Aussichten für Biogasanlagen im Münsterland

Münster-Wolbeck. Entsteht mit Biogasanlagen ein Stück Energiewende im Raum Münster? Die Aussichten sind eher fahl, so der Tenor einer Podiumsdiskussion. Eingeladen hatte das Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung in das Schulzentrum Wolbeck. Die zwei Stunden moderierte Helga Benning, Vorsitzende des entsprechenden Ratsausschusses.

Lage der Biogas-Branche 

Der Biogasanlagen-Branche in Deutschland geht es „gerade gar nicht so gut“, sagte Ulrich Drochner, Regionalreferent West des Fachverbands Biogas mit rund 8000 Mitgliedern. Potenziale für Biogas im Münsterland gebe es „nur sehr bedingt“. Sie lägen eher in anderen Regionen Deuschlands. Ein Ausbau unter dem EEG 2014 sei „meist nicht wirtschaftlich möglich“. Der Ausbau sei nicht optimal verlaufen, nämlich konzentriert auf bestimmte Landkreise, die wie im Münsterland bereits eine hohe Viehdichte haben. Dahinter stecke die Kopplung von Boni für die Nutzung von Gülle und nachwachsenden Rohstoffen. So leide die Akzeptanz.

Meist, so Drochner, seien nur noch Speiserest- und Güllekleinanlagen wirtschaftlich. Zudem gebe es „sehr verzerrte emotionale Wahrnehmungen“. Mais werde im Schnitt zehn Kilometer weit transportiert – nicht weiter, wie manche glaubten, berichtete er aus einem Gespräch mit Ministerpräsidentin Kraft. Seit 2012 sei in seinem Arbeitsgebiet keine größere Biogasanlage beantragt worden, sagte Dr. Joachim Matthias, seit 2004 Energieberater in der Landwirtschaftskammer NRW.

Die Vorteile würden vom Bundeswirtschaftsministerium „verkannt“, sagte Drochner. Biomasse sei als einziger Träger erneuerbarer Energie kontinuierlich verfügbar, könne daher konventionelle Kraftwerke ersetzen. Es werde zu wenig geforscht. Matthias forderte: „Man muss den Kreislauf rund basteln“.Für kommunale Biogasanlagen seien die Perspektiven „gewaltig“, so Gerhard Joksch, der ehemalige Stadtbaurat und jetzige Bürgermeister. In Münster laufe eine schon seit zehn Jahren.

Fahle Perspektive für Landwirtschaft

Die Perspektive für die Landwirte sei „gleich Null“, urteilte Henrik Lütke Brintrup vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband WLV, selbst Betreiber einer Biogasanlage. Zum einen wollten Landwirte wie er nicht die Akzeptanz in der Gesellschaft riskieren – das gab Beifall bei vielen Landwirtschafts-Vertretern aus dem 38 Köpfe starken Publikum. Da geht es um „gigantische Verödung“ wie im Kreis Borken, wie Dr. Michael Harengerd als Vertreter der Umweltverbände sagte: um „Vermaisung“, um Transportwege und die Alternative Teller, Tank oder Stromerzeugung. Zum anderen seien die Erlöse nicht mehr interessant. Die Landwirte hätten in Sachen Wärme aus Biomasse ein anderes „Bonbon in der Tasche“, sagte Lütke Brintrup: Holzhackschnitzel.
Josef Schwegmann, ein Landwirt aus Wolbeck, stellte die Frage, die sich als Gretchenfrage entpuppte: „Wo soll man die Nährstoffe lassen?“ An ihnen mangelt es nicht im Raum Münster.

ZITATE

{xtypo_quote_left} „Das EEG 2014 hat die Vollbremse gezogen.“ Dr. Joachim Matthias {/xtypo_quote_left} 

„Das EEG 2014 hat die Vollbremse gezogen.“ Dr. Joachim Matthias
„Der eine oder andere Anlagenbetreiber hat sich einfach übernommen“. Ulrich Drochner
„Die Flächenverknappung in NRW ist täglich zu spüren.“ Ulrich Drochner

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