Barocke Lebensfreude im Drostenhof: Vokalensemble TonArt bot Europareise durch Liebes-Themen

Münster-Wolbeck. Klassische Hochkultur an einem Fastnachts-Abend – das ist ein gewisses Risiko, vor dem aber der Förderkreis Drostenhof zu Münster-Wolbeck e.V. schon lange nicht mehr bange ist. Und der Rittersaal des Drostenhofs war voll am Samstagabend, als das Vokalensemble TonArt weltliche Chormusik und Instrumentalmusik des Barock darbot.

Das Ensemble war schon 2003 im Drostenhof aufgetreten und auch einige Zuhörer waren wiedergekommen. Die erste Veranstaltung des Förderkreises in diesem Jahr stand unter dem karnevalsverträglichen Motto „Sing We and Chant It“.

Der Reigen der vom Vorsitzenden des Förderkreises, Dr. Reinhard Sappok, versprochenen „Leckerbissen am Fastnachts-Samstag“ begann mit englischsprachigen Stücken, denen Thorsten Schwarte am Cembalo und Renate Bacher aus Greven an der Querflöte mit Händels Sonata V F-Dur ein Sahnehäubchen aufsetzten. Das Thema Liebe mit seinen Höhen und Tiefen durchzog auch die weitere musikalische Europareise in französischer und italienischer Sprache. Munteres Verliebtsein, die Traurigkeit einer Verlassenen, die eindringliche Warnung vor den Frauen und schließlich Händels „Mi palpita il cor“ verkündeten die leidenschaftliche und auch zerstörerische Kraft der Liebe. „Fürstliche Musik in fürstlichem Ambiente“ hatte Sappok versprochen, es traf nicht ganz: Ein Landsknecht-Ständchen zum Frauen-Erobern ist Orlando di Lassos „Matona mia cara“, Pierre Attaingnants „Tourdion“ ein Trinklied aus Kriegszeiten. Bewegend in seiner Ausdrucksstärke zeigte sich das Ensemble nicht zuletzt beim abschließenden „The Old Man’s King“, dem einzigen geistlichen Werk des Abends. Einen starken Eindruck hinterließen die Solisten Bacher, Schwarte und die Mezzosopranistin Katharina Poell-Scharpenberg aus Ibbenbüren. Poell-Scharpenberg und Schwarte teilen sich seit mehr als zehn Jahren die Leitung des Vokalensembles. In der Kantate „Mi palpita il cor“ konnte Poell-Scharpenberg ihre Stärken zeigen. Bachers exzellente Beherrschung der Querflöte zeigte sich in der von Schwarte am Klavier begleiteten Suite a-moll von Telemann.

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Das heute neunköpfige Vokalensemble entstand vor 16 Jahren als Studentenchor und hat sich längst gefestigt. Aktuell hat es sogar, da horchen Chorleiter auf, mehr männliche als weibliche Stimmen. Das Ensemble konnte gleich zwei Tasteninstrumente aufbieten, neben dem vertrauten Klavier ein besonderes Cembalo. Uwe Schulze, Cembalo-Sammler aus Bielefeld, hatte es geliehen und gestimmt. Das Ranftl-Cembalo, in den siebziger Jahren am Bodensee gebaut, ist eines der größten. Dieser Typ wird auch bei weit größeren Ensembles eingesetzt. Das Modell entstand schon in der Renaissance, erzählte Schulze. Es galt – nach der Orgel – als „Königin der Instrumente“ und verfügt über zwei Manuale und drei Register. Der Organist Torsten Schwarte konnte sich insoweit ebenso zu Hause fühlen wie die Musik selbst im 450 Jahre alten Renaissance-Bau Drostenhof.

Ein Geheimnis dieses gelungenen Abends mag in seinem Reichtum an Abwechslung liegen. Auf den hat auch der Förderkreis Drostenhof zu Münster-Wolbeck e.V. in seinem Jahresprogramm wiederum geachtet: Auf die barocke Pracht folgt, das kündigte Sappok an, am 17. März ein Wiederholungs-Gast mit einem neuen Jazzkonzert, nämlich Jan Klare mit dem „Monk Projekt“.

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Über Andreas Hasenkamp 6437 Artikel
Journalist, Online-Redakteur und Event-Fotograf in Münster.

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