Deichkind geht aus Luft-Liebe in den Ballon

Münster-Wolbeck. „Ich bin ein Deichkind“, sagt die gebürtige Cuxhavenerin Ulla Klees, aber als Kind träumte sie von den Bergen. Immer schon habe sie alles geliebt, „was in der Luft ist“. Dem Klettern in den Bergen folgte die Segelfliegerei. Im Österreich-Urlaub bot sich die Gelegenheit, im Salzburger Land in einem Ballon mitzufahren. Ihre Faszination war da. 1997 machte sie den ersten Ballon-Schein, heute ist sie ist Freiballonführerin von Gas- und Heißluftballonen mit Nachtfahr-Berechtigung.
Leicht nahm sie das nicht: „Dieses große Teil und ich allein in der Verantwortung“.
Ballonfahren sei „absolut ein Mannschaftssport“ – man braucht Menschen im Korb, auch als Ballast, Helfer beim Start (Mit Pilot „drei, besser vier“), Verfolger und Helfer beim Einpacken.
Sie fasziniert die Stille, der Blick auf Natur und Tiere. Auch, dass man beim Start nie weiß, wo man landet. Dafür nimmt sie in Kauf, abhängig zu sein von Kapriolen des Wetters. „Nicht doch! Wer vergreift sich denn immer an dem Sack? Der drehte sich wieder in die falsche Richtung.“ schreibt sie über einen Tag bei Krefeld in dem Sammelband „Erkundungen im Luftmeer“, zu dem sie gleich drei Beiträge lieferte. Was daran lag, dass sie eine der wenigen weiblichen Ballonfahrerinnen ist.
Gefahren ist sie auch im Hochtal von Kathmandu – mit drei Teams zu je zwei Piloten und vier Mitfahrern war Klees 1998 unterwegs. Die Aufgabe der Verfolger gestaltete sich hier schwierig, erzählt Klees, „Da es keine Feldwege im europäischen Sinne gibt“. Ziegeleien wurden der Orientierungspunkt für die Piloten, denn zu ihnen führte immer eine Straße. Das Leben der Nepalesen, ihre Freundlichkeit und Begeisterung bewegte Klees. Die Ballonfahrer nutzten ihre Möglichkeiten: Zwei Fesselballone hoben eine Ladung Kinder in die Höhe von gut 20 Metern. „Morgens Ballon gefahren, mittags Kinder glücklich gemacht, es war ein schöner Tag.“ Zum Abenteuer gehörten der Zoll und das Ballonverpacken.
Prüferin wollte Klees nie sein, aber ihr Wissen gibt sie gern weiter: Ihre Helfer von früher hätten längst alle einen Ballonschein. Auch ihre beste Verfolgerin, ihre Tochter Daniela.
In Kürze zieht Klees von Wolbeck aus  um – diesmal in den Allgäu – sie freut sich schon auf beständigeres Wetter, etwas weniger Wind – und die Landschaft. Der Ballon ist schon verpackt; Neuschwanstein wartet.

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