Verkehr in Wolbeck

Umgehungsstraße Wolbeck: Bau könnte 2007 beginnen

10 Jan , 2006  

Manche warten schon seit 50 Jahren darauf, Nun könnte der Bau der Umgehungsstraße schon 2007 beginnen: Freude und deutliche Zustimmung bei wenig Widerspruch war die Reaktion des Publikums auf einen Bericht des Landtagsabgeordneten Thomas Sternberg, CDU.

Außerdem ging es um positive Zeichen für den Erhalt des Westpreußischen Landesmuseums am Standort Münster und um die Zukunft das Gartenbauzentrums als Standort der überbetrieblichen Fortbildung.

Beherrschendes Thema auch der Diskussion der Gäste aus Wolbeck und des angrenzenden, Wolbeck eng verbundenen Angelmodde war der Planungsstand der Ortsumgehung. Der Bau der Landesstraße  L585n soll nicht nur Verkehr aus Wolbeck abziehen, sondern auch der Straßennutzung im geplagten Ortskern neue Möglichkeiten eröffnen.

Initiiert hatte die Veranstaltung mit Sternberg ein Mitglied des Bürgerforums Wolbeck e.V., der Leiter der Arbeitsgruppe Ortsgestaltung und Verkehr, Professor Hein Hoebink.

Verkehr trifft Gefühle

Im verkehrsgeplagten Wolbeck sind die Straßenverhältnisse ein stark mit Gefühlen besetztes Thema. Eine alte Dame habe im Kommunalwahlkamp 2005 mit starker Verbitterung auf die Äußerung eines seiner Mitbewerber reagiert, die Umgehung könne man sich abschminken, sagte Professor Sternberg. Ein anderer Wolbecker sagte, er habe seine Schwester aufgrund des Verkehrs verloren. Und ein Angelmodder berichtete, er sei von Verfechtern der Umgehung übel bedroht worden.

„2007 können die Bagger kommen“

Sternberg erklärte, für ihn behalte die Ortsumgehung eine ganz hohe Priorität für Wolbeck. Die Planung sei abgeschlossen und müsse nur noch ratifiziert werden. Die Ortsumgehung sei jetzt nicht nur in der Prioritätsklasse 1, sondern auch die Finanzierung für die nächsten Jahre gesichert. „Wenn es glatt geht, können 2007 die Bagger kommen“. Starkes Klopfen machte klar: Das Gros der Gäste in der Gaststätte Sültemeyer begrüßte dies als Fortschritt. Es sei auch kein Gerichtsverfahren angekündigt. Der Ortskern drohe zu verfallen, sagte Sternberg, die wunderbare historische Situation müsse nicht nur erhalten werden, sondern man müsse sie aufblühen lassen. Einen Einbezug der WLE in die L585n lehnte er ab, der andere Zeithorizont würde nur Probleme schaffen. „Was jetzt geplant ist, ist eine sehr vertretbare Maßnahme“, so Sternberg.

Gartenbauschule mit veränderter Zukunft

Der Beschluss der Landwirtschaftskammer bringe zwar wichtige Teile der Wolbecker Institution nach Essen, es gebe aber durchaus Chancen für Wolbeck. Die Entscheidung sei nicht Sache der Landespolitik, sondern der Kammer, die zudem mit einer klaren Mehrheit von 8 zu 2 entschieden haben. Daran müsse sich die Politik auch bei unbequemen Entscheidungen halten und sich nicht einmischen, so Sternberg. Graf Franz-Pius von Merveldt beklagte allerdings, die Gartenbauer seien in der Kammer nicht ausreichend präsentiert. Es sei „deprimierend, wie ein Leistungszentrum derart in den Keller“ gehen könne.

Sternberg, sagt, die Entscheidung für Essen müsse keine Katastrophe für Wolbeck sein. Die überbetriebliche Unterweisung bleibe in Wolbeck und bedeute den Erhalt eines großen Gartenbau-Bildungszentrums. Die Betriebe müssten ihre Lehrlinge also nach Münster-Wolbeck schicken. Überhaupt habe sich in Münster einiges an Angeboten im Bereich der beruflichen Fortbildung konzentriert.

Westpreußisches Landesmuseum bleibt in Wolbeck

Das Landesmuseum sei ein wichtiges Museum, das Schülerinnen und Schülern das Thema Flucht und Vertreibung exemplarisch näherbringen könne. Mit der Bundestagswahl seien alte Pläne einer Konzentration in Lüneburg vom Tisch, sagte Sternberg auch als kulturpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Düsseldorf. Dr. Lothar Hyss, Direktor des Wolbecker Museums, unterstrich im Gespräch mit Wolbeck-Muenster.de, die „Akzeptanz in den Schule“ sei „das Allerwichtigste“.

Dr. Reinhard Sappok vom Förderkreis Drostenhof zu Münster-Wolbeck  e.V. betonte den Wert des Landesmuseums für die Beziehungen zu Polen. Das Museum fördere mit seiner Außenstelle in Krockow und den guten Beziehungen von Hyss zu vielen Direktoren polnischer Museum den Austausch. Auch hier bekundeten viele Anwesende Zustimmung. Sternberg wies darauf hin, dass sich auch der Botschafter der Republik Polen persönlich für das Westpreußische Landesmuseum eingesetzt habe. Auch Graf Merveldt wies auf den Wert der Verbindung zu Polen hin.

Rege Diskussion um Ortsumgehung Wolbeck/L585n

Auch einige Angelmodder hatten sich eingefunden, und die Ratsherren von Merveldt, CDU und Kurt Pölling, SPD. Auch Willi Schriek als FDP-Vertreter der Bezirksvertretung Münster-Südost war gekommen. Die Politiker unterstrichen ihre fraktionsübergreifende Bejahung der Ortsumgehung Wolbeck.

Es gab auch einige, wenige Kritiker. Wie er dieses Projekt verantworten könne, wurde Sternberg gefragt. Es bringe „ein enormes Maß an Naturzerstörung“ und das Land sei verschuldet. Es sei ein „Schildbürgerstreich“. Sternberg konterte, man müsse auch den Lebensraum von Menschen schützen. Der Ortskern mit seinen historischen Werten gehe sonst kaputt. Er sei ein „Kind vom Lande“, das Natur schätze. Man könne diese Straße in die Landschaft einpassen.

Ein Angelmodder befürchtete, die hohe Straße werde Wolbeck und Angelmodde stärker trennen, eine These, der ein anderer Angelmodder widersprach: Die Verbindungen blieben so gut wie zuvor. Das die Straße viel mehr LKWs und „Mautflucht“ bringen, bezeichnete Sternberg als wenig plausible These. Man brauche die Straße dringend, so Pölling, SPD, deshalb habe man sie gemeinsam mit den Kollegen von der SPD vorangetrieben. Schriek betonte die derzeit schwierige Lage im Ortskern besonders für ältere und behinderte Menschen. Hier eine Route zu finden sei sehr schwierig.

Ortsumgehung „ist es nicht allein“

Hein Hoebink, Bürgerforum Wolbeck, und Thomas SternbergUnterstrichen wurde, dass die Ortsumgehung noch keine paradiesischen Verhältnisse schaffe. Der Verkehr bleibe dicht. Und man müsse dann die neuen Möglichkeiten zur Gestaltung nutzen, um das Dorfleben zu entwickeln. Bislang sei, so Hein Hoebink, ein planerisch bereits abgeschlossener Umbau an der Münsterstraße nicht möglich gewesen, und zwar wegen der Verkehrsbelastung.

In einer erfrischend knappen Stellungnahme sagte Barbara Hoebink-Johann, Studien hätten immer wieder festgestellt: Solang die Umgehung nicht da sei, könne sich nichts entwickeln. Mancher redete sich an diesem Abend aus Freude langjährige Enttäuschung von der Seele.

Linnemann, Mitglied des Bürgerforums Wolbeck e.V., forderte den Bau eines Ringes von Parkplätzen „rundum“. Die Bürger müssten wachsam sein, dass nicht ein Fehlen und Streichen von Parkplätzen Chancen zunichte mache. So habe die Stadt einen hinter dem Bauernhof Niehoff vorgesehenen Parkplatz aus der Planung gestrichen. Das sei verfehlt.

Neue Gestaltungsmöglichkeiten für den Dorfkern

Uwe Gebhardt, langjähriges Mitglied der SPD, unterstrich noch einmal die neuen Möglichkeiten, die die Ortsumgehung als Landesstraße für das eigenständige Gestalten des Ortskerns bedeute. Dann werde aus der jetzigen Landesstraße eine Straße, die man selbst gestalten könne, mit verkehrsberuhigenden Maßnahmen wie Tempo-Limits oder Sperrungen. Noch ist die Straße Münsterstraße/Altes Steintor eine Landesstraße, was Eingriffe verbietet. Mit der Ortsumgehung werde der rechtliche Status verändert. Pölling erinnerte an fertige Planungen für Umbauten im Dorfkern, denen nur der Landesstraßen-Status im Weg gestanden habe.

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