Aquarell-Portraits aus Südindien im Kunsthaus Kannen

Aquarell-Portraits aus Südindien im Kunsthaus Kannen 3
Bruchteile von Entdeckungen aus Kerala: Portraits von Baby Appachan hat Ulla Dziedzioch nach Münster gebracht. Foto: Andreas Hasenkamp.

Münster-Amelsbüren. Die Portraits sehen sich bestaunt und fotografiert, Menschen gehen nah heran, scharen sich um sie – und der Künstler weiß womöglich nichts davon. Zwölf Portraits von Baby Appachan sind seit Sonntag im Kunsthaus Kannen zu sehen. 

Der Schöpfer der beeindruckenden Werke  ist Inder, lebt mit 160 anderen in Kerala in einem besonderen Haus: psychisch Erkrankte leben dort, Menschen mit sonstigen Behinderungen, Todkranke. Getragen wird das Pflegeheim in Südindien von   Schwestern und Brüdern des Ordens St. John of God. „Früher hätte man es ein Armenhaus genannt“, sagt Ulla Dziedzioch aus Münster.
Dziedzioch hat Design studiert, entdeckt den Malunterricht für sich, u.a.  mit Kindern, geistig Behinderten und Senioren. Ein Freund ihres Sohnes arbeitete im Kunsthaus Kannen, leistete dann ein Freiwilliges Soziales Jahr in Indien, in Kerala. Dort stellte Dziedzioch im „Armenhaus“ fest: Die Menschen seien zwar gut ernährt und gekleidet, aber sie hätten fast nichts Sinnvolles zu tun.

Malen als Entdeckenlassen ohne Vorgaben

Dziedzioch bot ihnen bei zwei mehrmonatigen Aufenthalten die Gelegenheit  zu Malen, fast alle beteiligten sich. Sie machte keine Vorgaben. Nicht nur, weil sie nicht miteinander sprechen konnten, alles über Gestik und Mimik lief. Sondern aus Prinzip – die Menschen sollen etwas aus sich selbst herausholen. Das hätte sie mit Begeisterung getan.

Portraits von Baby Appachan sehen sich bei der Vernissage fotografiert.
Portraits von Baby Appachan sehen sich bei der Vernissage
fotografiert.

So weiß Dziedzioch von  Appachan nur, dass der etwa 55  Jahre alte Mann schlecht hört und sieht, Diabetes hat. Für seine Arbeiten mit Aquarell-Stifft auf ungebleichte Baumwolle habe er viel Respekt von anderen Mitbewohnern erhalten. „Seine Bilder fangen etwas vom Wesen der Gemalten ein.“ „Um seine Bilder zu signieren, hat er gelernt, seinen Namen zu schreiben.“ Werke von fünf Bewohnern nahm Dziedzioch mit nach Münster, stellte sie Lisa Inckmann vom Kunsthaus Kannen vor. Die Arbeiten von Appachan seien „herausstechend“, so Inckmann. Sie machte eine Wand im Foyer frei. Finanziert hat Dziedzioch den zweimaligen Besuch selbst. Nun treibt sie der Gedanke an Fundraising und das Gründen eines Vereins an.

Weitere Bilder von den fünf aus Kerala sind Ende Oktober in Regensburg zu sehen, im Kunsthaus Kannen sind sie ein Thema beim 2×2 Forum Outsider Art Anfang Oktober am Alexianerweg 9.
Bis zum 20. September sind dort Appachans Portraits zu sehen, parallel zur Ausstellung „geschnitten, geklebt, gerissen … Papier als Werkstoff“.

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