Dokumente zur Pogrom-Nacht in Wolbeck vorgelesen

Dokumente zur Pogrom-Nacht in Wolbeck vorgelesen
Für jeden der deportierten und ermordeten jüdischen Wolbecker stellen die Teilnehmer der Erinnerung an die Pogrom-Nacht eine Grabkerze auf. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Zuletzt aktualisiert 28. November 2018 (zuerst 10. November 2016).

Münster-Wolbeck. Im Regen erinnerten am Mittwochabend zahlreiche Wolbecker an die Ereignisse der Pogromnacht des 9. November 1938 gegen jüdische Mitbürger aus Wolbeck.
Am ehemaligen jüdischen Friedhof verlas Ulrike Pölling vor der Stele ihre Namen; jeder konnte eine Grabkerze vor die Stele stellen. Neue ist der Name Carolin Falke, verheiratete ten Brink.
Zuvor hatten zehn Schüler des Gymnasiums Wolbeck den zwei Dutzend Teilnehmern in der evangelischen Christuskirche Texte aus den Jahren 1938 und 1948 vorgelesen. Mit ihrem Lehrer Heiko Overmeyer hatten sie in Archiven recherchiert (die WN berichteten). Die Spurensuche durch Wolbecker Schüler reicht bis in die 80er Jahre zurück. Damals stießen sie noch auf viele Vorbehalte gegenüber der Erforschung.

Auf einen Anlass wie den Mord von Herschel Grynszpan am 7. November 1938 an Ernst Eduard vom Rath, deutscher Diplomat und Botschaftssekretär in Paris, hatte das nationalsozialistische Regime nur gewartet, so Peter Schilling vom Verein „Spuren Finden“.
In einem Telegramm des Reichspropagandaministeriums vom 9.11.1938 hieß es: „Sämtliche jüdisch(n) Geschäfte sind sofort von SA-Männern in Uniform zu zerstören. Jüdische Synagogen sind sofort in Brand zu stecken. Jüdische Symbole sind sicher zu stellen. Die Feuerwehr darf nicht eingreifen. Der Führer wünscht, dass die Polizei nicht eingreift. Bei Widerstand sofort über den Haufen schießen.“
In Wolbeck waren schon Monate zuvor Bürger in die Synagoge eingedrungen und hatten u.a. eine Tora-Rolle auf der Straße ausgerollt. Am 10. November war die Synagoge eine Ruine.
Im März 1948 fragte ein Leserbrief in der Zeitung „Volks-Echo“: „Wann wird hier endlich etwas unternommen gegen die Brandstifter aus dem Jahre 1938? Damals, vor nunmehr fast zehn Jahren, scheuten sich die Verbrecher nicht, an die Öffentlichkeit zu treten, und sich mit ihren Heldentaten zu brüsten, die sie an Wehrlosen und toten Gegenständen vollbrachten. Heute meiden sie das Tageslicht.“
Nach der Erinnerung am ehemaligen Friedhof ging die Gruppe im Regen zum Informationsschild am früheren Standort der 1938 geschändeten Synagoge und schließlich in die katholische Kirche St. Nikolaus.

 

Bitte gib der Seite ein

Verwandte Inhalte:

  • Wolbeck hatte seine Reichspogrom-Nacht schon früherMünster-Wolbeck. Etwa 60 Menschen beteiligten sich am Montagabend in Wolbeck am Gedenken zur Reichspogrom-Nacht des 9. November 1938. Ein Nachkomme einer Wolbecker Familie ging mit und sprach zum Abschluss zu den Teilnehmern. Es begann in der evangelischen Christuskirche. Dort las Dr. Gudrun Beckmann-Kircher aus einem Gedicht von Stephan Hermlin, verfasst…
  • Spuren der Erinnerung an jüdische WolbeckerMünster-Wolbeck. „Spuren der Erinnerung an jüdische Familien in Münster-Wolbeck“: Ihnen folgte am Mittwochabend in der Christuskirche die Lesung aus dem so betitelten 2017 erschienenen Buch von Peter Schilling, Gudrun Beckmann-Kircher und Monika Simonsmeier. Schilling und Beckmann-Kircher lasen aus dem Buch, das in der Tradition vieler Veranstaltungen in Wolbeck steht, und…
  • Vom Kneippkurort Wolbeck und der KohleMünster-Wolbeck. Einmal stand in Wolbeck ein Turm, der der Kohleförderung dienen sollte. Der harte Mergelboden und ein Sturm setzten dem ein Ende, berichtete Alfons Gernholt am Mittwock beim Offenen Frauentreff im Saal der Christuskirche. Prägender war das Element des Wassers: Um die Burg floss der Piepenbach in verschiedene Adern, der…
  • Bereits zum dritten Mal schreibt der Filmservice Münster.Land den Drehbuchförderpreis Münster.Land aus. Der Preis wird an die Autorin oder den Autor eines Spielfilmprojektes verliehen, das sich in herausragender Weise mit Münster und/oder dem Münsterland beschäftigt – der Film muss also in Münster und Umgebung spielen. Voraussetzung:  maximal 30-seitiger Drehbuchentwurf Voraussetzung…
  • Neue Heimat musste erst aufgebaut werden: kühle Aufnahme in Wolbeck für FlüchtlingeMünster-Wolbeck. Ob sie den historischen Informationen zur Wolbecker Frauenhilfe in den vielen Grußworten vom Sonntag noch etwas hinzufügen könnte, daran hatte Elisabeth Herlyn am Sonntag, dem 13.08.2006,  noch starke Zweifel. „Vor 60 Jahren – Frauen finden mit ihren Familien eine neue Heimat in Wolbeck“ Doch ihr Vortrag zum Thema „Vor…
Follow by Email
RSS