Chronik zur Schulgeschichte nicht nur von Angelmodde

Chronik zur Schulgeschichte nicht nur von Angelmodde
Otto Senger, Kajo Plassmann und Engelbert Honkomp vor der Karte von Angelmodde aus dem Jahre 1950 von Theo Junglas.

Zuletzt aktualisiert 10. November 2016 (zuerst 9. November 2016).

Münster-Angelmodde. Heutige Schüler hätten Schule vor 70 Jahren noch ganz anders erlebt, erst recht im 18. Jahrhundert – unter Umständen gar nicht. Ohne Schulbücher, ohne Lehrplan, etc.

Am Mittwoch präsentierten die Heimatfreunde Angelmodde im Gallitzin-Haus den 24. Band der Angelmodder Chronik, der sich ganz dem Schulwesen widmet. Die Beiträge sind aber mehr. Sie bieten Einblick in soziale Verhältnisse, Notstände von der Wohnung bis zum Wissen, der Chance auf Schulbindung bis zur Wahl des eigenen Wegs. Zugleich bieten einen Einblick in die Wirkmächtigkeit bestimmter Taten bis in eine weite Zukunft, in das Heute.

Was stand hinter der Rede vom „dummen Bauern“ und von „deutschen Schulen“? Einen weiten Weg hat die Rolle des „Lehrers“ zurückgelegt, der damals kaum als Beruf im modernen Sinne gelten konnte – ohne Ausbildung, kärglich bezahlt aber extrem eingespannt, und obendrein eher selten als häufig aufzufinden.

Lebendig machen die Beiträge auch religiöse Trennlinien, in den Beiträgen zur Zeit nach dem II. Weltkrieg auch die Themen Flüchtlinge und ihre Aufnahme in einer anders situierten und andersgläubigen Welt.

Und die Chronik macht besondere Menschen greifbar – die Gräfin von Gallitzin, aus hohem Adel nach Angelmodde gekommen, Bernhard Overberg – die nachhaltige Spuren hinterließen. Was die beiden sich im Wechselspiel ausdachten, fand den Weg auch ins Ausland.

So findet man hier ein wichtiges Stück Gesellschafts-Geschichte im eigenen Dorf wieder und Einflüsse, die von dort zurückwirkten – weit über Münster und Preußen hinaus.

Etwas versteckt sind diese hoch interessanten und gut lesbaren Beiträge hinter eher drögen Titeln: Ulrich Töns, ehemaliger Leiter des Overberg-Kollegs, erklärt die „Schulordnung von 1801“ und damit „eine Revolution“, Hubert Gerold berichtet vom Werden der „Annette-Schule“ bis in die 1990er Jahre, Otto Senger, ehemaliger Leiter der Eichendorff-Schule, findet den Einstieg über „Die Heimatkarte Angelmodde der ehemaligen evangelischen Volksschule (1948 bis 1953)“. Kajo Plassmann übertrug Gerolds Text in den Computer; Engelbert Honkomp steuerte eine Einführung bei. Bilder und Karten helfen, die Geschichte greifbar zu machen.

An Bildungsgeschichte Interessierte greifen zusätzlich zu Band 22 über die katholische Voksschule Angelmodde“, in der Sengers Beitrag mit farbigem Bildmaterial erschien.

Verwandte Inhalte:

  • Münster-Angelmodde. „Erinnerungen und Träume“ spiegeln die Landschaften in Pastell und Öl wieder, die seit Sonntag im Gallitzin-Haus in Angelmodde zu sehen sind. Es ist die erste Ausstellung von Ingrid van Endert, auch bekannt durch ihre Arbeit im Verband Frau und Kultur in Münster. Eine beruhigende Wirkung gehe von diesen Bildern…
  • Diskussion zum Wirken von Demetrius Augustinus von Gallitzin in NordamerikaMünster-Angelmodde (Andreas Hasenkamp). Was macht diesen Demetrius Augustinus von Gallitzin aus, den Sohn der Fürstin Gallitzin, der 1792 bis 1840 in Nordamerika lebte und als katholischer Priester missionarisch wirkte? Im Gallitzin-Haus ging es am Donnerstag zudem um die Frage, ob der Mann aus Angelmodde wohl selig gesprochen würde. 31 Gäste…
  • Münster-Angelmodde.  Auch bislang nicht ausgestellte Bilder von Bernhard Miesch wollten die Heimatfreunde bei dieser zweiten Ausstellung anläßlich seines 100. Geburtstages im Gallitzin-Haus in Münster-Angelmodde zeigen. Der Versuch einer Retrospektive der Werke  des 1905 Geborenen und 1965 Gestorbenen gelang eindrucksvoll. Auch bislang nicht ausgestellte Bilder von Bernhard Miesch wollten die Heimatfreunde bei…
  • Das Gallitzin-Haus in AngelmoddeDas Fachwerkhaus Gallitzin-Haus in Angelmodde ist Stätte der Begegnung und Raum für Ausstellungen und Vorträge.
  • Angelmodde-DorfFotografische Eindrücke aus Angelmodde-Dorf.