Erdwärme intelligent nutzen |
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Samstag, 28. Februar 2009 |
Potsdam. Weltweit trägt die Erdwärme immer mehr zur Stromversorgung bei. Weltweiter Spitzenreiter in Sachen Erdwärme ist Island. In den vergangenen Jahren hat sich auf der nordeuropäischen Insel die Energiebereitstellung allein zur Stromversorgung auf mehr als 500 MW jährlich verdoppelt. Doch nicht nur in Island, sondern auch in Mitteleuropa ist eine dynamische Entwicklung zu verzeichnen. In Deutschland werden derzeit mehr als 100 MW Wärme aus Geothermie bereitgestellt. Bei der Abschlusskonferenz des EU-Projektes "I-GET" (Integrated Geophysical Exploration Technologies for deep fractured geothermal systems) in Potsdam sind neue Methoden zur besseren Erkundung solcher Erdwärmelagerstätten vorgestellt worden.
"Es geht darum verbesserte geophysikalische Methoden zu finden, um
potenzielle Erdwärmelagerstätten sicher zu erkunden, die anschließend
gezielt erschlossen werden können. Denn damit kann man das Risiko
teurer Fehlbohrungen reduzieren", erklärt Ernst Huenges, Leiter der
Geothermieforschung am GeoForschungsZentrum GFZ
http://www.gfz-potsdam.de gegenüber pressetext. In Italien wurden von
einem europäischen Wissenschaftlerteam allein in der Region Travale
Erdwärmelagerstätten lokalisiert, die ein mit 1.000 Windkraftwerken
vergleichbares Potenzial bergen. "Die neuen Methoden sind wichtige
Entscheidungshilfen für die Standortwahl zukünftiger
Geothermieprojekte", betont der Forscher. Die Forscher suchen gezielt
nach Regionen, in denen große Mengen heißes Wasser lagern. "Große
Wassermengen erfordern einen anderen Erkundungsansatz als energetisch
gleichwertige Mengen an Öl oder Gas", betont Huenges.
Eine grobe Ressourcenkarte gebe es bereits für ganz Europa. "Geht man
allerdings ins Detail gibt es immer noch viele Lücken", betont der
Wissenschaftler. Daher brauche man neue Erkundungsmethoden für nahezu
jedes Projekt. Die neu entwickelten Ansätze wurden an vier europäischen
Geothermiestandorten mit unterschiedlichen geologischen und
thermo-dynamischen Rahmenbedingungen getestet:
Hochtemperatur-Lagerstätten wurden in Travale (metamorphe Gesteine) und
in Hengill/Island (vulkanische Gesteine) untersucht, zwei Lagerstätten
mittlerer Temperatur in tiefen Sedimentgesteinen sind das deutsche
Groß-Schönebeck und das polnische Skierniewice. "Die Methodik basiert
auf der Messung seismischer Geschwindigkeiten und elektrischer
Leitfähigkeiten im Untergrund, die Aussagen über die
gesteinsphysikalischen Eigenschaften in der Tiefe liefern", erklärt der
Forscher.
Bei jedem Projekt müsse eine genaue ortsgebundene 3D-Seismik-Erkundung
durchgeführt werden, die ein Abbild des Untergrunds ermöglicht. "Wenn
man die Vorbereitung sehr gründlich gemacht hat, trifft man bei einer
Bohrung auf große Mengen heißes Wasser", erklärt der Forscher. Die
Verwendungsmöglichkeiten der Geothermie sind mannigfaltig. Einerseits
kann man direkt Strom aus dem Wasser herstellen, andererseits kann man
den Wärmebedarf von nahen Ballungsräumen damit abdecken. Denkbar sei
aber auch ein Industriestandort, der Kälte braucht.
"Verlässliche geothermische Technologien werden weltweit nachgefragt.
Auch geothermieerprobte Länder wie Indonesien und Neuseeland
interessieren sich für die in I-GET gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse",
erklärt Huenges. Das GFZ entwickelt seine Erdwärmeforschung weiter und
baut derzeit ein internationales Zentrum für Geothermieforschung auf,
das inbesondere anwendungsorientierte Großprojekte auf nationaler und
internationaler Ebene durchführen soll.
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