Albersloh

Plattdeutsches Theater lebt in Albersloher Wersehalle

8 Dez , 2006  

Sendenhorst-Albersloh. Viele Sketche aus dem prallen Leben und einen gelungenen Einakter boten  am Freitagabend, dem 8.12.2006, die Freunde der plattdeutschen Sprache des Heimatvereins Albersloh. Auch mit Ungeplantem wussten die Theaterspieler bei der Premiere zu bestechen – des öfteren fielen die Requisiten auseinander oder von der Wand.

Vielfalt und Spaß waren Trumpf im ersten Teil. Seine liebe Not hatte der Jung-Pastor Sebastian Sievert mit Irmgard Möllenkamp und Alfons Oehl. Ob Redeschwall oder gelegentliches Poltern, das unverheiratete Paar machte es dem Pastor herrlich schwer. Aufsehen erregte auch der Nachwuchs. Als noch stummer Nachwuchs bot Johanna Hollasch in Bienen-Tracht einen Tanz zum Gesang von „Ik mög so gän ne Imme sein“. Dass man auch ohne Vorkenntnisse ein Gedicht an den Nikolaus auf Platt richten kann, bewies ihr Bruder Lukas Hollasch mit „Jännskens Gebiät an Sünteklaos“.

Großzügigkeit weit über die Zahlungsfähigkeit hinaus bewies Dieter Riemer seinen Erben in spe, was den Notaren Melanie Buhne und Eva Lehmkuhl Probleme schaffte. Als westfälisches Original des Berliner Größe „Ekel Alfred“ entpuppte sich der notorische Spanner und Denunziant Alfons Oehl in „De Dwiärsdriwer“. Wie herrlich es ist, aneinander vorbeizureden, zelebrierten Verena Ahlers und Vera Krevert.

Der Höhepunkt der Schauspielkunst lag wie im Vorjahr beim Einakter. Und wieder hatte Spielleiterin Anne Vorderderfler eine arg resolute Tante aufs Korn genommen. Wenn es in Albersloh beim plattdeutschen Theater einen Einakter gibt,  dann geht es häufig den Tanten an den steifen Kragen. Herrisch, Geldverhältnisse ausnutzend, macht die langjährige Ehren-Jungfrau und Tante, herrlich verkörpert von Maria Naber, Vorschriften, wo sie nur kann. Befreiende Rache liegt in der Luft, als sich ein unerbetener Bräutigam für die aufbegehrende Tochter des armen Vaters ankündigt. Die Raffinesse und Verstellungskunst einer ränkeschmiedenden Frau spielt Elke Große-Perdekamp gekonnt aus. So viel Verständnis für seine eigensüchtigen Interessen hätte den Brautsucher Manni Röckmann stutzen lassen sollen. Doch die glänzend inszenierte Falle funktioniert und die Freude liegt beim wahren Schwarm Andreas Möllenkamp, Vater Josef Buhne und der Schwester Almut Rauße. Rauße, seit langem bei kleinen Stücken dabei, debütierte beim Einakter mit einer schön ausgefüllten Rolle.

Die Spielfreude begeisterte den vollen Saal. Auch Bürgermeister Berthold Streffing sang das „Abschleischke Heimatleed“ mit.

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