Aleppo: Zwei Wochen bis zur Hungersnot Sonderkorrespondent der ARD für die arabische Welt berichtet in Münster

Aleppo: Zwei Wochen bis zur Hungersnot Sonderkorrespondent der ARD für die arabische Welt berichtet in Münster
Thomas Aders und Magdalene Faber im Kulturbahnhof Hiltrup.

Münster-Hiltrup. Man kennt Thomas Aders aus dem Fernsehen, als Sonderkorrespondent der ARD für die arabische Welt. Am Montagabend konnte man ihn im Kulturbahnhof Hiltrup länger sehen – und befragen. Magdalene Faber hatte ihn nach der Lesung zu seinem Buch „Allah ist groß, die Hoffnung klein: Begegnungen im Nahen Osten“ im Frühjahr 2015 noch einmal eingeladen. Das nutzen die Gäste. Aders berichtet von den Arbeitsbedingungen des Studios in Kairo, das die arabische Halbinsel abdeckt, Jordanien, den Irak, Syrien, den Libanon und andere mehr; er erzählt von den Kollegen – Deutschen, Einheimischen und dem einen Österreicher – , dem schrittweisen Annähern an gefährlichere Gebiete und Situationen, vom Erlernen des Arabischen, den Sicherheitsvorkehrungen, die Zickzack-Wege in Syrien unumgänglich machen, dem Netz an langjährigen Kontakten, der Team-Arbeit. Die Berichterstattung der ARD sei gut und umfassend; man liege vor der britischen BBC.
Faber lässt Interessierte auf Aders Smartphone die Fotos sehen, die er aus dem Jemen nach einem Bombardement vor wenigen Tagen erhalten hatte. Einige der 50 Gäste nutzen die Gelegenheit, auch ein junges Paar, das sich einige Fotos anschaut: „Das reicht, danke“. Es sind Fotos von teils oder ganz zerfetzten Menschen. Nichts, was im Fernsehen zeigbar wäre. „Kein Mensch will die Gehirnmasse in einem Pflaumenbaum sehen.“
Mit Präsident Assad hat der Journalist nach langen, vielen Anläufen sprechen können. Assad sei ihm vorgekommen wie eine bestens von PR-Trainern vorbereitete Puppe; hinter dem Sohn von Hafiz al-Assad stünden andere.
Zugang sei auch woanders schwierig – in Saudi-Arabien und in Ägypten, wo die Saudis dank Öl-Milliarden an Einfluss gewännen.
Aders sieht viel Versagen und Schuld bei den ausländischen Mächten, aus je unterschiedlichen Gründen. Das Nichtstun Europas in den letzten Jahren, die unheilvolle Koalition der USA mit den Saudis seit dem Zweiten Weltkrieg führt er an. Moskau sei es gelungen, die USA „an der Nase herumzuführen“. Und es habe die „absolute Lufthoheit“ über Aleppo, es könnte die Bombardements sofort beenden. Dort seien die Vorräte aufgebraucht, der letzte Versorgungsweg nun blockiert – „wenn das jetzt noch zwei Wochen weitergeht, gibt es eine Hungersnot“. Libyen sei ein zusammenbrechendes Land; hier warteten 500.000 bis eine Million Menschen auf die Flucht.

IS-Propagandisten in deutschen Flüchtlingsunterkünften

Respekt zollt Aders der Lebenseinstellung von Irakern und Syrern, ihrer Fähigkeit zum Durchhalten. Und er kenne keinen Syrer, die nicht bald zurück wolle – „das Essen ist hier viel zu schlecht“. Ein christlicher Syrer sei zurückgekehrt – nachdem er sich in drei Flüchtlingsheimen mit Propagandisten des IS konfrontiert sah. Das dürfe Deutschland nicht zulassen.

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