Orgelkonzert in Münster-Hiltrup

Unter dem Titel "Wer ist mein Nächster" findet am 28. August im Rahmen des 1200-jährigen Bistumsjubiläums ein Orgelkonzert statt. Organist Henk Plas spielt in Alt St. Clemens in Münster-Hiltrup Werke niederländischer Komponisten.

Hiltrup, Pfarrkirche Alt-St.-Clemens  
Eintritt frei, um eine Spende wird am Ausgang gebeten.

Erläuterung zum Untertitel: „Wer ist mein Nächster?“

Im Buch Levitikus Kapitel 19 Vers 18 heißt es: „Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst“. Im Lukasevangelium fragt ein Gesetzeslehrer Jesus in Bezug auf diese Bibelstelle: „Wer ist mein Nächster?“ Daraufhin antwortet Jesus mit dem Gleichnis  von barmherzigen Samariter (Lukas 10, 30-37), das uns von Kindesbeinen an vertraut ist.

Die Frage des Gesetzeslehrers gilt auch für uns heute. Wer ist mein  Nächster? Im Hinblick auf das Bistumsjubiläum könnte man seine Frage auch noch anders deuten: wer kommt nach mir, wer folgt mir nach? Hiermit stößt man auf eine Kernfrage des Glaubens: wer trägt Sorge dafür, dass es mit dem Glauben weitergeht, wem traue ich es zu, mit mir den Glauben weiterzugeben?

In der 1200 jährigen Geschichte des Bistums Münster haben viele Menschen den Glauben weitergegeben. Am Anfang steht der erste Bischof von Münster: Liudger, geboren 742 in Friesland. Damit fängt eine – in  vielerlei Hinsicht – bewegte Geschichte zwischen dem Bistum Münster und den Niederlanden an, die an dieser Stelle nur mit einigen Stichworten angedeutet werden kann. 1534-1535: die Wiedertäufer unter Jan van Leiden regieren Münster, 1648: Westfälischer Frieden  – damit wurde „de Republiek der Verenigde Nederlanden“ offiziell von den anderen Staaten Europas anerkannt, 1672: Christoph Bernhard von Galen, Fürstbischof von Münster, führt Krieg gegen den nördlichen Teil der oben genannten „Republik“. Diese Daten sind verbunden mit Glaubenskriegen (obwohl es natürlich um mehr als nur den Glauben ging), die leider diesen Teil der Geschichte kennzeichnen. Es gibt aber auch andere Zeiten: die des friedlich miteinander Lebens der direkten Nachbarn, so wie in der jüngsten Vergangenheit. Das ist nur möglich, indem man den „Nächsten“ respektiert, sich für ihn interessiert und seine Gewohnheiten und Kultur kennenlernen möchte. Dazu soll dieses Konzert ein kleiner Beitrag sein, schreiben die Veranstalter des Orgelkonzerts in Münster-Hiltrup.

Die nächsten Konzerte:

Sonntag, 23. Oktober     Chorkonzert mit der Capella Vocale Münster e.V.

Pfarrkirche, 17.00 Uhr    Leitung: Martin Stegmann: Salve Regina – Mariengesänge aus vier Jahrhunderten

Samstag, 29. Oktober     Konzert für Trompete und Orgel

Pfarrkirche, 20.25 Uhr    (25 Jahre Stadthalle – Hiltruper Kulturinitiative, Münster-Hiltrup)

Thomas Stählker und Henk Plas spielen Werke aus dem Barock und aus dem 20. Jahrhundert

Programm

Wir rufen dich an, Herr Jesu Christ …
1. Preludium e fuga II                            Henk Badings (1907-1987)                         
2. Partita „U Here Jezus roep ik aan“      Bert Matter (*1937)
            (Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ)                               

… damit Du Einzug hältst in unser Leben …

3. Echo-Fantasie d-moll                         Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621)       
4. Psalm 24:                                          Anthonie van Noordt (um 1620-1675)
   Der Einzug des Herrn in sein Heiligtum
1.        Vers:  C.f. im Sopran
2.        Vers:  C.f. im Sopran koloriert
3.        Vers:  C.f. im Baß

   Der Einzug des Herrn in sein Heiligtum

… und wir uns freuen an Deinem Geleit.

5. Fantaisie ineffable                              Jaap Dragt (1930-2003)                                  unaussprechliche Fantasie 

6. Choralvorspiel “Jesu meine Freude”  Johannes Gijsbertus Bastiaans (1812-1875) 

7. Sonata da Chiesa                                Hendrik Andriessen (1892-1981)    

                Tema con Variazione e Finale

Henk Plas studierte nach seinem Abitur Orgel am Konservatorium in Zwolle (Niederlande) bei Harm Jansen. Danach setzte er sein Studium fort am Konservatorium in Enschede bei Gijs van Schoonhoven (Orgel) und Cor Ardesch (Kirchenmusik). 1996 legte er neben seinem Konzertexamen auch das A-Examen für Kirchenmusiker erfolgreich ab. Seitdem arbeitet er als Kirchenmusiker in Münster. 2003 wechselte er nach St. Clemens, Münster-Hiltrup.
Er konzertiert regelmäßig sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden.

Henk Plas studierte nach seinem Abitur Orgel am Konservatorium in Zwolle (Niederlande) bei Harm Jansen. Danach setzte er sein Studium fort am Konservatorium in Enschede bei Gijs van Schoonhoven (Orgel) und Cor Ardesch (Kirchenmusik). 1996 legte er neben seinem Konzertexamen auch das A-Examen für Kirchenmusiker erfolgreich ab. Seitdem arbeitet er als Kirchenmusiker in Münster. 2003 wechselte er nach St. Clemens, Münster-Hiltrup. Er konzertiert regelmäßig sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden.

Kurzbiografien  der  Komponisten

Henk Badings wurde in Indonesien, damals noch niederländische Kolonie, geboren. Als er acht Jahre alt war, zog die Familie zurück in die Niederlande. Er studierte zunächst technische Fächer und war als Komponist Autodidakt, bis er 1929 Kompositionsunterricht bei Willem Pijper bekam, der eine ganze Reihe Komponisten ausbildete, die in den 50-70er Jahren Furore machten. 1934-45 war  Badings als Lehrer und Direktor an verschiedenen Konservatorien tätig. Seine internationale Anerkennung zeigt sich in dem Kompositionsauftrag, den er 1942 für die Jahrhundertfeier der Wiener Philharmoniker bekam. Nach 1945 widmete er sich verstärkt der Komposition und war 1956 Mitbegründer des elektronischen Studios von Philips in Eindhoven. 1962-72 war er Professor an der Musikhochschule in Stuttgart. In seinen Kompostionen bedient er sich größtenteils polyphoner Techniken.

Bert Matter war lange Jahre (1969-2002) Organist der „St. Walburgskerk“ in Zutphen. An der Restaurierung der berühmten Bader-Orgel (gebaut 1637) hat er maßgeblich mitgearbeitet. Die Orgelbaufamilie Bader stammte aus Westfalen. Außerdem hat er eine ganze Generation jetzt bekannter Organisten ausgebildet, u.a. Gijs van Schoonhoven und Cor Ardesch, die mir wiederum ihre Kenntnisse weitergegeben haben. Matter ist vor allem bekannt als Improvisator. Als wichtigste Lehrerin bezeichnet er „seine“ Bader-Orgel.

Jan Pieterszoon Sweelinck war vor Einführung des Euro abgebildet auf der 25- Gulden-Banknote. Damit zeigt sich wohl am besten seine Bedeutung in der Musikgeschichte. Um 1580 wurde er als Nachfolger seines Vaters Organist der Alten Kirche. Neben seinen Orgelwerken hinterließ er auch auf vokalem Gebiet ausgezeichnete Werke wie die „Cantiones Sacrae“ und die „Psalmen Davids“. Durch seinen großen Schülerkreis, worunter viele deutsche Schüler wie z.B. Samuel Scheidt sind, erstreckte sich sein Einfluss nachhaltig auf Deutschland. Die Echo-Fantasien haben ihren Namen von der Echowirkung, die durch abwechselnde forte- und piano-Registrierungen bestimmter gleicher oder ähnlicher Motive erreicht wird. Diese befinden sich im Mittelteil der Fantasien.

Anthonie van Noordt war der bedeutendste Repräsentant seiner Familie. Sein „Tabulatuur-Boek van Psalmen en Fantasyen“ enthält zehn Variationsreihen über Melodien des sogenannten Genfer Psalters (auch französischer Reim- oder Hugenottenpsalter). Unter Einfluss des Reformators Johannes Calvin wurden 1562 alle 150 in Strophenform nachgedichteten biblischen Psalmen als entgültige Sammlung herausgegeben. Die Melodien stammen von verschiedenen Komponisten. In bestimmten reformatorischen Kirchen in den Niederlanden dürfen bis heute nur diese Psalmlieder gesungen werden. In der zweiten Variation ist die Melodie mit vielen zusätzlichen Noten ausgeschmückt (koloriert).

Jaap Dragt studierte Orgel am Konservatorium in Amsterdam bei Jacob Bijster und erzielte dabei zum Abschluss dem „Prix d’Excellence“. Als Organist arbeitete er u.a. in Amsterdam und Zwolle. In Zwolle war er als Orgelprofessor  1961-87 am Konservatorium tätig, und so war er noch gerade zu meiner Aufnahmeprüfung dabei. 1972 schrieb er ein Lehrbuch für Orgelmethodik, dass 1982 neu aufgelegt wurde. In seiner Musik lassen sich drei Perioden erkennen. In der ersten und dritten Periode widmet sich Dragt vor allem der Kirchenmusik. Die zweite Periode (ca. 1966-80) wird gekennzeichnet durch größere, nicht choral-gebundene Werke. Metrik, Rhythmik, Harmonie und Tonalität werden dabei immer weiter entwickelt, bis hin zur Polytonalität. Das Werk des heutigen Konzertes stammt aus dem Ende dieser Periode und ist bestimmt für Laien zunächst „gewöhnungsbedürftig“. Die Struktur des Werkes ist jedoch klar und bestimmte Elemente kehren zurück, werden ausgeweitet bis zur Klimax am Schluss.

Johannes Gijsbertus Bastiaans war ab 1868 Organist an der berühmten Müller-Orgel der „St. Bavokerk“ in Haarlem. Er studierte in Leipzig u.a. bei Felix Mendelssohn-Bartholdy, mit dem er die Liebe für die Musik Johann Sebastian Bachs teilte. Er gründete eine Orgelklasse und war Mitbegründer der „Algemene Bachvereniging“. In der Choralbearbeitung „Jesu meine Freude“ wird in den Begleitstimmen die jeweilige Choralzeile nach dem Beispiel Bachscher Choralbearbeitungen vorimitiert. Auch Johannes Brahms ließ sich von ihm inspirieren.
Hendrik Andriessen war Organist der Kathedrale in Utrecht und wurde vor allem durch seine Improvisationen bekannt. Er war Direktor der Konservatorien in Utrecht (1937-49) und Den Haag (1949-57) und arbeitete gleichzeitig am Institut für Katholische Kirchenmusik in Utrecht (1930-49). Mit seinen Kompositionen hat er großen Einfluss ausgeübt auf die niederländische katholische Kirchenmusik. In Gegensatz zu seinen Vorgängern war er von den französischen Musik beeinflusst. Seine Söhne Juriaan und Louis sind beide erfolgreich in die Fußstapfen ihres Vaters getreten. Von seinen Schülern ist vielleicht Albert de Klerk einigen ein Begriff.

Ende der Programminformationen zum Orgelkonzert in Münster-Hiltrup.

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