Angelmodde-Führung macht Fürstin Gallitzin in Klang und Bild lebendig

Münster-Angelmodde. Mit der Präsenz der Gräfin Gallitzin begründete anno 1908 der Gemeinderat von Angelmodde  den Antrag, doch endlich eine Straße durch das Dorf zu bauen: Den Besuchern des Aufenthalts- und Begräbnisortes solle man es ermöglichen, das Dorf trockenen Fußes zu passieren.
Mehr als ein Jahrhundert später waren am Sonntag wieder Interessierte in den Ort gekommen, um sich von Sigrid Bernitz von StattReisen bei der Führung „Angelmodde und die 'Familia Sacra'.
Ein Dorf zwischen Aufklärung, Kunst und Traditionen“ die Gräfin näherbringen zu lassen. Bernitz präsentierte Angelmodde als im 8. bis 9. Jahrhundert gegründeten Ort, lange abgeschieden, der erst 1927 eine Brücke erhielt, das „lange Schemm“ – 90 Meter lang, nicht einmal einen Meter breit. Ein altes Foto brachte den neun Teilnehmern, darunter neben Angelmoddern ein Gast aus Mönchengladbach und ein Ehepaar aus Gremmendorf, die moddrige Straße nahe.
Hier lebte in einem nicht mehr erhaltenen Haus die Fürstin Amalie von Gallitzin (1748 bis 1806), Tochter eines preußischen Feldmarschalls, verheiratet mit dem russischen Fürsten Dimitrij Aleksejewitsch Golizyn. Als Kind spürte sie ihre Unwissenheit und machte sich zu einer für damalige Zeiten ungewöhnlich gebildeten Frau. Sie widmete sich der Philosophie der Aufklärer und Enzyklopädisten, pendelte später zwischen Aufklärung und Katholizismus und gilt als eine Mitbegründerin des „romantischen“ Katholizismus. Bernitz stellte sie als eine der faszinierendsten Frauen des ausgehenden 18. Jahrhunderts vor und als exzentrische Persönlichkeit. Goethe besuchte sie; auch Namen wie Matthias Claudius, von Fürstenberg, Sprickmann, Hamann und Hemsterhuis sind mit ihr verbunden. Und die „Familia Sacra“, deren Denkmal in Angelmodde  die Gruppe ebenfalls erwanderte, obwohl ein ergiebiger Regenguss sie am Rande der Werse durchnässt hatte. Im Gallitzin-Haus warf die Gruppe einen Blick auf das Modell der alten Brücke.
An der Seite von Bernitz gestaltete wie früher Bettina Knust die Führung mit. Sie rezitierte aus dem Werk der Fürstin und spielte  in der Kirche St. Agatha  sowie zum Schluss der Führung an ihrem Grab vor der Kirche Flöte. Am 9. Oktober gestaltet Bernitz in Münster eine Führung „Hamann, der vergessene Philosoph“.

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