Dampfschiff aufkam: Die Branche sei ebenfalls verschwunden, warnte Cosse am Donnerstag. In Asien setze ein gewaltiger Konkurrent, ein totalitärer Staat, ganz auf Elektromobilität und werde schnell massiv im mittleren und unteren Preissegment produzieren. Wie viel sich allein in den letzten vier Jahren bei Batterien etc. verändert habe, das unterstrich Bernhard John von innogy SE. Das Auto als bidirektionaler Speicher und damit Puffer für Bedarfsspitzen, das werde kommen, auch neue Vernetzungen.

Deutschland im Hintertreffen bei Elektromobilität?

Auch in Deutschland müsse man handeln, betonte Cosse und erinnerte an den Diesel-Betrugs-Skandal – „Was für eine kriminelle Energie!“: Die Bundesregierung habe hoffentlich gemerkt wie sie „von Lobbyisten am Nasenring durch Berlin“ geführt worden sei.
Die derzeit geringere Reichweite mit ihren Lade-Zwangspausen trieb einige im Publikum um, auch Dieter Kerkhoff, der die Restriktionen für eine Fahrt Münster-München ausmalte. Ob die Ladesäulen-Apps wohl funktionierten, und die Kabelverbindungen? Aber auch der Energie-Experte von Innogy sah recht optimistisch in die Zukunft.
Neben zwei Video-Werbe-Blöcken – einsames Auto in freier Fahrt durchs Gebirge mit Zwei-Kinder-Zwei-E-SUV-Einfamilienhaus-Familie – steuerte Luigi Zullo von Jaguar eine Erfahrung bei: Früher sei er nur schnell unterwegs gewesen, heute komme er am Ziel „fertig“ an, fertig mit der Arbeit, erledigt in Lade-Pausen. Und Cosse sprach von nötiger Disziplin und Voraussicht.

Kontroverse Fragen

Von SUV war nur einmal die Rede, obwohl deren exklusive Vertreter die Halle exklusiv für sich hatten. Aber von einer neuen Aufteilung des Raums in Städten, zugunsten von Fußgänger und ÖPNV, sprach mehrfach Stadtplaner Olaf Timm, Geschäftsführer der nts Ingenieursgesellschaft mbH.
Aus dem Publikum kam auch die Frage nach den doch erschöpflichen Seltenen Erden und der Umweltbelastung, auch die Brennstoffzelle wurde Thema.
John widersprach Cosse nicht, als der eine Entwicklung der Reichweiten über die 1000 km in Aussicht stellte. Die Technologie stecke in den Kinderschuhen. Auch die Interessierten stünden noch vor mancher Überraschung, so Cosse. Gut 70 Gäste waren gekommen zum Thema Zukunft der Elektromobilität, auch nach zwei Stunden mit Vortrag und Diskussionsrunde war noch über die Hälfte da.

Fotos „Zukunft der Elektromobilität“ von Eventfotograf Andreas Hasenkamp, Münster

 

 

Bitte gib der Seite ein

Verwandte Inhalte:

  • Münster (SMS) Für den Erwerb und die Errichtung neuer Ladestationen einschließlich des Anschlusses an das Stromnetz können Investoren einen Zuschuss von 900 Euro pro Ladepunkt beantragen. Anreiz, auf elektrisch betriebene Fahrzeuge umzusteigen Ziel der Förderung ist es, Privatpersonen zu motivieren, auf elektrisch betriebene Fahrzeuge umzusteigen und hierfür eine ausreichende Ladeinfrastruktur…
  • Münster (SMS) Woher stammt der zusätzlich benötigte Strom? Diese Frage wird immer wieder gestellt, wenn über den Ausbau der Elektromobilität diskutiert wird. Sie wird auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Energiestammtisches beschäftigen, die sich am Donnerstag, 8. Oktober, um 19 Uhr im Freiherr-von-Vincke-Haus der Bezirksregierung, Domplatz 36, treffen. Solare Mobilität…
  • Münster. Wer am 8. August 1888 aufmerksam die Kleinanzeigen des "Münsterischen Anzeigers" studierte, stieß zwischen allerlei Offerten auf das Inserat eines Mietkutschers: Heinrich Hagenschneider  kündigte für diesen Tag den ersten Pferde-Omnibusbetrieb Münsters an. Damit schlug vor 120 Jahren die Geburtsstunde des öffentlichen Nahverkehrs in der Westfalenmetropole.  Wie entwickelte sich aus…
  • Bus-Streik in MünsterDie Stadtwerke Münster warnen: "Liebe Fahrgäste, am Dienstag, 26. April 2016, wird es in Münsters Busverkehr aufgrund eines Warnstreiks leider den ganzen Tag über zu erheblichen Einschränkungen kommen. Insgesamt wird nur rund 1/3 der Fahrten stattfinden. Wir empfehlen daher, nach Möglichkeit auf andere Verkehrsmittel auszuweichen. Zu rechnen ist mit: geringen…
  • Busverkehr in Münster: regulärer Fahrplan ist zurück ab 10.8.2020Mit Ende der Sommerferien kehren die Stadtwerke Münster wieder zum regulären Fahrplanangebot zurück. Das reguläre Fahrplanangebot ist bereits in der elektronischen Fahrplanauskunft und münster:app vorhanden. Um Ihre Verbindung zu planen, nutzen Sie die elektronische Fahrplanauskunft und die münster:app. Normale Busfahrpläne zurück Ab Montag, 10. August, fahren alle Stadtbusse in Münster wieder nach den normalen…
Follow by Email
RSS