Dokumente zur Pogrom-Nacht in Wolbeck vorgelesen

Für jeden der deportierten und ermordeten jüdischen Wolbecker stellen die Teilnehmer der Erinnerung an die Pogrom-Nacht eine Grabkerze auf. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Münster-Wolbeck. Im Regen erinnerten am Mittwochabend zahlreiche Wolbecker an die Ereignisse der Pogromnacht des 9. November 1938 gegen jüdische Mitbürger aus Wolbeck.
Am ehemaligen jüdischen Friedhof verlas Ulrike Pölling vor der Stele ihre Namen; jeder konnte eine Grabkerze vor die Stele stellen. Neue ist der Name Carolin Falke, verheiratete ten Brink.
Zuvor hatten zehn Schüler des Gymnasiums Wolbeck den zwei Dutzend Teilnehmern in der evangelischen Christuskirche Texte aus den Jahren 1938 und 1948 vorgelesen. Mit ihrem Lehrer Heiko Overmeyer hatten sie in Archiven recherchiert (die WN berichteten). Die Spurensuche durch Wolbecker Schüler reicht bis in die 80er Jahre zurück. Damals stießen sie noch auf viele Vorbehalte gegenüber der Erforschung.

Auf einen Anlass wie den Mord von Herschel Grynszpan am 7. November 1938 an Ernst Eduard vom Rath, deutscher Diplomat und Botschaftssekretär in Paris, hatte das nationalsozialistische Regime nur gewartet, so Peter Schilling vom Verein „Spuren Finden“.
In einem Telegramm des Reichspropagandaministeriums vom 9.11.1938 hieß es: „Sämtliche jüdisch(n) Geschäfte sind sofort von SA-Männern in Uniform zu zerstören. Jüdische Synagogen sind sofort in Brand zu stecken. Jüdische Symbole sind sicher zu stellen. Die Feuerwehr darf nicht eingreifen. Der Führer wünscht, dass die Polizei nicht eingreift. Bei Widerstand sofort über den Haufen schießen.“
In Wolbeck waren schon Monate zuvor Bürger in die Synagoge eingedrungen und hatten u.a. eine Tora-Rolle auf der Straße ausgerollt. Am 10. November war die Synagoge eine Ruine.
Im März 1948 fragte ein Leserbrief in der Zeitung „Volks-Echo“: „Wann wird hier endlich etwas unternommen gegen die Brandstifter aus dem Jahre 1938? Damals, vor nunmehr fast zehn Jahren, scheuten sich die Verbrecher nicht, an die Öffentlichkeit zu treten, und sich mit ihren Heldentaten zu brüsten, die sie an Wehrlosen und toten Gegenständen vollbrachten. Heute meiden sie das Tageslicht.“
Nach der Erinnerung am ehemaligen Friedhof ging die Gruppe im Regen zum Informationsschild am früheren Standort der 1938 geschändeten Synagoge und schließlich in die katholische Kirche St. Nikolaus.

 

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Über Andreas Hasenkamp 6368 Artikel
Journalist, Online-Redakteur und Event-Fotograf in Münster.

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