Misereor-Gast René Ivo Gonçalves besucht Wolbecker Gymnasiasten

Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

“Ich heiße René, lebe in Brasilien und spreche nicht gerne über Fußball.” Schon mit seinem ersten Satz sicherte sich René Ivo Gonçalves am 8. März 2016 die Aufmerksamkeit der rund 120 Schülerinnen und Schüler in der Aula des Gymnasiums Münster-Wolbeck, heißt es in einer Pressemitteilung des Bistums Münster.
Im Rahmen der Fastenaktion des Bischöflichen Hilfswerks Misereor ist der Brasilianer im Bistum Münster unterwegs, um von seiner Arbeit mit Obdachlosen in São Paulo zu berichten. Erstmals richten Brasilien und Deutschland in diesem Jahr eine gemeinsame Kampagne unter dem Leitwort ‚Das Rechte ströme wie Wasser‘ aus.

“Nachbarn”: Armenviertel  und Häuser  mit Swimmingpool

Mit Bildern von Armenvierteln auf der einen und Häusern mit Swimmingpool auf der anderen Seite einer Mauer in São Paulo machte Gonçalves den Schülern der Einführungsphase (EF) klar, dass Brasilien “nicht nur für Weltmeisterschaft, Karneval und Olympia” steht. Allein in São Paulo würden 22 Millionen Menschen leben, also acht Mal so viele wie in Berlin. “Diese hohe Einwohnerdichte bringt ganz unterschiedliche Probleme wie Armut, Straßenhandel, Obdachlosigkeit und soziale Kämpfe mit sich”, übersetzte Begleiterin Niki Graça die portugiesischen Sätze des Ingenieurs ins Deutsche. Weil der Wohnraum in der Stadt knapp und teuer sei, entstehe eine große Ungleichheit. “Es gibt nur wenige Menschen, die viel besitzen, und viele Menschen, die nichts besitzen”, sagte er.

Durch die Suche nach strukturellen Lösungen für diese Ungleichheiten sei sein Engagement gewachsen. Seit 2008 leitet Gonçalves darum das Centro Gaspar Garcia (CGG), das rund 150 Obdachlose betreut. “Wir versuchen mit weiteren Partnern daran zu arbeiten, den Armen ein menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen”, erklärte er. Weil die Menschen gemeinsam mehr erreichen könnten als allein, unterstützen Gonçalves und seine Kollegen sie beim Aufbau von Organisationsstrukturen sowie beim Beantragen von Wohnungsbauprojekten. “Wir glauben einfach, dass ein Mensch, der in guten Wohnverhältnissen lebt, bessere Chancen auf ein menschenwürdiges Leben hat”, sagte der Brasilianer, betonte aber: “Wir sprechen nicht von Reichtum, sondern von Würde.”

Mit Misereor-Fastenaktion auseinandergesetzt

Dass sich die Schüler bereits in den vergangenen Wochen im Religionsunterricht mit der Misereor-Fastenaktion auseinandergesetzt hatten, wurde bei ihren Fragen an den Gast deutlich. “Wie können Sie an einen barmherzigen Gott glauben, wenn Sie jeden Tag so viel Ungerechtigkeit erleben?”, fragte eine Schülerin. Gonçalves verwies auf die Armenviertel der Stadt, in denen er oft mehr Solidarität erlebe als in der Stadt. “Ich bin der Überzeugung, dass die Welt, so wie sie ist, von den Menschen geschaffen wurde und nicht von Gott.”

“Wir haben zwar vorher im Unterricht schon etwas über die Zustände im Land erfahren, aber das so persönlich von Herrn Gonçalves zu hören, ist etwas ganz anderes”, sagte sich die 16-jährige Julia über den internationalen Gast. Der Brasilianer entgegnete mit einem Kompliment: “Wenn ich nicht in Brasilien leben würde, wäre garantiert Deutschland mein Zuhause – so herzlich, wie ich hier empfangen wurde.”

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