Münster. In Münster sind 3200 arbeitsuchende Menschen über 50 Jahre auf Hartz IV angewiesen. Mit dem Einstieg in das bundesweite Programm „Perspektive 50 plus“ will die Arbeitsgemeinschaft Münster (AMS) ihre Chancen auf Arbeit und ein Leben ohne staatliche Sozialleistungen und Fallmanager erhöhen.
Arbeitsgemeinschaft steigt in das Programm "Perspektive 50 plus" ein
Einmal arbeitslos, haben es Über-50-Jährige besonders schwer,
einen neuen Job zu finden. Die Zahlen der AMS, in der Stadt und Agentur
für Arbeit bei der Umsetzung von Hartz IV zusammenarbeiten, sind
eindeutig: Im Durchschnitt findet in Münster jeder fünfte
beschäftigungsfähige Hartz IV-Empfänger mit Unterstützung der AMS den
Weg zurück in den Arbeitsmarkt. Bei den Über-50-Jährigen ist es nur
noch jeder Zehnte. „Dennoch zeigen die erfolgreichen
Integrationsbeispiele immer wieder: Da geht was“, sagt Thomas Borker,
der bei der AMS das Projekt „Perspektive 50 plus“ leitet. Er ist
überzeugt, dass gerade ältere Arbeitsuchende unterschätzt werden:
„Dabei bringen gerade sie neben fachlichen Kompetenzen auch große
Lebenserfahrung mit, von der Arbeitgeber profitieren können.“
Ein großes Problem älterer Langzeitarbeitsloser: Weil ihnen oft sehr
wenig zugetraut wird, gehen viele trotz eindeutig vorhandener
Fähigkeiten ohne Selbstbewusstsein auf Arbeitssuche. Das reduziert die
Chancen. „Das Selbstwertgefühl älterer Menschen leidet besonders stark
unter Arbeitslosigkeit. Hier setzt das Programm an“, erklärt Borker.
Motivieren, neue Lebensperspektiven schaffen, individuelle Probleme
überwinden und schließlich die gezielte berufliche Förderung sind die
tragenden Bausteine von „Perspektive 50 plus“. Integration in den
Arbeitsmarkt ist das große Ziel. „Wenn wir die Ausgangslage der
Menschen für die Arbeitssuche verbessern, ist aber schon viel
erreicht“, so Thomas Borker.
Das Geld für „Perspektive 50 plus“ kommt vom Bundesministerium für
Arbeit und Soziales. Die Angebote führt die AMS in Zusammenarbeit mit
regionalen Bildungsträgern durch. Die Ausschreibungen laufen derzeit.
Start der ersten Angebote ist voraussichtlich im Oktober.
Perspektiven für 3200 Langzeitarbeitslose
Das AMS-Projektteam hat am 1. Juli seine Arbeit aufgenommen. Wie ernst
es der Arbeitsgemeinschaft mit dem Programm ist, zeigt der personelle
Einsatz. 13 Mitarbeiter umfasst das Team, darunter neben Sozial- und
Diplompädagogen auch Juristen und Betriebswirte. „Die Schwierigkeiten
der arbeitsuchenden Menschen über 50 sind vielschichtig. Um sie lösen,
braucht man fachliche Kompetenz aus vielen Bereichen“, erklärt Borker.
Für das Projekt hat die AMS selbst acht neue Arbeitsplätze geschaffen.
Wesentliche Aufgabe in der Startphase ist die Gewinnung von
Teilnehmenden und ein so genanntes Tiefen-Profiling zur Ermittlung der
individuellen Stärken. Freiwilligkeit ist für das Programm ein
wichtiger Grundsatz. Mit Druck und Drohungen sei gerade älteren
Langzeitarbeitlosen nicht geholfen, so der Borker. „Wir laden die
Menschen ein. Denn wenn wir wollen, dass die Wertschätzung für ältere
Arbeitsuchende steigt, dann müssen wir selbst mit ihnen respektvoll
umgehen.“
Die Arbeitsgemeinschaft Münster (AMS) Fast 20 000 Menschen in Münster
sind angewiesen auf finanzielle Unterstützung durch die
Arbeitsgemeinschaft Münster (AMS), um den Lebensunterhalt und die
Wohnung zu sichern. Seit 2005 ist es Aufgabe der AMS, diesen Menschen
Zugang zu den verbrieften Hilfen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) II -
besser bekannt als Hartz IV - zu ermöglichen. 2008 gewährte die AMS, in
der die Stadt Münster und die Agentur für Arbeit Münster
zusammenarbeiten, Leistungen in Höhe von fast 100 Mio. Euro. Zweite
Aufgabe der AMS ist es, die erwerbsfähigen Hilfebedürftigen bei der
Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. 13 Mio. Euro setzte
sie 2008 für Weiterbildung, Trainingsmaßnahmen, Arbeitsgelegenheiten,
berufsvorbereitende Maßnahmen, Eingliederungszuschüsse und viele
weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Arbeitsaufnahme ein. 7100
Menschen profitierten davon: von arbeitslosen Jugendlichen, Zuwanderern
und älteren Arbeitnehmern bis zu alleinerziehenden Frauen, Erwerbslosen
ohne Ausbildung und Menschen mit Behinderungen. 30,3 Prozent der
Geförderten wurden in den Arbeitsmarkt eingegliedert. Hauptsitz der
Arbeitsgemeinschaft Münster, ist das Stadthaus 2 am Ludgeriplatz,
Nebenstellen gibt es in Kinderhaus und Hiltrup. Die Arbeitsgemeinschaft
hat zurzeit rund 220 Beschäftigte.
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