Gestühl im Friedenssaal leidet unter vielen Menschen

Mit Handschuhen öffnet die Restauratorin Nora Möller eine Abdeckung der östlichen Bankreihe im Friedenssaal. Foto: anh.

Münster. Unter Klima-Schwankungen hat das hölzerne Gestühl gelitten, besonders aber unter den Menschen. Über den Schutz der Kostbarkeit des Gestühls aus dem Jahre 1577 im Friedenssaal des Rathauses berichtete am Sonntagmittag Nora Möller, Restauratorin im Stadtmuseum Münster.
Fußbank und Sitzbänke mit Kästen gehören zum Gestühl, die Vertäfelung mit Apostelfiguren und den Köpfen von bis heute Unbkeannten, je eine Reihe im Osten mit seinen Fenstern, eine im Westen, dazu die Stirnwand mit dem Richtertisch und dem Baldachin im Norden des Friedenssaales. Alles Angriffsfläche für Schäden. Wenn Temperatur und Feuchtigkeit schwanken, wird der Leim spröde, das Holz arbeitet, UV-Licht lässt Lignin austreten,   Abwischen legt die Zellulose frei.

Menschen im Friedenssaal des Rathauses zu Münster

Große Menschenmengen wirken sich aus: Möller zeigt die Ausschläge auf Diagrammen – seit dem Jahr 2000 nimmt ihre Kollegin Janneke Bauermeister Messungen vor. Die Ausschläge des Diagrams führten dazu, die Besuchermassen zu beschränken – mehr als dreißig auf einmal dürfen es nicht sein, die Zahl der Gruppen pro Tag wurde reduziert.

Zahl der Besucher des Friedenssaales reduziert

Nicht immer waren die Besucher so sittsam wie die 15 dieser Führung. Es gab auch wenig zimperliche – sie stiegen auf die Bänke und den Richtertisch, um besser fotografieren zu können. Ein Stück der östlichen Sitzbank sackt ab – da war wohl ein kräftiger Mensch von der Fensterbank darauf gesprungen. Inzwischen hat eine Sitzbankreihe, die östliche, einen Unterbau aus Holz. Ob das Original mal einen hatte, bleibt offen. Es sei zwar anzunehmen, aber es fanden sich keine Spuren.

Mit Handschuhen öffnet die Restauratorin Nora Möller eine Abdeckung der östlichen Bankreihe im Friedenssaal. Foto: anh.

1942 war das Gestühl ausgebaut und nach Schloss Wöbbel gerettet worden. Der Einbau nach dem Krieg habe schnell gehen müssen, so Möller, die Mittel seien knapp gewesen. Das habe Folgen gehabt.“Das komplette Gestühl war einmal farbig gestaltet“, wie es ausgesehen habe, wisse man nicht. Das nackte Holz sei immerhin einfacher zu pflegen. Mehrere Restaurierungen hat das Gestühl hinter sich, bei einer fanden sich „über 150 Kaugummis“. Alle drei Jahre putzen die Restauratoren das Gestühl mit Wattestäbchen.

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