The Rolling Stones: Beat-Ekstase in Münster

Am 11. September 1965 begann die erste Deutschlandtournee der Rolling Stones. Fünf Konzerte standen auf dem Tourplan. Ihre ersten Auftritte in Deutschland hatte die britische Band in Münster. Das Stadtmuseum Münster zeigt ab 1. Oktober bislang unveröffentlichte Fotos des münsterschen Pressefotografen Willi Hänscheid von diesem legendären Konzert in einer Ausstellung.

Stadtmuseum Münster präsentiert Fotos vom ersten Auftritt der "härtesten Band der Welt" in Deutschland vor 40 Jahren

Neben den über 70 Fotos präsentiert die Ausstellung damalige Beiträge der Wochenschau und Berichte des Jugendmagazins "Bravo", das die Fans schon vor der Tour mächtig anheizte. Auch akustisch lässt das Stadtmuseum den Stones-Auftritt wieder aufleben: An einer Audiostation können die Besucherinnen und Besucher alle Stücke des Auftritts in Münster hören.

Der Andrang auf die Eintrittskarten war vor 40 Jahren so groß, dass die Rolling Stones gleich zwei Konzerte hintereinander spielten. Auf dem Schwarzmarkt wurden horrende Preise für die Tickets verlangt. Rund 80 Prozent der Besucher kamen von auswärts zu den etwa 20-minütigen Auftritten. "Ausgerechnet in Münster, bislang nicht als Mekka des Beat bekannt, betraten die Briten erstmals eine deutsche Bühne", wundert sich auch Dr. Axel Schollmeier, stellvertretender Leiter des Stadtmuseums Münster und Kurator der Ausstellung, über die Ortswahl zum Tourneestart.

Frenetisches Hüftwippen behaarter Wesen

Unverständnis für die neue Jugendkultur schwang in manchem Kommentar mit: "Wie ist es möglich, dass fünf lächerlich unmännlich gekleidete und behaarte Wesen Tausende junger Menschen zu frenetischem Hüftwippen und Kopfnicken bringen", hieß es in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Längere Haare, gelockerte Krawatten und fünf vermeintlich harte Jungs auf der Bühne: Beat-Ekstase bedrohte die öffentliche Ordnung.

Die Sicherheitskräfte waren alarmiert. Sämtliche Polizeipräsidenten der weiteren Tour-Stationen waren angereist, um das Phänomen zu studieren. Ausschreitungen wurden befürchtet, doch in Münster blieb alles ruhig. Anders das Szenario wenige Tage später in Berlin: Dort ging die Waldbühne in Flammen auf.

Unmittelbare Nähe ermöglicht eindrucksvolle Bilder

Willi Hänscheid bewegte sich bei den Münster-Konzerten in einer heute nicht mehr vorstellbaren Nähe zu den Musikern auf der Bühne. Die Fotos halten nicht nur die Rolling Stones in eindrucksvollen Bildern fest, sondern geben auch die Atmosphäre der Konzerte wieder. Die Fans hielt es nicht mehr auf den Stühlen, und die Presse titelte später: "Zehntausend in Beat-Ekstase".

Aber auch die skeptische Haltung der angereisten Polizeipräsidenten und die Nervosität der Ordnungshüter hat Hänscheid dokumentiert. Das Medienecho war ähnlich überragend wie auf der aktuellen Tournee der Rolling Stones. Dieselben harten Jungs sind heute fast im Rentenalter und Ikonen ihrer Zunft.

"Diese Ausstellung zeigt nicht nur neue Entdeckungen aus unserem reichen Fotoarchiv, sondern zeugt auch von sehr viel Herzblut eines Fans", freut sich die Leiterin des Stadtmuseums, Dr. Barbara Rommé, über das große Engagement ihres Stellvertreters bei der Konzeption der Ausstellung. "The Rolling Stones in Münster" zeigt das Stadtmuseum vom 1. Oktober bis 5. Februar 2006. Der Begleitband zur Ausstellung mit rund 80 bisher unveröffentlichten Aufnahmen ist für 16,80 Euro im Museumsshop erhältlich.

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