Drei Diamantene Gärtner-Meisterbriefe Technisierung, Rationalisierung und Wertewandel verändern Gärtner-Existenzen in NRW

Drei Diamantene Gärtner-Meisterbriefe Technisierung, Rationalisierung und Wertewandel verändern Gärtner-Existenzen in NRW

Zuletzt aktualisiert 26. September 2016 (zuerst 24. September 2016).

Münster-Wolbeck. Viele Goldene und drei Diamantene Gärtner-Meisterbriefe – ein Jahr mit Seltenheitswert für die Teilnehmer der Feierstunde im Bildungszentrums Gartenbau und Landwirtschaft Wolbeck der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen.

Mit Rücksicht auf das Alter der Jubilare – 24 Jahre alt musste man damals mindestens sein, um die Meisterprüfung ablegen zu können – war am Samstag von den Diamantenen nur Heinrich Tippmeier nach Wolbeck gekommen.
An die Umstände der damaligen Vorbereitung auf die Meisterprüfungen erinnerte der Stellvertretende Präsidenten der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Karl Werring aus Sendenhorst: Zahlreiche gärtnerische Betriebe im Produktionsgartenbau wurde damals gegründet, bestehende Gärtnereien ausgeweitet und modernisiert. „Musst Du denn unbedingt zur Meisterschule?“ Häufig und eindringlich sei ihnen diese Frage damals gestellt worden – „das Geld war manchmal knapp und vor 60 Jahren wusste die Mutter manchmal nicht, wovon sie das Brot für den nächsten Tag bezahlen sollte.“ Weitere Strecken kamen hinzu.
Mit dem Mut sei „wie heute“ „die Bereitschaft zum Verzicht verbunden“: Lernen müssen, wenn andere feiern,  war teilweise sicher schmerzhaft. Lohn sei nicht nur der Meisterbrief gewesen, sondern „oft auch Freundschaften, die bis zum heutigen Tag gehalten haben.“
Inzwischen habe die Technisierung Einzug gehalten, die Rationalisierung, auch die Verwissenschaftlichung durch Experimente, der Wertewandel der Gesellschaft schätze die Pflanzen weniger. Damals seien sie für Auszubildende „Lehrmeister und Erzieher“ gewesen.
Goldene Meisterbriefe gab es 18; viele Geehrte waren gekommen. Sie sind weit verstreut, leben in Bansin und Sternwede, Gelsenkirchen und Hövelhoff, drei in Münster: Josef Keller, Hermann Orschel und Franz-Josef Pohlmann.

Zuvor hatten „die Wolbecker“ getagt – die „Vereinigung ehemaliger Wolbecker Gartenbauschüler“. 72 hatten sich zusammengefunden als Repräsentanten des NRW-weit größten Vereins von ehemaligen Schülern eines Ausbildungs-Standorts dieser Branche. Eine Änderung gab es im Vorstand: Dr. Ulrich Reul, als Nachfolger von Sieglinde Stratmann Schriftführer seit 2004, musste den Platz räumen für Sandra Molitor aus Senden.
Zwei Neuzugänge hatten die Ehemaligen zu verzeichnen – früher war es ein Vielfaches, 30 bis 40 seien es jährlich gewesen, so Kassierer Jürgen Hausfeld. Derzeit habe der Verein über 1340 Mitglieder; ein Schrumpfen sei aber absehbar und unvermeidlich. Am neuen zentralen Ausbildungs-Standort Essen kommt ein soziales, geselliges Miteinander nicht zustande, zeigte sich im Hintergrundgespräch vor dem Grillabend – die Schüler reisen früh an und abends ab. In Wolbeck wohnten sie vor Ort oder bei Wolbecker Bürgern; die Wege waren kurz. So nahmen sie lange Zeit mit einem Wagen am Karnevals-Umzug am Ziegenbocksmontag teil. Das gibt es nicht mehr und der Verein schrumpft wie die Gärtner-Branche auch.

 

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