Meinhof trifft Heimkind Thomas Nufer inszeniert sein "heim.weh" im Pumpenhaus an Meinhofs Studienort

Münster. Diese „Journalistin“ nimmt sich einer guten, wichtigen Sache an; sympathisch ist sie nicht. Mit einem geflohenen „Heimkind“ führt Ulrike Meinhof 1970 Interviews in einem Berliner Café, so der Rahmen von „Heim.weh“ im Foyer des Pumpenhauses am Mittwoch.
Meinhofs Habitus ist selbstbewusst, ja belehrend bis doktrinär gegenüber dem „Proletarierkind“, das sie in ihre Theorie eingebunden hat. Die Zustände im Heim spiegelten die Gesellschaft, so müsse die Aktion mit diesen und anderen Marginalisierten die Gesellschaft verändern. Man müsse wissen, was für andere gut und richtig ist, lässt das Buch die Meinhof sagen.
Jegliche Bildung verwehrt das Heim-System so einem Kind, einer Heißmangel-Bedienerin, das weiß Meinhof. Und kommt ihr trotzdem mit Fremdwörtern, empört sich, als das Heimkind nichts von einem Mikrofon versteht, es, dem man beigebracht hat, dass es „nichts“ ist und kann.
Das Heimkind hat eigene, theoriewidrige Pläne: ein Friseursalon, im Auto vorfahren wie Soraya, dann der Selbstmord aus dem Benzinkanister. Der Meinhof schleudert sie ins Gesicht, sie habe ja nichts erlebt – Meinhof bezweifelt den eigenen Weg, per Film aufrütteln zu wollen; Aktion müsse sein, Reden, Wahlkampf. Dann kommt sie nicht mehr zum Interview-Termin; der Kellner hängt ihr Fahndungsplakat.
Geschrieben und inszeniert hat das Stück Thomas Nufer; ihm bescheinigte Anja Röhl, Stief-Tochter der Meinhof, eine authentische Darstellung der Meinhof. Die Szenen der Treffen im Café sind fiktiv, aber fundiert: Zitate der Meinhof, Motive aus dem Buch „Stille Schreie“ von Regina Page nutzt Nufer.

Nun will das Heimkind (Janine Quandt) handeln, mit Selbstverbrennung; Ulrike Meinhof (Corinna Bilke) ist entsetzt. Foto: A. Hasenkamp, Fotograf in Münster.

Eine überzeugende schauspielerische Leistung bieten Janine Quandt als Heimkind und Corinna Bilke als Ulrike Meinhof. Den Kellner gibt Martin Schlathölter.
Uraufgeführt sah sich das Stück 2015 im Café Milagro, in Berlin war es auch zu sehen.
Gezeigt wird „Heim.weh“ im Pumpenhaus nochmals am Freitag, 6.10., am 27.10. in der ESG. Am Samstag spricht im Pumpenhaus Anja Röhl über „Die Frau meines Vaters“ (jeweils 20 Uhr).

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