Drei Klassiker und ein Neuer: Spitzen-Jazz aus Münster erklingt im Drostenhof

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Jazz-Ensemble im Drostenhof in MünsterMünster-Wolbeck. Nach rechts zum Klavier geht sein Blick, dann schmunzelt Thomas Koyer nach links zum Schlagzeug und zum Kontrabass. Und los geht ein schwungvoller Jazz-Abend im reichlich gefüllten Rittersaal des Drostenhofes in Wolbeck. Koyer am Tenor-Saxophon, Max Teschner am Klavier, Benedikt Bönniger am Schlagzeug, Hans-Dieter Otto am Bass – das sind bekannte Namen in Münster und darüber hinaus.

 So hatte der veranstaltende Förderkreis Drostenhof zu Münster-Wolbeck e.V. zahlreiche Karten-Interessenten leer ausgehen lassen müssen, wie der Vorsitzende, Dr. Reinhard Sappok, bedauerte.

Jazz-Klassiker bewegen

Kurz darauf wippen die Schuhspitzen eines gesetzten Herrn mit Schnauzer, bei anderen Zuhörern die Köpfe oder was sonst anfällig ist für Rhythmen. Die Auswahl war „zufällig“, wie Otto sagte. Einiges habe allerdings mit dem Wetter zu tun. Jedenfalls ist es das Feinste von Klassikern: George Gershwin läutete zunächst das Thema „I Got Rhythm“ ein, dann einen „Foggy Day“, sodann die „Summertime“. Und er steuerte noch ein verträumt-vergnügtes „S’Wonderful“ bei. Der große Cole Porter erklang mit “Night and Day” und “Easy to Love“ sowie “What Is This Thing Called Love”, Duke Ellington mit “In a Sentimental Mood” und “Caravan”. Dazu gab es von “All The Things You Are” von Hammerstein und Kern.

Eigenkomposition mit Gershwin-Import

Als einziger der vier hatte Teschner am Samstag seinen ersten Auftritt im Drostenhof. Der Angelmodder lernte an der Musikschule Wolbeck, studierte Musik und unterrichtet an einer Realschule in Kamen und ist ebenfalls in Münsters Jazz-Szene aktiv. Die Jazz-Musiker spielen halb auswendig – so konnte Teschner eine Platte des Klaviers abnehmen. Das bot nicht nur Einblick in die Mechanik, sondern auch einen direkteren Klang. Der war virtuos und rasant in Melodie, Verzierung und Dynamik. Und als Zugabe boten die Vier „Heavy Blues“, eine Eigenkomposition von Teschner, die ein Gershwin-Motiv in die Saiten des Kontrabass’ legt.

Überraschungen vom Schlagzeug 

Mancher Klang des Schlagzeugs zog neugierige Blicke auf sich: Da war doch für viele Unerwartetes dabei. Mit Schlägel, Besen, direkt mit der Handfläche oder mit dazwischen gelegtem Holz arbeitete Bönniger oder schlug einfach an spezielle Stellen des Trommel-Sets.
Auch der Kontrabass übernimmt willig Solo-Passagen, vom wandlungswilligen Saxophon ganz zu schweigen. Es dauerte nicht lange bis zum ersten Zwischenapplaus. Und der machte die Runde aller Interpreten und nahm bis zum Ende des zweistündigen Konzerts noch um einiges zu. Das war sicher zur Freude von Otto, der als Leiter der Musikschule in mehr als zwei Jahrzehnten viele Jazz-Musiker ausgebildet hat. Das sei gut für die Musikschule und gut für die Jazz-Musiker, so Bönniger, der wie Koyer an der Musikschule unterrichtet.
Am 12. Juni, kündigte Sappok an, gibt es eine Lesung aus Werken des anatolischen Mystikers Justus Emre mit Klaviermusik von Alexander Skriabin.

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