Wiedersehen mit ‚Weihrauch und Pumpernickel’

Münster-Angelmodde. Es ist ein Wiedersehen mit vielen, ein Abtauchen in die eigene Vergangenheit. Mit Bürgermeister Krause, mit Tante Lisbeth, „Päcksken“, mit vielen realen Menschen des Angelmodde der Mitte der 60er Jahre, mit Droschken und dem Bier im Bahnhof. Und mit dem Angelmodder Autor, der den Stoff  1964 in „Weihrauch und Pumpernickel“ literarisch verarbeitete, einige Entrüstung erntete und Angelmodde in der Welt der Literatur verankerte.

Elisabeth Lammers und Otto JägersbergOtto Jägersberg, damals 22 Jahre alt, liest auf Einladung des Heimatvereins Angelmodde am Montagabend im Pfarrheim von St. Bernhard. Nicht im Gallitzin-Haus: Nicht wegen vermeintlicher Attacken auf das Gedenken der Fürstin sondern wegen des zu Recht erwarteten Andrangs.

Als Ute Ewering Jägersberg vorstellt, ist das Publikum schon ganz dabei. Namen von Leuten, Orten, Schulen steuern die Hörer bei, während Jägersberg seine Biografie zurechtrückt. Mit Liebe zum Detail der Jahre am Albersloher Weg, dem Weg zur Behelfsschule bei Sebon, zur Freude der in Erinnerung Schwelgenden.

Zwischendurch liest Jägersberg neuere Werke. Es ist still, nicht nur weil das Mikrofon ausfiel, als der Autor von der Lesung in Singen, von Frauen-Art liest, von Nivea, „Mode im Sturm“ oder „Mit Goethe in die Pilze“. Humorvoll und bissig, bizarr und skurril, mit überraschenden Wendungen und knappem Stil, der Raum für Wortspiele lässt, fesselt der Autor. Und gibt Anlass zum Lachen. Es ist, als wolle er Angelmodde zurufen: Seht her, das ist Literatur, so wie „Weihrauch und Pumper­nickel“ auch.

Das Schwelgen vertieft sich, als Ausschnitte aus einem leider recht tonlosen Mitschnitt einer Fernsehsendung von 1965 gezeigt werden, gedreht in Angelmodde und Zürich. Der alte Buddenbäumer, der Lehrer Paul Reiser mit einer Verteidigung der im „westpfählischen Sittenbild“ nicht angegriffenen Fürstin, die Männer der Freiwilligen Feuerwehr, man erkennt sie wieder.

Einige Kritik kommt auch heute noch. Warum die Fürstin so unfreundlich wegkomme? Einige Dinge aus dem katholischen Milieu hat der Protestant im Detail verfehlt, gibt er zu.

So etwas wie Stolz scheint sich Bahn gebrochen zu haben auf das „Skandal“-Buch. Als der Vorschlag kommt: Wenn es doch Literatur sei, hätte er doch einen anderen Orts-Namen nehmen können, bricht Raunen aus. Dann doch lieber Angelmodde.

Den Lorbeer bekommt der Schriftsteller, Redakteur und Journalist an diesem Abend von den Angelmoddern nicht nachgereicht. Aber vom Pastor spontan einen nivea-weißen Kaiser Wilhelm in Anspielung auf eines von Jägers­bergs doppeldeutig-ironischen, Potentat-entlarvenden Stücken und vom Heimatverein echten Weihrauch und Pumpernickel. Sozusagen westpfählischen Lorbeer. Und vor allem viele warme Begrüßungen, Bitten um Autogramme, zu schreiben in die unterschiedlichsten Ausgaben des Werkes, und Einladungen.
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