Ein Roman und bald elf Krimis Geschichten starker Frauen prägen Schaffen von Ursula Meyer

Wieder im Westfälischen auf Fährtensuche: Ursula Meyer steckt den Kopf in „Nellys Geister“. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Münster-Wolbeck. Erben macht’s möglich: Stress wegen der recht eingeschränkten Nutzbarkeit der Villa, das heruntergekommene „Haus einer alten tiefgefrosteten Emanze“ – die Reaktion des Freundes der Erbin verspricht nichts Gutes. Am Donnerstag las Ursula Meyer beim Kulturkreis Wolbeck nicht in einer Buchhandlung, sondern in der Gaststätte “An de Steenpaorte” aus ihrem 2015 erschienenen Roman mit Thriller-Momenten: „Nellys Geister“. Wohnzimmer-Atmosphäre westfälischer Art, viel Holz und Historisches vom Boden bis zu den Wänden ist an diesem Vorlese-Nachmittag die Bühne der Autorin, die in Köln aufwuchs, viel umzog, Bonn kennt und Wien, Münster schätzt, mit dem ihre Familie viel verbindet – die Molls hatten ein Kolonialwarengeschäft am Mauritztor.

Mehrfach hat Meyer schon bei Ingrid Brock-Gerhardt aus Krimis gelesen, einmal von der Geschichte der Kriminal-Literatur erzählt. Um 2002 hatte Brock-Gerhardt die Autorin angesprochen. In ihre Krimis legt legt Meyer gern Fährten zum Mitdenken; sie will nicht mit einer Auflösung überraschen, auf die der Leser nicht kommen kann. „Ich freue mich auch immer, wenn ich richtig geraten habe“, sagt die Leserin der Krimis anderer, die sich gern die Münster-Tatorte anschaut. Ob die Münsteraner wüssten, wie bekannt sie dadurch wurden? „In Wien kennt man Münster nur als Tatort-Szenerie. Ich würde sagen: Sie sind eine gute Reklame.“ Die Wolbeck-Episode? „Das war schon hart an der Grenze.“

Zehn Krimis hat Meyer in Münster spielen lassen, von 1997 bis 2010. Ganz früh kam „Endstation Aasee“, mal wartet der Tod im Spieker, mal auf der Promenade. „Brenne auf mein Licht” bezieht das Lamberti-Singen mit ein und war “Sieglinde Zürichers” sechster Fall. Mit starken Frauen hat sich Meyer schon lange befasst – ihre Dissertation drehte sich um die französische Gefängnisschriftstellerin Albertine Sarrazin, später recherchierte sie zur französisch-peruanischen Sozialutopistin Flora Tristan.

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2015, nach „ein bisschen Pause“ kam 2015 „Nellys Geister“. Ein Stück Familien-Geschichte hat Meyer darin verarbeitet, eines, von dem sie erst erfuhr, „als ich die sittliche Reifer hatte“. Ein neuer Krimi mit der taffen münsterschen Hauptkommissarin Sieglinde Züricher ist in Arbeit. „Totkehlchen“ – zu dem Titel solle sie doch mal einen Krimi schreiben, habe ihre Tochter ihr gesagt.

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Über Andreas Hasenkamp 6431 Artikel
Journalist, Online-Redakteur und Event-Fotograf in Münster.

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