Bürger aus Wolbeck und Mitarbeiter der Bauabteilung der Stadtverwaltung Münster informierten sich am 21.01.2010 in Horstmar. Die Teilnehmer der Fahrt des Bürgerforum Wolbeck e.V. erlebten – verglichen mit dem Besuch in Bohmte im Jahr 2009 - eine andere Art und Weise der Verkehrsberuhigung, schreibt das Bürgerforum in einer Pressemitteilung.
Vor dem Bau der Umgehungsstraße
führten zwei Landesstraßen und eine Kreisstraße mitten durch das Ortszentrum von
Horstmar. Heute ist eine Durchfahrt durch den Ort nur aus einer Richtung (aus Steinfurt)
erlaubt. Aus der Gegenrichtung (aus Coesfeld) ist nur Anliegerverkehr möglich. Nach
Meinung der Stadtverwaltung in Horstmar ist Anlieger auch derjenige Anlieger,
der zum Friseur will, einen Arzt, die Apotheke oder ein Geschäft in der Stadtmitte
aufsucht.
Geschwindigkeit begrenzt, kaum
Bürgersteige
Die Geschwindigkeit im gesamten
Ort ist auf 20 km/h begrenzt. Es gilt die Vorfahrtsregel „rechts vor links“. Das
bedeutet, dass die Nebenstraßen gegenüber der Hauptstraße gegebenenfalls vorfahrtsberechtigt
sind. Hinzukommen Baumscheiben auf der Hauptstraße, die den Verkehrsfluss deutlich
verlangsamen. Fußgängerwege mit einer Breite von 70 cm gibt es nur auf der Hauptstraße.
Die Nebenstraßen sind ohne Bürgersteige. Alle Straßen im gesamten Altstadtbereich
sind mit unterschiedlichen Materialien gepflastert.
Erreicht worden ist durch diese
Maßnahmen eine Reduzierung des Schwerlastverkehrs um 75%. Der Lärmpegel im Ort
ist trotz der Pflasterung mindestens um die Hälfte reduziert worden. Heute ist
ein normales Gespräch im Sitzungssaal des Alten Rathauses problemlos möglich,
obwohl die Fenster keine Doppelverglasung haben. Die beiden Buslinien, die
durch den Ort im Gegenverkehr laufen, stören den ruhigen Eindruck in keiner
Weise. In der Phase des Umbaus fürchteten die Geschäftsleute einen Einbruch
beim Umsatz. Nach Auffassung der Stadt haben seitdem die Bäcker kein Brötchen
weniger verkauft als vor dem Umbau.
Bei einem Stadtrundgang
stellten die Teilnehmer fest, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung sowie die Verlangsamung
durch die Baumscheiben von den Autofahrern und Bürgern akzeptiert wurden. „Die
Erschütterungen beim Befahren des Pflasters mit meinem Rollator nehme ich gerne
hin. Das Pflaster ist so schön!“ dies berichtete den Teilnehmern auf Anfrage eine
75-jährige Dame auf ihrem Weg zum Einkaufen. Ob sie sich im Verkehr sicher fühle
oder sich vom Lärm des Verkehr belästigt fühle, gab sie zur Antwort: „Ich fühle
mich sicher und Lärm gibt es nicht!“.
Nach der deutlichen
Reduzierung des Verkehrs im Gebiet der Altstadt begann die Gemeinde mit der
Renovierung der alten Bausubstanz. Der Rat verabschiedete eine Gestaltungs- und
Denkmalssatzung, die heute von der Verwaltung „rigide“ umgesetzt wird. Jeder,
der im Bereich der Altstadt eine Immobilie kaufen, renovieren oder in irgendeiner
Form verändern will, muss sich vor Beginn der Bauarbeiten von allen in Frage
kommenden Ämtern der Stadt in einem Gespräch kostenlos informieren lassen, was
beim Umbau zwingend zu beachten ist.
Das Ergebnis dieser Vorgehensweise
ist großartig und Wolbeck kann zurzeit davon nur träumen. Begonnen haben die
Arbeiten Anfang der 70iger Jahre. Eine intensive persönliche Beteiligung aller Grundstückeigentümer
im Ort erleichterte dies wesentlich. Der Umbau geht weiter!
Eine Dame einer Gruppe aus
dem Hause der „Bremer Stadtmusikanten“ aus Wolbeck, die den Besuch in Bohmte
mitgemacht hatte, fasste ihren Eindruck in dem Satz zusammen: „Die Besuche in
Bohmte und Horstmar haben gezeigt, auf welche Weise eine Verkehrsberuhigung und
eine Verbesserung der Lebensqualität in Wolbeck möglich ist.“
Alle Teilnehmer
einschließlich der drei Vertreter der Bauabteilung der Stadtverwaltung
bedauerten, dass kein Vertreter der politischen Parteien aus dem Rat und der
Bezirksvertretung die Möglichkeit der Information nutzte.
|