Soziales und Miteinander

Stadt Münster und Landschaftsverband entwickelten Training für suchtgefährdete junge Spätaussied

18 Jul , 2006  

Münster.- In der Arbeit gegen drohende Alkoholabhängigkeit von jungen Spätaussiedlern könnten die riskant konsumierenden Jugendlichen selbst zu wichtigen Helfern werden. Das zeigt ein Modellversuch des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Sie entwickelten ein Risikokompetenztraining, das gefährdete Jugendliche für ihr riskantes Konsumverhalten sensibilisiert und ihnen eine kritische Haltung zum Umgang mit Suchtmitteln vermittelt. 

Das teilt das Presse- und Informationsamt der Stadt Münster am Dienstag, den 18.07.06 mit. Ziel ist, dass die jungen Leute ihr Wissen und ihre Einstellung anschließend an Gleichaltrige in der Clique weitergeben. Mittlerweile absolvierten 27 junge Leute das fünftägige Training – und manches weist schon jetzt auf positive Effekte hin.

Beobachtungen zeigen, dass junge Russlanddeutsche teilweise schon früh in die Gefahr geraten, über riskanten Alkoholkonsum in eine handfeste Drogenabhängigkeit abzugleiten.. Das zeigte sich nicht nur in Münster, wohin seit Ende der 80er-Jahre rund 14 000 Spätaussiedler gezogen sind. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stellte für das auf zweieinhalb Jahre angelegte Projekt in Münster 300 000 Euro bereit. Außerdem unterstützt die städtisch verwaltete Stiftung Siverdes das Projekt in Kooperation mit dem LWL mit 11 000 Euro. Die Beteiligten hoffen, dass das Konzept erfolgreich ist und bundesweit Kommunen und Trägern zur Verfügung gestellt werden kann.

"SeM" – Sekundäre Suchtprävention für spätausgesiedelte junge Menschen in Münster – macht die Russlanddeutschen nicht nur zur Zielgruppe. Die Betroffenen und deren Umfeld werden selbst zu Akteuren. Russischsprachige Streetworker warben zunächst acht junge Spätaussiedler aus den Stadtteilen Gievenbeck und Berg Fidel an, wo viele Russlanddeutsche leben. Ihr Erfahrungshorizont war bei der Erarbeitung von Schulungsmaterialien und Trainingsinhalten hilfreich. Zugleich erleichterten sie die Kontaktaufnahme zu den Jugendlichen aus den beiden Stadtteilen, die anschließend das neu entwickelte Training absolvierten.

Das von Projektkoordinatorin Ludmilla Dickmann (LWL), Stefan Scholz und Sebastian Köhler (Stadt Münster) durchgeführte Training verknüpft theoretisches Wissen mit erfahrbaren Regeln für das alltägliche Handeln. Die jungen Leute lernen Risiken wahrnehmen und einschätzen und entscheiden dann selbst, ob und wie riskant sie sich in bestimmten Situationen verhalten. Die Regeln für das Wahrnehmen von Risiken und Gefahren und für das Einschätzen von Folgen bestimmter Verhaltensweisen lernten sie ganz praktisch durch Unterricht in der Risikosportart Klettern.

"Der Transfer vom Risikomanagement beim Klettern zum Thema Sucht fand bei den Jugendlichen fast automatisch statt", berichtet Sebastian Köhler von der städtischen Jugendeinrichtung Lorenz-Süd in Berg Fidel. Sein Kollege Stefan Scholz aus der entsprechenden Einrichtung in Gievenbeck bestätigt: "Den Jugendlichen wurde klar, dass und warum sie sich vor dem Trinken von Alkohol Konsumregeln geben müssen, um Risiken und unerwünschte Folgen zu begrenzen."

Das Hinterfragen riskanter, unreflektierter Alkohol-Konsummuster erfolgte nicht allein bei der fünftägigen Schulung. Eltern und andere Erwachsene, zu denen die jungen Spätaussiedler guten Kontakt haben, wurden parallel ebenfalls geschult, damit sie Verhaltensänderungen der Jugendlichen unterstützen. Zugleich wurden die jungen Leute motiviert, ihr neu erworbenes Wissen an Gleichaltrige – die so genannte Peergroup – weiterzugeben, um dort gleichfalls Änderungen auszulösen.

Eine erste Befragung unter den Beteiligten bestätigte im Nachgang, dass der hohe Alkoholkonsum tatsächlich als Thema mit Handlungsbedarf wahrgenommen wird. Im Oktober folgt eine weitere Erhebung, um fundierte Daten über die Wirkung des Trainings zu erhalten. Informationen zum Modellprojekt: Stadt Münster, Fachstelle für Suchtvorbeugung im Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, Tel. 4 92-51 85, www.projekt-sem.de.

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