Bruderschaft beschließt „Vougelscheiten twedusensirbentain“

Jahresversammlung der St. Achatius-Nikolai-Bruderschaft Wolbeck in der Gaststätte Sültemeyer an der Münsterstraße. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Münster-Wolbeck. Eine lebendige Versammlung ihrer Bruderschaft erlebten am Ostermontag die Scheffer Werner Reisener und Heiner Hamsen.
Die Frage, wie sich eine so besondere Gruppe wie eine Bruderschaft verändern solle, um für die Zukunft gewappnet zu sein, sprich: auch Nachwuchs anzuziehen, ging nach der Fusion in eine neue Runde. Ein Quartett aus dem letzten Jahr stellte den Antrag, einen Ausschuss einzurichten, der „sich mit der Errichtung eines geschäftsführenden Vorstands außerhalb des Offizierscorps beschäftigt“. Denn es werde schwieriger, „Bruderschaftsmitglieder für die verantwortungsvollen Posten des 1. und 2. Scheffers zu gewinnen“.
Der Antrag wurde nach längerer Diskussion verändert, offener formuliert. Denn aus den Beiträgen vieler der 98 anwesenden Brüder ergab sich eine ebenso vielschichtige wie kontroverse Diskussion: „100 Mann, 100 Meinungen“, so Andreas Heimann.

Jahresversammlung der St. Achatius-Nikolai-Bruderschaft Wolbeck in der Gaststätte Sültemeyer an der Münsterstraße. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Stellt der jährliche Wechsel das neue Offizierscorps, vor allem den ersten und zweiten Scheffer, vor eine schwer überschaubare Fülle komplizierter und zeitraubender Aufgaben, die ihnen die Luft für eine kreative Weiterentwicklung nehmen? Ist womöglich deshalb der Königsball im letzten Jahr nicht so attraktiv gewesen, wie Ex-Scheffer Martin Roer meinte? Oder schafft die Computertechnik mit Vorlagen und Listen und vor allem das Wirken des erfahrenen Bevollmächtigen Willi Osthues auch dem Neuling Überblick und Hilfe?
Und liegt im  steten Wechsel, in der jeder mit gewisser Regelmäßigkeit nicht etwa kandidiert, sondern schlicht benannt wird, ein Teil des Charmes der Bruderschaft? Auch das betonten einige.
Unter ihnen einer der 24 Jüngsten, der Überraschungs-König der Nikolai, Niklas Greiner – einem „Verein“ wäre er auf keinen Fall beigetreten.
Vor Problemen stehen die Scheffer und andere Brüder regelmäßig bei Beerdigungen, wo sie sich seit Jahrhunderten mit Sargträgern engagieren, noch mehr beim Besuch von Geburtstagskindern –   Dutzenden von Ereignissen liegen in der Arbeitszeit. Die Lösung liege allerdings eher darin, argumentierten einige, dass Brüder mit passenden Rahmenbedingungen „Ja, mache ich“ sagen, nicht in formalisierten Strukturen. Das müsse kein Amt sein. Von einem separaten Vorstand und Vereinsstrukturen hielten die wenigsten etwas. Die alljährlichen Wechsel stünden auch für Änderungen etwa bei der Musik – „das dürfen wir auf keinen Fall über Bord werfen“.

Klares Votum für ein Vogelschießen: Die Brüder der St. Achatius-Nikolai Bruderschaft hatten anderes intensiv zu debattieren. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Weniger unterschiedlich bewerten die Sprecher das Bedürfnis, den Scheffer nicht mit einer privaten Haftung für Unglücke oder Finanzielles zu belasten.
Schließlich bejahten die Brüder bei einigen Gegenstimmen und Enthaltungen, dass eine kleine Gruppe von sieben, darunter Junge und Alte sowie der Alte Mann, sich der Fragen annehmen solle, um Vorschläge zu erarbeiten.
Die alljährliche Schlüssel-Frage überließ Reisener Manfred Horstrup, Oberst und und Platt-Experte: „Wi gie neichstes Joahr twedusensirbentain Vougelscheiten fiern?“ Die meisten Arme reckten sich auf die Frage: „We is deföh?“ 2016 ist es am zweiten Juni-Wochenende soweit.
In privaten Gespräch spann der eine oder andere den Faden weiter – etwa im Blick auf andere Beispiele, ein Schützenfest zu strukturieren.

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