Bruno Plaschke las in Haus Siekmann aus „Geraubte Jugend im Gulag“

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Bruno Plaschke, PazanSendenhorst. Dass Bruno Plaschke ein fröhlicher Mensch ist, blitzt während der Lesung nur für Momente auf. Der Stoff taugt nicht dazu. Unter Hitler noch als „Werwolf“ gedrillt, 1945 als 15-Jähriger von den Sowjets zu zehn Jahren Straflager verurteilt, häufig dem Tode nah, das ist der selbst erlebte Stoff seines Buches „Pazan. Geraubte Jugend im Gulag 1945-1954“. Plaschke muss erst tief durchatmen am kleinen Tisch mit der Leselampe vorn in der Tenne von Haus Siekmann.

Der Saal ist voll, über 100 Zuhörer sind gekommen. Gedacht hatte Plaschke seine über 400 Seiten umfassenden Erinnerungen für seine Kinder und seine Frau.
Er solle sich durch Erinnerung befreien, hatte ihn ein Freund gedrängt, Dr. Ulrich Schiller. Er, bekannt als Korrespondent der ARD in Moskau und Washington und ZEIT-Autor, ist zur Freude Plaschkes und seiner Frau Renate eigens von Köln nach Sendenhorst gekommen. Das Aufschreiben hatte Plaschke erst nach der Pensionierung begonnen, es dann auch drei Jahre lang unterbrochen. Schiller trieb ihn an. Schmerzhaft war der Weg der Erinnerung. Aber er hat ihn anscheinend befreit.
Eine gute Stunde liest Plaschke. Der letzte Tag in schlesischer Heimat vor der abrupten Verhaftung, Lemberg, Kansk, Bruchstücke aus den Elends-Stationen einer Reise bis tief nach Sibirien, menschliche Abgründe und rettende menschliche Zuwendung, mit der nicht zu rechnen war. Musik war eine Bereicherung damals in Kansk, und Tschaikowski erklingt in Haus Siekmann als dezente Untermalung einiger Passagen. Eine Melodie spielt Plaschke am Flügel.

„Es geht jetzt leichter“

Ob er denn noch Energie für die geplante Diskussionsrunde habe?, fragt Jürgen Krass vom Förderverein Haus Siekmann Plaschke. „Es geht jetzt leichter“, antwortet er.
Das Schlimmste sei die Hoffnungslosigkeit gewesen, nicht der körperliche Schmerz, antwortet der „kleine Junge“ (Pazan) von damals auf eine Frage aus dem Publikum. Viele Jahre, in denen jeder Tag ohne Hoffnung begann. Die Kraft zum Überleben habe er letztlich aus dem Glauben gezogen.
Am Kamin klingt der Abend im kleinen Kreise aus, und Bruno Plaschke, der Mann mit dem kräftigen Händedruck und dem freundlichen Wesen, hat noch Energie für andere Themen. Und er lacht gern.

{xtypo_warning}Einige Exemplare von „Pazan. Geraubte Jugend im Gulag 1945-1954“ sind noch im Handel, ein Neudruck ist beim Agenda-Verlag in Vorbereitung, wie Dr. Bernhard Schneeberger, Chef des Verlages aus Münster , am 30.11.2007 mitteilte.
Vorbestellen kann man u.a. bei Matthias Bierwagen im "Lädchen" in Sendenhorst-Albersloh (0 25 35 93 14 02){/xtypo_warning}