Kultur

Nachtwei zu Berichten über geplante Zuschussstreichungen bei der „Villa ten Hompel“

30 Dez , 2005  

Zu dem Ansinnen einer angeblichen Mehrheit der CDU-Ratsfraktion, den städtischen Zuschuss für die „Villa ten Hompel“ zu streichen, erklärt der Bundestagsabgeordnete der Grünen Winfried Nachtwei:

"Überrascht und empört las ich heute in den Westfälischen Nachrichten den Bericht, in der CDU-Ratsfraktion zeichne sich eine Mehrheit für die komplette Streichung des Zuschusses für den Geschichtsort Villa ten Hompel ab.

Anfang der 90er Jahre war ich bei meinen Forschungen zu den Riga-Deportationen auf die Bedeutung der Villa ten Hompel als Sitz des Befehlshabers der Ordnungspolizei im Wehrkreis VI während Krieg und Nazi-Herrschaft gestoßen. Ich gehörte dann zu den „Geburtshelfern“ des Geschichtsortes Villa ten Hompel. Sollte der „Sparvorschlag“ ernst gemeint sein, dann sollten wir uns alle über die Konsequenzen klar sein:

Zerstört würde damit eine Einrichtung der historisch-politischen Forschung und demokratisch-rechtsstaatlichen Bildung, die in dieser Art und Weise in Deutschland einmalig ist und die sich dank des besonderen und innovativen Engagements ihrer Mitarbeiter bestes Ansehen im Münsterland, bundesweit, ja international erworben hat.

Fünfzig Jahre lang war in Münster die Beteiligung der von der Villa ten Hompel aus aufgestellten Polizeibataillone an der Judenvernichtung im Osten verdrängt und vergessen. Die Villa ten Hompel wurde zu einem Ort nachholender Erinnerung, Aufarbeitung, Bildung. Wollen die anonymen Sparkommissare damit wieder Schluss machen? Es wäre der Bruch mit einer Erinnerungskultur, wie sie in Münster über die letzten zwanzig Jahre als Fundament eines demokratischen Konsenses gewachsen ist.

Ich fordere die Spitzenvertreter der Union eindringlich auf, sich von dem gemeldeten Streichungsansinnen zu distanzieren."

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