„Ein König namens Macbeth“ – Uraufführung im Kulturbahnhof Hiltrup Moderne Inszenierung des Drama nutzt Lokalität und Licht

„Ein König namens Macbeth“ – Uraufführung im Kulturbahnhof Hiltrup Moderne Inszenierung des Drama nutzt Lokalität und Licht
"Ein König namesn Macbeth" - in einer Inszenierung von Dr. Enrico Otto aufgeführt von Schauspielern des Theaterlabors im Kulturbahnhof Hiltrup. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Zuletzt aktualisiert 8. Mai 2016 (zuerst 6. Mai 2016).

Münster-Hiltrup. Das Böse siegt und siecht auf der Bühne des Kulturbahnhofs Hiltrup – am Freitag sah die Spielstätte des Theaterlabors „Ein König namens Macbeth“, frei nach Shakespeare inszeniert.
Enrico Otto, Leiter des Theaterlabors, hatte das Shakesspearesche Original im Februar nicht nur auf verträgliche Länge gekürzt, sondern auch pointiert verändert. So erlangen die drei Zauberhexen einen durchgehende Präsenz als einflussreiche Kräfte des Bösen gleich neben der skrupellosen Lady Macbeth. Und weit mehr Raum erhält die Psyche des Macbeth, der sich gegen den Sog des Bösen sträubt, dann im Abgrund der Folgen seiner Tat fürchtet und windet – ein Tribut an das moderne Drama.
Nicht zuletzt hatte Otto die Inszenierung auf den Ort der Aufführungen zugeschnitten. Unter freiem Himmel verkündet der Herold dem alten König die Botschaft vom Sieg des Macbeth (Claus Becker), im Sonnenschein prophezeien die Hexen Macbeth künftige Königswürde. Dann ziehen die Protagonisten ins Dunkle, mit ihnen die Gäste, die bald selbst Partei werden, getrennt durch Armbinden, blau oder rot. Wie die unheilvollen Finger der Hexen stechen vereinzelt Lichtstrahlen ins Innere, tauchen die blutrote Lederjacke der Lady Macbeth (Kathrin Marhofen) in gleißendes Licht, dann den hin- und hergerissenen Macbeth, der mordet und morden lässt, während beständig eine Hexe hinter einem Pfeiler nah dran das Geschehen verfolgt, von unten rot angestrahlt. Auf der Treppe wird Banquo gemeuchelt, im Obergeschoss kann Macduff Malcolm überzeugen, gegen Macbeth zu ziehen, im Saal tafelt Macbeth, dem die Seelen der Ermordeten erscheinen, projiziert auf eine übergroße Leinwand. Das sitzt schon ein Teil des Publikums am Tisch, das „rote“, die königstreuen Schotten. Der Verzicht auf zentrale Bestuhlung schafft den Raum, den keine Bühne bieten könnte, und ersetzt bestens jegliche Kulisse.

Etwa 50 Gäste verfolgten die Uraufführung – genug, um zwei stattliche Heere zu bilden für die letzte Schlacht eines „Königs namens Macbeth“. Das gesamte Theaterlabor zeigte sich für die erste von drei Aufführungen in großer Form und meisterte gut die nicht einfachen Gegebenheiten der Akustik. In weiteren Rollen spielten Matthias Liebl, Christina Winkelmann, Dominik Rohlfink, Jörn Knost, Stefan Plathe, Teresa Zierer, Stefan Platze, Lisa Hesse, Petra Grycová, Jutta Nahamowitz, Marlies Schmidt und Ksenija Gumenik. Das Theaterlabor wurde seinem Ziel gerecht, nach experimentellen theatralischen Formen zu suchen.

Bitte gib der Seite ein

Verwandte Inhalte:

  • Absurde Komödie: Vaclav Havel erschwert die KommunikationMünster-Hiltrup. Eine wahrlich absurde Komödie ist am Sonntag im Kulturbahnhof zu sehen: „Erschwerte Möglichkeit der Konzentration“. Geschrieben 1968 in der CSSR vom „Staatsfeind“ Vaclav Havel, später letzter Präsident des Landes. Eine Hommage an Havel hat die Regisseurin Petra Grycovà auf die Bühne des Kulturbahnhofs gestellt. Havel zu Ehren konnten die…
  • 'Der kleine Prinz' im Kulturbahnhof HiltrupMünster-Hiltrup. Die Geschichte vom kleinen Prinzen, der einen Freund sucht: sie zieht immer noch. Etwa 80 Gäste kamen am Donnerstagabend zur Lesung mit Tim Bierbaum in den Kulturbahnhof Hiltrup. Das sei viel, sagte er später erfreut gegenüber den WN, Lesungen sähen sonst eher 30 Gäste. Tim Bierbaum gestaltet szenische Lesung…
  • Stefan Zweig in Brief, Gedicht und LebenMünster-Hiltrup. „Literatur für Liebhaber“ stand am Sonntagnachmittag im Kulturbahnhof Hiltrup auf dem Programm, und Liebhaber fanden sich eine ganze Menge für Stefan Zweig. Den 1881 in eine großbürgerliche Familie in Wien Hineingeborenen stellten Marion und Markus von Hagen vor, als materiell gut Situierten, an Neuem und Neuigkeiten Interessierten, vielfältig literarisch…
  • Vom Broadway zum Bückling: Lola Blau in Hiltrup aufgeführtMünster-Hiltrup. Freud und Leid mitfühlen, die Gelegenheit bot am Freitagabend im Kulturbahnhof Hiltrup die Aufführung von Georg Kreislers „Heute Abend: Lola Blau“. Begeistert vom Leben am und für das Theater freut sich die Schauspielerin im Österreich der 30er Jahre auf ihr erstes Engagement: die Machtergreifung des Nationalsozialismus treibt die junge…
  • 'Die Kollektion' dynamisiert auf zwei BühnenMünster-Hiltrup. Theater ist etwas anderes als Literatur; eine Inszenierung nicht ihre lineare Umsetzung. Das zeigte am Montag- und Dienstagabend die Art der Aufführung, die das Theaterlabor Münster im Kulturbahnhof Hiltrup darbot. „Die Kollektion“ des englischen Dramaturgen Harold Pinter ist die Vorlage, ein ernüchterndes Verwirrspiel um Wahrheit und Unwahrheiten, um die…
Follow by Email
RSS